Bei Kokainsucht ist der Entzug mit vielen Schwierigkeiten verbunden

Kokainsucht ist heute eine weitverbreitete Sucht, häufig kommt es nach dem Entzug zu einem Rückfall. © Kzenon / shutterstock.com

Kokainsucht ist heute eine weitverbreitete Sucht, häufig kommt es nach dem Entzug zu einem Rückfall. © Kzenon / shutterstock.com

Rascher Entzug bei Kokainsucht verursacht zwar kaum Symptome, aber oft kommt es zu einem Rückfall, denn Betroffenen fällt es schwer, Kokain gar nicht mehr zu konsumieren.

Die Anwendung von Kokain hat lange Tradition und wurde in der Geschichte sehr unterschiedlich eingesetzt. Und zwar konsumierte man es Genussmittel sowie vor allem auch als Suchtmittel. Aber auch als Heilmittel half das Kokain bei manchen Anwendungsgebieten wie beispielsweise gegen Höhenangst. Heutzutage gilt eigentlich nur letzteres. Dementsprechend ist die Kokainsucht heute weit verbreitet. Wobei eine zusätzliche psychiatrische Erkrankung den Suchtverlauf sehr negativ beeinflussen kann. Allerdings beeinflusst eine solche nicht den Erfolge einer langfristigen Entzugsbehandlung, wie jüngst eine Studie zeigen konnte. Im Grunde genommen verursacht der Entzug bei Kokainsucht zwar kaum problematische Symptome, allerdings ist das Risiko für einen Rückfall sehr hoch. Trotz erfolgreichen Entzugs konsumieren sie dann bei der richtigen Gelegenheit wieder Kokain.

 

Inhaltsstoffe von Kokain beziehungsweise des Coca-Strauchs: was die Konsumenten so lieben

Kokain gehört zur Wirkgruppe der Stimulantien, die das Zentralnervensystem anregen. Außerdem bezeichnet man Kokain auch als Weckmittel, Energetikum sowie Excitantia. Hinzu kommt, dass es mit seiner aktivierend-hemmungslösenden Wirkung den Tranquillizern, die erregungsdämpfend wirken, diametral gegenüber steht.

Der Entzug von Kokainsucht erfolgt zwar fast ohne Symptome, aber die Gefahr eines Rückfalles ist groß, denn Betroffene konsumieren nach dem Entzug bei Gelegenheit wieder Kokain!

Das Kokain wirkt vorwiegend belebend auf die geistigen Funktionen. Außerdem unterdrückt es die Müdigkeit, die Schläfrigkeit sowie das Hungergefühl. Letzteres erklärt auch die Verwendung als Appetitzügler.

Stimulantien wie Kokain werden auch als Dopingmittel im Sport eingesetzt, weil es durch sie in einer Hochleistungsphase zu einem restlosen Ausschöpfen aller Kraftreserven kommt. Und zwar ohne dass Ermüdung als Warnsignal des Körpers wahrgenommen wird.

 

Kokain als lokale Anästhesie

Der wichtigste Inhaltsstoff der Coca-Blätter ist das stark giftige Cocain. Dieses Tropinderivat, strukturverwandt mit Atropin hat einen Wirkstoffgehalt bei 0,7 bis 2,5 %, bei jungen Blättern etwa doppelt so viel, je nach klimatischen Bedingungen. Der Geruch und Geschmack der Coca-Blätter ist schwach teeartig und bitter.

Eine Besonderheit von Kokain ist die lokalanästhesierende Wirkung. Diese beruht darauf, dass die in den synaptischen Spalt der Neuronen freigesetzten Transmittersubstanzen – Catecholamine wie Dopamin, Noradrenalin und andere – an der Wiederaufnahme in die Speichergranula gehindert werden.

Die Folge ist eine übermäßige Erregung der postsynaptischen Rezeptoren, die Reizübertragung wird verstärkt und verlängert. Kokain wirkt als indirektes Sympathomimeticum, als Nervengift.

 

Entzug bei Kokainsucht

Der plötzliche Entzug von Kokain ist zwar fast symptomlos, aber die Gefahr eines Rückfalles ist groß. Dementsprechend schwer ist es, die Kokainsucht zu heilen. Wobei noch keine Antagonisten für die Behandlung existieren. Außerdem haben jene Wirkstoffe, die den Entzug unterstützen, eine wochenlange Anlaufzeit.

Ein innovatives Konzept zur Behandlung von Kokainsucht zeigte allerdings in Tierexperimentellen Versuchen eine Wirkung. Dort konnte die passive Immunisierung mit Anti-Cocain-katalytischen Antikörpern den Weg in die Reintegration öffnen.

Schon 1970 wurden Versuche mit Opiat spezifischen Antikörpern gegen Heroin hergestellt, die im Tierversuch in geringen Dosen die Heroin-Wirkungen neutralisierten. Jedoch versagten sie in höheren Dosen, weil sich Fällungsprodukte bildeten. Durch die Herstellung katalytischer Antikörper könnte man dies beim Kokain möglicherweise vermeiden.


Literatur:

Daigre et al. Psychiatric factors affecting recovery after a long term treatment program for substance use disorder. Psychiatry Res. 2019 Jun;276:283-289. doi: 10.1016/j.psychres.2019.05.026. Epub 2019 May 16.

Keramati et al. Cocaine addiction as a homeostatic reinforcement learning disorder. Psychol Rev. 2017 Mar;124(2):130-153. doi: 10.1037/rev0000046. Epub 2017 Jan 16.

Landry et al. Anti-cocaine catalytic antibodies–a novel approach to the problem of addiction. J Addict Dis. 1997;16(3):1-17.

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