Angelina effect bei Brustkrebs findet weltweit Aufmerksamkeit

Angelina Jolie bei der Maleficent WORLD Premiere im Mai, 2014 in Hollywood. 1 Jahr zuvor hatte sie in der New York Times einen Debattenbeitrag mit dem Titel My Medical Choice publiziert, in dem sie ihrer beidseitigen prophylaktischen Mastektomie berichtete, um ihr hohes individuelles Brustkrebsrisiko zu minimieren – und damit weltweit enormes Aufsehen erregte und den Angelina Effect auslöste. © Ga Fullner / shutterstock.com

Meduni Graz untersuchte Angelina Effect. © Ga Fullner / shutterstock.com

Der Angelina effect hilft weltweit bei der Aufklärung zu Brustkrebs. Eine Grazer Studie sorgt in diesem Zusammenhang für internationales Aufsehen.

 

Schauspielerin Angelina Jolie steht rund um die Uhr im Fokus der Öffentlichkeit, jegliche Neuigkeit rund um den Hollywoodstar verbreitet sich über die Medien wie ein Lauffeuer. Mit einer Meldung schockte sie jedoch die ganze Welt: Auf Grund ihres genetisch-bedingtem erhöhten Risiko an Brustkrebs zu erkranken, liess sie sich vorsorglich beide Brüste amputieren und wiederaufbauen. Mit diesem Schritt wurde von ihr ein Zeichen gesetzt, damit sich betroffene Frauen ihrer Optionen bewusst werden. Mit Erfolg, wie WissenschafterInnen der Medizinischen Universität Graz einen positiven Effekt zum Angelina effect statistisch belegen konnten. Die publizierten Ergebnisse fanden von den USA bis nach Australien ein breites Internationales Medienecho.

 

Beispielhaft: Angelina Jolies Entscheidung verbreitet sich weltweit, wichtige Informationen werden damit medial präsent

Die Medienberichte über Angelina Jolies Umgang mit Brustkrebs veränderten die Wahrnehmung der Krankheit in der Öffentlichkeit. Speziell in Bezug auf Brustrekonstruktionen konnte wichtige Aufklärungsarbeit geleistet werden. Nach der Entnahme des Tumorgewebes besteht die Möglichkeit einer Rekonstruktion mittels Implantaten oder durch körpereigenes Gewebe. Die Studie unter der Leitung von Ass.-Prof. PD Dr. David Benjamin Lumenta, Plastischer Chirurg, Klinische Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der Med Uni Graz, zeigt den Effekt der Bewusstseinsbildung als Folge der medialen Berichterstattung durch die Durchführung zweier Online Befragungen mit je 1.000 weiblichen Teilnehmerinnen.

 

Angelina effect belegt: Zahlreiche Frauen setzen sich seither verstärkt mit dem Thema Brustkrebs auseinander

Laut den Ergebnissen der Befragung wissen nach der öffentlichen Berichterstattung in den Medien mehr Patientinnen darüber Bescheid, dass Brustrekonstruktionen, nachdem eine oder beide Brüste abgenommen wurden, möglich seien. Ein deutlicher Anstieg wurde in Bezug auf das Wissen über die Rekonstruktion durch körpereigenes Gewebe festgestellt (11,3% Zuwachs). Vor allem das Wissen darüber, dass eine Brustrekonstruktion in derselben Operation möglich ist, in der auch die Brust entfernt wird stieg nach der medialen Mitteilung durch Angelina Jolie stark an (19% Zuwachs). 20,5% der Teilnehmerinnen der zweiten Befragung gaben an, dass die mediale Berichterstattung über Angelina Jolies Entscheidung der Grund dafür war, sich mit dem Thema Brustkrebs intensiver auseinanderzusetzen.

 

Vorbild Angelina effect: Mediale Effekte sollen zukünftig für Gesundheitsthemen genutzt werden

Durch die prospektive Studie in Form von zwei Befragungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten wird der Effekt auf das öffentliche Bewusstsein als Folge der medialen Berichterstattung über ein Thema der Gesundheitsvorsorge deutlich. „Vielen Frauen, die an der Erhebung teilnahmen, war zwar bewusst, dass die Rekonstruktion der Brust eine Option ist, weniger wussten jedoch darüber Bescheid, dass diese Rekonstruktion in derselben Operation wie die Brustabnahme erfolgen und von eigenem Gewebe stammen kann“, schildert David Benjamin Lumenta die Ergebnisse. Dr.in Patricia-Beatrice Lebo, Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe und Plastische Chirurgin, unterstreicht, dass das Wissen der Öffentlichkeit über das Thema Brustkrebs gestiegen ist.

 

Angelina effect ist ein wichtiger Beitrag für die Gesundheitsvorsorge

Überraschend kam die Entscheidung von Schauspielerin Angelina Jolie, als sie sich aufgrund eines erhöhten Brustkrebsrisikos vorsorglich die Brüste entfernen ließ. Angesichts einer PatientInnen-orientierten Entscheidungsfindung, die in Zukunft eine zunehmende Rolle im Gesundheitswesen spielen wird, ist es umso wichtiger, Aufklärungsarbeit zu leisten, sodass Patientinnen ihre persönliche Entscheidung über den Umgang mit Brustkrebs treffen können. „Die Ergebnisse sind auch für ExpertInnen auf diesem Gebiet hilfreich, wenn sie Patientinnen über Brustkrebs informieren und behandeln“, hebt David Benjamin Lumenta den Nutzen der Studienergebnisse hervor.

Denn das Beispiel von Angelina Jolie kann dabei ein Anhaltspunkt im Gespräch und für manche Patientinnen ein Vorbild sein. Die Offenlegung aller therapeutischen Optionen schafft nicht nur Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung, sondern kann auch für den persönlichen Umgang mit der Krankheit förderlich sein.

Die Erkenntnisse aus dieser Erhebung zum Angelina Effect wurden unlängst als Publikation in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Cancer“ anerkannt, „ein wichtiger Schritt für die Auseinandersetzung mit diesem Thema“, zeigt sich der Wissenschafter erfreut.

Bildtext: Angelina Jolie bei der Maleficent WORLD Premiere im Mai, 2014 in Hollywood. 1 Jahr zuvor hatte sie in der New York Times einen Debattenbeitrag mit dem Titel My Medical Choice publiziert, in dem sie ihrer beidseitigen prophylaktischen Mastektomie berichtete, um ihr hohes individuelles Brustkrebsrisiko zu minimieren – und damit weltweit enormes Aufsehen erregte und den Angelina Effect auslöste. © Ga Fullner / shutterstock.com

Quelle: Lebo PB, Quehenberger F, Kamolz LP, Lumenta DB. The Angelina effect revisited: Exploring a media-related impact on public awareness. Cancer. 2015 Sep 28. doi: 10.1002/cncr.29461.

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