Adrenalin bei Anaphylaxie, Epinephrin, gilt als Mittel der ersten Wahl

Adrenalin intramuskulär einsetzen © Alexey Smolyanyy / shutterstock.com

Durch den raschen Einsatz von Adrenalin können die Symptome einer Anaphylaxie in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden.

Unter dem Strich ist die Anaphylaxie eine schwerwiegende, oft lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktion. Wobei sie sich meist innerhalb von wenigen Minuten nach einem bekannten oder potenziellen Antigenkontakt manifestieren kann. Dies stellt den häufigsten Notfall in der Allergologie dar, wobei Adrenalin zur Therapie der Symptome einer Anaphylaxie als Mittel der Wahl gelten. und wird in allen Leitlinien dementsprechend berücksichtigt. Die Intramuskulärer Applikation von Adrenalin, iv Epinephrin, gilt zur Behandlung der Symptome einer  Anaphylaxie als Mittel der Wahl.

 

Anaphylaxie im Kindesalter

Anaphylaxie bei Kindern ist eine potenzielle akute lebensbedrohliche systemische Überempfindlichkeitsreaktion. Die ausgelöste akute, pathologische Reaktion des Immunsystems auf chemische Reize kann dabei den gesamten Organismus in Mitleidenschaft ziehen.

Immer öfter wird eine nahrungsinduzierte Anaphylaxie im Kindesalter beobachtet, insbesondere Kuhmilch, Erdnüsse und Baumnüsse sind dafür verantwortlich.

Die Symptome reichen von leichten Hautreaktionen Juckreiz und einem Angioödem oder einem Kribbeln an Handflächen und Fußsohlen, Störungen von Organfunktionen bis hin zu einem Kreislaufschock mit Organversagen. In letzter Konsequenz kann es zu einem anaphylaktischen Schock mit tödlichem Kreislaufversagen kommen.

Besonders tückisch ist, dass Symptome einer Anaphylaxie sehr plötzlich auftreten und verschiedene Organe schädigen können. Bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen kann es innerhalb eines 3-Tages-Zeitraumes zu einer weiteren Reaktion kommen. Man spricht hier von biphasische Anaphylaxie genannt.

Auf dem Gebiet der Anaphylaxie bei Kindern bestehen jedenfalls nach wie vor erhebliche Lücken in der Versorgung. Daher möchte das WHO-Kollaborationszentrum von Montpellier einen globalen Aktionsplan für die Anaphylaxie auf den Weg bringen.

 

Einsatz von Adrenalin bei Anaphylaxie

Adrenalin gilt bei der Behandlung der Anaphylaxie als First-Line-Medikament und wird in allen Leitlinien dementsprechend berücksichtigt. Mittels Intramuskulärer Applikation von Adrenalin kann man die Symptome der Anaphylaxie meist wirksam behandeln. Intramuskulär gegebenes Adrenalin mit einem Autoinjektor ist vor allem bei mittelschweren Reaktionen die wichtigste Therapiemethode.

Der Wirkstoff wirkt intramuskulär verabreicht viel rascher und effektiver als Antihistaminika und Glukokortikoide. Allerdings kommen diese Medikamente aber häufiger und regelmäßiger bei einem allergischen Notfall zum Einsatz. Wenngleich weder für Antihistaminika noch für Glukokortikoide klinische Studien zu deren Wirksamkeit bei Anaphylaxie vorhanden sind.

Kontraindikation gegen den Einsatz von Adrenalin bei Anaphylaxie-Verdacht gibt es ungeachtet der Initialsymptome keine. Vor allem bei Blutdruckabfall nach einem bereits bekannten Allergenkontakt sollte Adrenalin unverzüglich gegeben werden.

Als unerwünschte Wirkungen sind Zittern, Frösteln,Herzklopfen, Blässe, Angst- und Schwindelgefühl sowie Kopfschmerzen bekannt.

 

Dosierung von Adrenalin bei Anaphylaxie

Intramuskulär sollte man Adrenalin in die Außenseite des Oberschenkels appliziieren. Bei Ausbleiben der Wirkung kann man die Anaphylaxie-Therapie nach etwa 10 bis 15 Minuten wiederholen. Die Handhabung von Autoinjektoren gehört in geübte Hände. Bei Erwachsenen kommt eine Adrenalin-Dosis von wenigstens 0,3 bis 0,5 mg (0,1 mg pro 10 kg Körpergewicht) zum Einsatz, bei Kindern gibt man 10 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Als großes Problem sehen Experten, dass als Notfallset Adrenalin-Autoinjektoren nach der ärztlichen Behandlung den Patienten nach einer adäquaten Einschulung nicht für zuhause verschrieben werden.

 

Bedeutung der Patienten- und Familienschulung für die Erkennung und Behandlung von Anaphylaxie

Im Grunde genommen stehen validierte klinische Kriterien zur Verfügung, um eine schnelle Diagnose der Anaphylaxie zu ermöglichen. Jedenfalls ist evident, dass eine sofortige intramuskuläre Adrenalin-Injektion in der Mitte des äußeren Oberschenkels die Krankenhausaufenthalte, Morbidität sowie Mortalität bei Anaphylaxie verringert.

Die Verschreibung von Adrenalin-Autoinjektoren für Patienten mit Anaphylaxie in der Vorgeschichte ist sinnvoll, wenn besondere Umstände dies rechtfertigen.

Die Verschreibung von Adrenalin für Säuglinge und Kleinkinder mit einem Gewicht von <15 kg, und zwar insbesondere für Personen mit einem Gewicht von 7,5 kg und darunter, stellt derzeit ein Dilemma dar. Denn die niedrigste in Adrenalin-Autoinjektoren verfügbare Dosis von 0,15 mg ist für viele Säuglinge und auch einige sehr junge Kinder eine zu hohe Dosis.

Jedenfalls erfordert ein wirksames Management der Anaphylaxie einen umfassenden Schulungs- und Informationsansatz, an dem Kinder, Familien, Vorschulen, Schulen, Lager und Sportorganisationen beteiligt sind. Die Verhinderung von Anaphylaxie-Rezidiven umfasst die Bestätigung des Auslösers, die Erörterung der spezifischen Allergenvermeidung, die Allergen-Immuntherapie (beispielsweise gegebenenfalls mit stechendem Insektengift) und einen schriftlichen, personalisierten Notfallplan für die Anaphylaxie.

Schließlich ist die Aufklärung von Kindern und Eltern beziehungsweise Erwachsenen bezüglich dem Erkennen einer Anaphylaxie und des Wissens um die Erste-Hilfe-Behandlung im Notfall von entscheidender Bedeutung.


Literatur:

Tanno LK, Demoly P. Anaphylaxis in children. Pediatr Allergy Immunol. 2020 Nov;31 Suppl 26:8-10. doi: 10.1111/pai.13336. PMID: 33236416.

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Sicherer SH, Simons FER; SECTION ON ALLERGY AND IMMUNOLOGY. Epinephrine for First-aid Management of Anaphylaxis. Pediatrics. 2017 Mar;139(3):e20164006. doi: 10.1542/peds.2016-4006. Epub 2017 Feb 13. PMID: 28193791.

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