Analkarzinom mit Radiochemotherapie behandeln und heilen

Krebszellen entwickeln in der Krebstherapie oft eine Chemo-Resistenz.

Krebszellen entwickeln in der Krebstherapie oft eine Chemo-Resistenz.

Analkrebs, ein Analkarzinom, kann man mit der Radiochemotherapie wirksam behandeln, wobei durchaus auch gute Heilungschancen bestehen.

Die Heilungschancen für Patienten mit Analkarzinom sind besser als bei vielen anderen Krebserkrankungen. Bei frühestmöglicher Erkennung und Behandlung liegt die Heilungsaussicht heute bei fast 90%. Wobei beim Analkarzinom die Radiochemotherapie derzeit den Therapiestandard darstellt.

Eine kürzlich publizierte Studie analysierte anhand früherer Erhebungen verschiedene Einflussfaktoren auf das 5-Jahres-Überleben. In der Auswertung lag das Rückfallrisiko insgesamt bei 22%. Aktuelle, an deutschen Zentren initiierte Studien untersuchen bei Analkarzinom derzeit den Zusatznutzen einer Immuntherapie oder einer Hyperthermie in Kombination mit der Radiochemotherapie.

 

Analkarzinom, humane Papillomaviren

Unter dem Strich haben ungefähr 1,5% Prozent aller Dickdarmkrebserkrankungen ihren Sitz im Analkanal. Wobei im Gegensatz zu anderen Arten von Darmkrebs die Häufigkeit des Analkarzinoms jährlich um einige Prozent zunimmt. Die Inzidenz des Analkarzinoms liegt für Frauen ca. bei 1,9 von 100.000 bzw. 1,1 von 100.000 für Männer (Daten von 2012); der Altersgipfel liegt um die 60 Jahre.

Ursächlich ist in 80 bis 85 % der Fälle eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV), hinzu kommen als Risikofaktoren Immunschwäche und Rauchen. Die Symptome ähneln oft denjenigen von Hämorrhoiden (z. B. Blut im Stuhl, Juckreiz, schmerzhafter Stuhlgang). Die frühesten Tumorstadien sind oft asymptomatisch und sie stellen einen Zufallsbefund dar bzw. werden bei der Darmkrebsvorsorge mittels Darmspiegelung erkannt.

Tumoren im Analkanal unterscheiden sich feingeweblich von Tumoren des übrigen Enddarmes. Während im Analkanal Plattenepithelkarzinome vorliegen, treten im übrigen Dickdarm Adenokarzinome auf.

 

Behandlung

Bis zu den 1980er Jahren bestand damals die Therapie des Analkarzinoms in einer Operation, bei der meistens der gesamte Analkanal einschließlich des Schließmuskels entfernt. Und dementsprechend musste man einen permanenten künstlichen Darmausgang anlegen.

Seitdem hat sich die Therapie drastisch gewandelt, der Einsatz der lokalen Strahlenchemotherapie macht inzwischen in den allermeisten Fällen eine Operation unnötig.

Da Plattenepithelkarzinome des Analkanals besser auf eine Strahlenchemotherapie ansprechen als Adenokarzinome des Darms, stellt sie heute die Therapie der Wahl dar und ermöglicht oft eine funktionserhaltende Behandlung.

 

Strahlen-Chemotherapie vorteilhaft beim Analkarzinom

Im Grunde genommen ist die Standardbehandlung beim Analkarzinom daher heute die simultane, kombinierte Strahlen-Chemotherapie. Wodurch die 5-Jahres-Überlebensrate nach der Erstdiagnose abhängig vom Tumorstadium 70 bis über 90 Prozent beträgt.

Die derzeitige Standardradiochemotherapie umfasst die Bestrahlung des Tumors, der Leisten- und Beckenlymphknoten (Gesamtdosis von 50,4–59,4 Gy) und eine simultane intravenöse Chemotherapie (5 Fluorouracil an Tag 1–4 sowie Tag 29–32 und Mitomycin C an Tag 1 und 29). Durch immer modernere Bestrahlungstechniken wurden über die Jahre die Nebenwirkungen (besonders der Haut) deutlich reduziert.

Eine kürzlich publizierte retrospektive Studie sollte nun anhand geeigneter früherer Studien (1987-2008) die Bedeutung bestimmter Strahlentherapie-bezogener Parameter im Hinblick auf die Therapieergebnisse, d. h. progressionsfreies 5-Jahres-Überleben (PFS), örtliche Tumorrückfälle (lokoregionäre Rezidive) und Toxizität, evaluieren.

 

5-Jahres-Gesamtüberleben über 75%

In einer gepoolten Analyse von Patienteneinzeldaten aus sieben großen, multimodalen Studien (Phase II und III; erste geeignete Studie von 1994) konnten Forscher hierzu die die Gesamtstrahlendosis, die Intervalle zur Bestrahlung sowie die Gesamtbestrahlungszeit quantifizieren. Schließlich konnte man 1.343 Patienten in die Analyse einbeziehen.

Die lokale Rückfallrate in den ersten 5 Jahren nach Therapie (22,8%) korrelierte signifikant positiv mit männlichem Geschlecht (p=0,045), Größe der Ausgangstumoren (p<0,001) und einer längeren Gesamtbestrahlungszeit (p=0,03).

Das 5-Jahres-PFS lag bei 65,7%, das 5-Jahres-Gesamtüberleben bei 76,7%. Die besten Überlebens-Raten (PFS sowie Gesamtüberleben) hatten Patienten mit weiblichen Geschlecht (p<0,001), kleineren Ausgangstumoren (p<0,001 bzw. p=0,027) und kürzeren Gesamtbestrahlungszeiten (p=0,025 bzw. p=0,026).

 

Goldstandard Analkarzinom Radiochemotherapie

Beim Analkarzinom ist jedenfalls die Radiochemotherapie der Goldstandard. Wobei die besondere Herausforderung bei der Bestrahlung des Analkanalkarzinoms die kurative Zielsetzung bei möglichst optimalem Funktionserhalt des Schließmuskels und möglichst geringen bzw. akzeptablen Nebenwirkungen an Haut und Darmschleimhaut ist. Dies gelingt dank verbesserter und neuer radiologischer Techniken immer besser.

Die Radioonkologie unternimmt dabei auch vielfältige Anstrengungen, um die lokale Rückfallrate von ca. 22% noch weiter zu verbessern. Dies erfolgt derzeit im Rahmen von Studien, bei der man die Strahlenchemotherapie mit einer Überwärmungstherapie (Hyperthermie) oder einer Immuntherapie kombiniert.

So untersuchte beispielsweise die von der Deutschen Krebshilfe geförderte randomisierte Phase-2-Studie „RADIANCE“ unter Federführung der Klinik für Strahlentherapie des Universitätsklinikum Frankfurt den Zusatznutzen eines sogenannten PD-L1 Immuncheckpoint-Inhibitors zur Standardstrahlenchemotherapie. Zudem hatte man nach ersten ermutigenden Ergebnissen zum Nutzen der Kombinationstherapie aus Strahlenchemotherapie und Hyperthermie in Erlangen die HyCAN-Studie, eine Phase-3-Studie, gestartet.


Literatur:

Rivin Del Campo E, Matzinger O, Haustermans K et al. Pooled Analysis of external-beam RADiotherapy parameters in phase II and phase III trials in radiochemotherapy in Anal Cancer (PARADAC). Eur J Cancer 2019 Nov; 121:130-143. doi: 10.1016/j.ejca.2019.08.022

Loch H, Loch F. Analkarzinom. Coloproctology 2019; 4 Print ISSN: 0174-2442 Elektronische ISSN: 1615-6730 https://doi.org/10.1007/s00053-019-0372-y

Bussen D. Nachsorge bei Analkarzinom: Was ist wichtig, was ist überflüssig? Onkologe 2007; 13: 1017–21

Ott OJ, Schmidt M, Semrau S et al. Chemoradiotherapy with and without deep regional hyperthermia for squamous cell carcinoma of the anus. Strahlenther Onkol 2019;195(7):607-614. doi: 10.1007/s00066-018-1396x


Quelle: DEGRO – Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.

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