Allopurinol bei chronischer Gicht bewährt und wirksam

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Allopurinol gehört zu den wirksamsten Mitteln in der Behandlung der chronischen Gicht. Recht neu und sehr wirksam ist die Kombination mit Lesinurad.

Im Grunde genommen bleibt ein schmerzhafter Gichtanfall nur sehr selten allein, wenn man nicht rechtzeitig etwas dagegen tut. Zudem verursacht jeder Entzündungsschub eine noch größere Belastung sowie Schädigung der Gelenke. Wobei sich die Gelenke dann allmähliche zu verformen beginnen. Und dadurch verlieren sie an Beweglichkeit. Deswegen sind für ein Endstadium der Gicht die knotig entstellten Finger- und Zehengelenken ganz typisch. Unter dem Strich sind die aber aufgrund moderner Behandlungsmöglichkeiten seltener zu beobachten. Im chronischen Stadium treten dann auch zusätzlich Gichtknoten in Sehnen, Schleimbeuteln, Ohrknorpel sowie den Nieren auf. Besonders gefährdet sind die Nieren, denn eine schlecht behandelte Gicht führt zu Nierensteinen und schweren Nierenschäden bis hin zur Schrumpfniere. Hier ist der sehr alter Wirkstoff Allopurinol seit langem bewährt. Bereits 1977 hat die Weltgesundheitsorganisation den Wirkstoff in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel aufgenommen.

 

Allopurinol in seiner Wirkung bei chronischer Gicht bestätigt

In einer durchgeführten Metaanalyse (2014) konnte bestätigt werden, dass Allopurinol gegen chronische Gicht wirksam ist. Der sogenannte Xanthinoxidase-Inhibitor ist ein als Urikostatikum bezeichnetes Arzneimittel, um die Bildung der Harnsäure zu hemmen. Eingesetzt wird der Wirkstoff

  • bei Hyperurikämie – eine Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut – mit Serum-Harnsäurewerten im Bereich von 500 µmol/l (8,5 mg/100 ml) und mehr,
  • bei durch vermehrte Harnsäure im Blut verursachte Krankheiten: Gicht, Urat-Nephropathie (harnsäurebedingte Nierenschädigung) und UratNephrolithiasis (Harnsäuresteine),
  • zur Behandlung der sekundären Hyperurikämie unterschiedlicher Ursache (erhöhte Harnsäurespiegel im Blut in Folge anderer Erkrankungen).

Bei akuten Gichtanfällen sollte die Behandlung mit Allopurinol erst nach vollständigem Abklingen der Erkrankung begonnen werden. Zu Beginn der Therapie können durch die Freisetzung von Harnsäuredepots akute Gichtanfälle ausgelöst werden. Deshalb ist während der ersten 4 Behandlungswochen die gleichzeitige vorbeugende Schmerzmittel- oder Colchicingabe angezeigt. Bei großen Harnsäuresteinen im Nierenbecken ist nicht auszuschließen, dass sich Teile der infolge einer Allopurinol-Behandlung aufgelösten Steine im Harnleiter festsetzen können.

 

Wechselwirkungen

Allopurinol beeinflusst den Stoffwechsel zahlreicher Arzneimittel und verlangsamt die Ausscheidung von Probenecid (Arzneimittel, das eine vermehrte Harnsäureausscheidung bewirkt). Die Wirksamkeit von Allopurinol wird durch die gleichzeitige Gabe von Arzneimitteln, die eine vermehrte Harnsäureausscheidung bewirken (z.B. Probenecid, Benzbromaron, Sulfinpyrazon oder Salicylaten in hohen Dosen) herabgesetzt. Bei den Antibiotika Ampicillin und Amoxicillin können bei gleichzeitiger Allopurinol-Gabe häufiger allergische Reaktionen– Hautausschläge – auftreten, weswegen bei Allopurinol-Behandlung andere Antibiotika verwendet werden sollte.

 

Nebenwirkungen

Bei Gicht-Patienten kann es zu Therapiebeginn zu einem Gichtanfall kommen. Zu Nebenwirkungen kommt es eher, wenn bereits eine Nieren- oder Leberschädigung vorliegt.

Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können nach der Anwendung von Allopurinol auftreten. Vor allem magenempfindliche Patienten sollten die Tabletten gewissenhaft nach dem Essen einnehmen und auf eine ausreichende Trinkmenge achten.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hautreaktionen, die zu jedem Zeitpunkt der Behandlung auftreten können und sich durch Hautjucken, evtl. verbunden mit Knötchenbildung der Haut, Hautabschuppung, punktförmige bis flächenhafte Hautblutungen und Hautabschälungen bemerkbar machen können. Beim Auftreten derartiger Erscheinungen sollten die Patienten das Allopurinol sofort abzusetzen. Sie sollten umgehend einen Arzt konsultieren, da ein Auftreten schwerer generalisierter Überempfindlichkeitsreaktionen zu befürchten ist. Die vollständige Liste der Nebenwirkungen ist den Informationen der Hersteller zu entnehmen.

 

Lesinurad plus Allopurinol bei Gicht

Seit kurzem ist die Kombination von Lesinurad und Allopurinol zugelassen. Diese zeigte in der Behandlung von Hyperurikämie bei Erwachsenen eine stärkere Wirkung als Allopurinol alleine. Deswegen kommt die beiden Wirkstoffe auch gemeinsam zur Anwendung, wenn Patienten das angestrebte Harnsäure-Niveau mithilfe des Wirkstoffs Allopurinol allein nicht erreichen. Lesinurad ist ein relativ neues Urikosurikum für die Gicht-Behandlung.

Literatur:

Thomas Bardin, Robert T Keenan, Puja P Khanna, Jeff Kopicko, Maple Fung, Nihar Bhakta, Scott Adler, Chris Storgard, Scott Baumgartner, Alexander So. Lesinurad in combination with allopurinol. A randomised, double-blind, placebo-controlled study in patients with gout with inadequate response to standard of care. (The multinational CLEAR 2 study.) Ann Rheum Dis. 2017 May; 76(5): 811–820. Published online 2016 Nov 7. doi: 10.1136/annrheumdis-2016-209213

Seth R, Kydd AS, Buchbinder R, Bombardier C, Edwards CJ. Allopurinol for chronic gout. Cochrane Database Syst Rev. 2014 Oct 14;(10):CD006077. doi: 10.1002/14651858.CD006077.pub3.

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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