Alkoholmissbrauch – psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol

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Der zweithäufigste Grund nach Herzinsuffizienz für einen stationären Krankenhausaufenthalt sind psychische und Verhaltensstörungen durch Alkoholmissbrauch.

Alkoholkonsum ist in unserer Gesellschaft nach wie vor zu selbstverständlich, für die meisten Menschen ist ‚sozialer‘ Alkoholkonsum – das sogenannte Gesellschaftstrinken – völlig normal. Doch Alkohol ist kein Lebens-, sondern bestenfalls ein Genussmittel, ein Nein zu Alkohol sollte als cool angesehen werden, Alkoholmissbrauch hingegen als sehr uncool.

 

Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit

Es gibt ein weites Spektrum von sehr problematischen Alkoholmissbrauch – das Risiko, in eine tatsächliche Alkoholabhängigkeit zu rutschen, ist laut Statistiken vor allem im Alter zwischen 25 und 40 Jahren am größten. Rund 30% der über 50-jährigen Männer in unseren Breiten trinken täglich mehr als 1,5 Liter Bier: das sind 60 mg reiner Alkohol, was bereits als sehr problematisch anzusehen ist.

Der problematische Alkoholmissbrauch ist oft auch ein Problem älterer Menschen, das sich im täglichen Trinken von Alkohol manifestiert, doch auch Kinder und Jugendliche sind oft betroffen. Unabhängig vom Alter müssen betroffene Alkoholkonsumenten sehr oft zur stationären Behandlung im Krankenhaus.

Tausende Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren werden jährlich mit der Diagnose akuter Alkoholmissbrauch stationär in einem Krankenhaus behandelt. Fast 70% der betroffenen Kinder und Jugendlichen, die wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt werden müssen, sind unter 18 Jahre alt.

 

Alkoholmissbrauch hinter Herzinsuffizienz an zweiter Stelle

Die Herzinsuffizienz ist nach wie vor der häufigste Grund für einen stationären Krankenhausaufenthalt. An zweiter Stelle liegen psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, wozu auch der akute Alkoholmissbrauch zählt. Danach folgt Vorhofflimmern und Vorhofflattern.

 

Alkoholabhängigkeit: genetisch bedingt oder Willensschwäche?

Es gibt einen nachgewiesenen genetischen Einfluss auf die Suchtentstehung im Allgemeinen und auf Alkoholabhängigkeit im Speziellen. Es gibt nicht nur Gen, das für die Alkoholabhängigkeit verantwortlich ist, da es sich bei der Alkoholkrankheit um eine multifaktorielle Erkrankung handelt. Es sind schon viele Genloci identifiziert worden, deren Veränderung mit der Neigung zu Alkoholismus in klarem Zusammenhang stehen.

Daten aus der Zwillingsforschung belegen, dass genetische Faktoren von großer Bedeutung für die Entstehung von Alkoholabhängigkeit sind. Diese Zwillingsstudien zeigen auch klar, dass die Manifestation der Alkoholkrankheit sehr oft auch von nichtgenetischen Faktoren mitbestimmt wird. Experten meinen daher, dass im Zusammenhang mit Alkoholabhängigkeit prädiktive genetische Diagnosen als wenig sinnvoll einzustufen sind.

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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