Alkoholismus bei ­Frauen kommt heute deutlich häufiger vor

Alkoholismus bei ­Frauen nimmt deutlich zu. © gmstockstudio / shutterstock.com

Alkoholismus bei ­Frauen nimmt deutlich zu. © gmstockstudio / shutterstock.com

Alkoholismus bei Frauen nimmt deutlich zu, das Verhältnis trinkender Männer zu trinkenden Frauen veränderte sich in den letzten Jahrzehnten auf 3:1.

Unter dem Strich nimmt der Alkoholismus bei ­Frauen deutlich messbar zu, denn das Verhältnis trinkender Männer zu trinkenden Frauen hat sich im vergangenen Jahrzehnt von 4:1 auf 3:1 verschoben. Damit kam es also bei Frauen bezüglich Alkoholismus zu einer starken Zunahme. Allerdings hat aber auch die Behandlungsbereitschaft alkoholkranker Frauen zugenommen. Übrigens gilt Alkoholismus allgemein als Familienkrankheit.

 

Alkoholismus bei ­Frauen und Männer im Vergleich

Alkoholismus bei Frauen und Männern zeigt eine Reihe von Unterschieden. Die alkoholkranke Frau ist durchschnittlich 34 Jahre alt und damit durchschnittlich 7 Jahre älter als der alkohol­kranke Mann. Sie ist häufiger geschieden, und ihr Bildungsniveau ist signifikant höher als das des alkohol­kranken Mannes.

Weiters beträgt die pathologische Trinkdauer bei Frauen 10 Jahre und bei Männern 15 Jahre. Als pathologische Trinkdauer bezeichnet man übrigens die Zeitspanne vom Beginn des problematischen Trinkens mit durchschnittlich 34 Jahren bis zum ersten professionell bereuten Alkoholentzug.

 

Psychische Belastungen und Schmerzen als wichtige Ursachen von Alkoholismus bei ­Frauen

Für Alkoholismus bei ­Frauen sind mehrere Gründe verantwortlich. Sowohl jüngere als auch ältere Frauen setzen Alkohol häufiger als Therapie ein, um Ängsten, Verstimmungen, Kindheits-Traumen und Schmerzen besser zu begegnen. Deswegen spricht man hier von sekundärem Alkoholismus, da die primären Ursachen psychische Konflikte oder eben Schmerzen sind.

Frauen trinken schneller größere Mengen – es kommt bei ihnen deswegen früher zu einem problematischen Konsum und zur Alkohol­krankheit. Problematisch sind in diesem Zusammenhang auch physiologische Gegebenheiten wie langsamerer Alkoholabbau und die raschere Reaktion der Organe.

Auch soziale rollenspezifische Unterschiede sind von Bedeutung. Trotz vielfacher Veränderung in den geschlechtsspezifischen Rollenbildern ist Alkoholismus bei ­Frauen stärker stigmatisiert als bei Männern, bei denen – bis schwerwiegende Probleme auftauchen – viel Trinken in aller Regel mit einem positiven männlichen Image besetzt ist.

Meist ist jedenfalls ein sekundärer Alkoholismus bei ­Frauen zu beobachten. Denn nur ein geringer Prozentsatz der Frauen gehört der Gruppe der primären Alkoholkranken an. Typisch für primären Alkoholismus ist das Trinkmuster des langsam und stetig ansteigenden Alkoholkonsums.

Die Betroffenen rutschen dabei über traditionelles soziales Trinkverhalten in die Alkoholkrankheit. In dieser Gruppe finden sich insofern hauptsächlich Männer, weil diese Trinkgewohnheiten auch eng verbunden sind mit spezifisch männerdominierten Berufssparten und Freizeitaktivitäten. Und zwar sind das beispielsweise das Bau- und Gastgewerbe sowie Mitgliedschaften in einem Fußball-, Musik- oder Schützenverein. Es gibt aber noch viele weitere Beispiele für dazugehörige Trinkkulturen.

 

Alkoholismus ist eine Familienkrankheit

Von besonderer Bedeutung für die Therapie von Alkoholismus bei ­Frauen ist die Tatsache, dass Suchterkrankung eine Familienkrankheit ist, wobei das aber auch für Männer gilt. Denn es ist praktisch immer die ganze Familie davon betroffen.


Literatur:

North CS. Alcoholism in women. More common–and serious–than you might think. Postgrad Med. 1996 Oct;100(4):221-4, 230, 232-3. doi: 10.3810/pgm.1996.10.103. PMID: 8858093.


Quelle: Anton Proksch-Institut Kalksburg www.api.or.at

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