Akute myeloische Leukämie

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Etwa 10–20% der akute myeloische Leukämie Patienten sind primär therapierefraktär und stellen eine große therapeutische Herausforderung dar.

Die akute myeloische Leukämie (AML) macht etwa 80% der akuten Leukämien bei Erwachsenen aus. Die Inzidenz dieser Erkrankung erhöht sich mit steigendem Alter auf 17/100.000/Einwohner/Jahr, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren. Neben therapieassoziierten Formen (t-AML) nach Alkylantien-, Topoisomerase-II-Gabe etc. werden sekundäre Akute myeloische ­Leukämie-(s-AML)-Formen – entstehend aus einem vorangegangenen myelodysplastischen Syndrom oder einer myeloproliferativen Erkrankung – von einer de vovo AML unterschieden.

 

Pathogenese

Funktionelle Untersuchungen im Mäusemodell sprechen für einen malignen Klon der Akuten myeloischen Leukämie, bestehend aus einem großen Anteil leukämischer Myeloblas­ten und einem kleinen Anteil leukämischer Stammzellen (LCS) mit dem Potenzial der Selbsterneuerung.

Die LCS sind in der Lage, dauerhaft alle Zellen des leukämischen Klons zu bilden. Durch Persistenz der LCS kann eine minimale Resterkrankung bleiben, wodurch das Rezidiv der Akuten myeloischen Leukämie entsteht. Epidemiologische und genotypische Untersuchungen weisen darauf hin, dass auch bei AML – wie bei anderen Neoplasien – zwei oder mehr Mutationen krankheitsauslösend sind. Die Expression von PML-RARα alleine löst im Tierexperiment nur bei einem geringen Prozentsatz eine Akute myeloische ­Leukämie (M3) aus.

Ist zusätzlich eine Tandemduplikation von FLT3 vorhanden (welche bei AML häufig vorkommt), kommt es im Tiermodell regelmäßig zur Entwicklung einer Akuten myeloischen ­Leukämie.

 

Diagnostik

Die traditionelle FAB (French-American-British)-Klassifikation der AML basiert auf dem zytologischen Bild der Blasten (M0–M7) sowie ihren zytochemischen Eigenschaften. Die modernere WHO-Klassifikation der Akuten myeloischen ­Leukämie unterscheidet sich durch den für die Diagnose einer AML benötigten Blastenanteil. Entsprechend den WHO-Kriterien besteht eine Akute myeloische ­Leukämie bereits ab 20% Blasten, während die FAB-Kriterien 30% verlangen. Als hauptsächliche Begründung dafür wurde angegeben, dass der klinische Verlauf von Patienten mit einem Blastenanteil von 20–30% dem einer AML entspricht und de facto fast alle diese Patienten mit therapeutischen AML-Protokollen behandelt wurden. Weiters fließen in die WHO-Klassifikation zytogenetische Aspekte, z.B. t(8;21), t(15;17), inv(16) wie auch mutagene Ereignisse und die Knochenmarksdysplasie ein.

Der Stellenwert der Immunphänotypisierung für die Diagnostik einer Akuten myeloischen Leukämie liegt vor allem in der Erkennung undifferenzierter myeloischer Leukämien, die morphologisch und zytochemisch nicht eindeutig von lymphatischen Leukämien abgegrenzt werden können. Mittels Molekulargenetik kann ein suffizientes molekulares Monitoring durchgeführt werden. Bei M3 hat z.B. die Persistenz des Fusionstranskripts PML-RARα eine entscheidende prognostische Bedeutung und positive PCR-Befunde ziehen therapeutische Konsequenzen nach sich.

 

Therapie

Typischerweise besteht die Standardtherapie in ­einer Induktionstherapie (Anthrazyklin, ­Cytosinarabinosid), um eine komplette Remission zu erreichen. Damit können Remissionsraten von 70–80% bei Patienten unter 60 Jahren und 60–70% bei jenen über 60 Jahren erreicht werden.

Bei Patienten unter 60 Jahren kann durch hochdosiertes Ara-C (2 x 3mg/m2) an drei Tagen (2 bis 4 Zyklen) eine höhere Überlebensrate erreicht werden. Bei jüngeren Patienten kann bei passendem Spender eine allogene Transplantation (Geschwister oder Fremdspender) durchgeführt werden.

In den letzten Jahren hat sich an der Standardtherapie der AML nichts wesentlich geändert. Der Einsatz von neuen Therapiestrategien mit zielgerichteten Substanzen eröffnet sicher neue therapeutische Optionen. Dies muss allerdings durch entsprechende Studienergebnisse nachgewiesen werden.

Akute Myeloische Leukämie therapieren

Die Akute Myeloische Leukämie besteht aus einer intensivierten, mehrphasigen Chemotherapie:

  • Induktionsphase mit hochdosierten Chemotherapeutika über mehrere Wochen
  • Konsolidierungsphase mit anschließender Zytostatika-Therapie mit mittelhoch dosierten Wirkstoffen über mehrere Monate.
  • Erhaltungstherapie über bis zu zwei Jahre in niedriger Dosierung.

 

Einen kurativen Ansatz bietet die allogene Stammzelltransplantation.

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MEDMIX Online-Redaktion

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