Topische Aktinische Keratosen Behandlung, um Hautkrebs zu verhindern

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Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Aktinische Keratosen effektiv zu behandeln. Unbehandelt kann sich ein Plattenepithelkarzinom – invasiver Hautkrebs – entwickeln.

Aktinische Keratosen stellen eine frühe Form von Plattenepithelkarzinom der Haut dar. Daher bezeichnet man sie auch als sogenannte „Carcinoma in situ“. Jedenfalls sind aktinische Keratosen auf die obere Hautschicht begrenzt, in der es keine Blut- und Lymphgefäße gibt. Deswegen können sie sich auch nicht im Körper ausbreiten und Metastasen bilden.

 

Unbestimmtes Risiko für ein Plattenepithelkarzinom ohne Behandlung

Bei ausbleibender Behandlung können sich Aktinische Keratosen jedoch zu einem invasiven Hautkrebs weiterentwickeln – dem Plattenepithelkarzinom. Das angenommene Risiko zwischen 0,025 und 16 Prozent ist ungenau, da die Beobachtung einzelner aktinischer Keratosen über einen längeren Zeitraum schwierig ist. Denn sie treten nicht als einzelne, isolierte Hautveränderungen auf, sondern zumeist multipel als sogenannte Feldkanzerisierung. Außerdem ist es aus ethischen Gründen nicht möglich, eine Therapie zu unterlassen, um den natürlichen Verlauf der Erkrankung zu beobachten.

Aktinische Keratosen betreffen eine Vielzahl der älteren Personen in der Bevölkerung – nach Daten aus England erkranken 15% der Männer und 6% der Frauen, wobei die Zahlen in der Altersgruppe der über 70-Jährigen auf 34% bei Männern und auf 18% bei Frauen ansteigen. Weil aktinische Keratosen nicht in Tumorregistern gelistet werden, fehlen genaue Zahlen zu Neuerkrankungsraten in Deutschland. Untersuchungen des Universitätsklinikums HamburgEppendorf weisen jedoch auf eine hohe Erkrankungsrate hin. In Untersuchungen an mehr als 90.000 Arbeitnehmern zwischen 16 und 70 Jahren wurde bei 2,7% die Diagnose aktinische Keratose gestellt. Dabei zeigte sich mit zunehmendem Alter ein Anstieg: Bei den 60-70-jährigen waren 16,36 % der Männer und 6,29 % der Frauen von der Erkrankung betroffen.

 

Gele, Salben und Cremen zur Aktinische Keratosen-Behandlung – von Patienten selbst angewendet

Zur Aktinische Keratosen-Behandlung stehen vielfältige nicht-invasive Therapiemethoden zur Verfügung, unter anderem in Form von Gelen oder Cremen. Die Wahl der Therapie ist individuell zu entscheiden und richtet sich nach der Ausprägung, dem Schweregrad der Erkrankung, dem Allgemeinzustand, möglichen Vorerkrankungen oder Immunschwäche und nach den eigenen Wünschen des Patienten.

Um eine Aktinische Keratosen-Behandlung zu Hause selbst machen zu können, verschreibent der Dermatologe normalerweise eine Creme, ein Salbe oder auch ein Gel. Der Patient muss diese dann flächig auftragen, um so einer soggenannten Feldkanzerisierung – einer großeflächigen Ausbreitung der Hauterkrankung – entgegenwirken zu können. Zusätzlich soll Diclofenac die Vermehrung der Krebszellen hemmen. Retinoide als Wirksubstanz – Abkömmlinge der Vitamin A-Säure – fördern die Abschuppung und die normale Ausdifferenzierung der Oberhautzellen.

Der Wirkstoff Imiquimod soll lokal die körpereigene Abwehrreaktion auf den behandelten Hautstellen aktivieren. Dabei dringen Entzündungszellen in die Epidermis ein und greifen gezielt pathologische und virusinfizierte Zellen an. Aufgrund des Wirkmechanismus von Imiquimod ist die Entzündung unvermeidlich. Die behandelten Bereiche entzünden sich und es können Rötung, Schuppung, Krusten sowie auch nässende offene Stellen entstehen. Die Entzündungen durch die Aktinische Keratosen-Behandlung mit Imiquimod sind wenige Wochen präsent. Sie beeinträchtigen nicht die gesunde Haut und haben eine starke und nachhaltige Wirkung gegen die Feldkanzerisierung.

 

Cremes und Lösungen mit Fluorouracil

Die Wirkung der Substanz 5-Fluorouracil (5-FU) bewirkt eine Hemmung der Zellteilung. Die Anwendung in Form von Cremes und Lösungen mit Fluorouracil führt innerhalb weniger Wochen zu einer sehr starken Entzündungsreaktion mit flächigen nässenden Hautdefekten, die mehrere Wochen zum Abheilen brauchen. Im Falle einer besonders schweren Feldkanzerisierung wird zum Verkürzen der Behandlungszeit zusätzlich ein Retinoid eingesetzt. Dadurch kommt es einer extremen Entzündungsreaktion – der sogenannten Turbotherapie –, die allerdings viele Patienten ablehnen.

Eine besser verträgliche Lösung mit 5-Fluorouracil in niedriger Konzentration und einem Zusatz von Salizylsäure fördert die Abschuppung und erhöht so die Wirksamkeit von 5-FU. Die Lösung wird gezielt bei einzelnen stark verhornten aktinischen Keratosen aufgetupft – meist vor oder nach einer breitflächigen Aktinische Keratosen-Behandlung mit den erwähnten wirktoffen Retinoid oder Diclofenac.

 

Ingenolmebutat

Die pflanzliche Substanz Ingenolmebutat ist eine in der Garten-Wolfsmilch – Euphorbia peplus –  vorkommende Substanz – der chemischen Gruppe der Diterpene zugehörig. Das Gel wird als Arzneistoff zur topischen Behandlung der aktinischen Keratose eingesetzt und ist seit 2012 zugelassen. Ingenolmebutat muss zwei Tage am Körper beziehungsweise auf Gesicht und Kopfhaut drei Tage lang angewandt werden, wodurch eine Entzündungsreaktion hervorgerufen wird, die mit Rötung, kleinen Blasen, Krusten und nässenden offenen Stellen einhergeht. Betroffen sind allerdings nur die Hautareale mit aktinischen Keratosen. In jüngsten Untersuchungen zeigte sich eine gute Wirksamkeit in Kombination mit einer anschließenden Kryotherapie.

 

Effektiv mit sehr guten kosmetischen Ergebnissen behandeln

Aktinische Keratosen kann man aktuell mit vielen Therapieoptionen effektiv und sehr guten kosmetischen Ergebnissen behandelt werden. Jedoch verursachen viele der Substanzen auch unerhebliche lokale Nebenwirkungen.

Zu den oben beschriebenen topischen Möglichkeiten kommen operative Optionen wie die Küretage dazu. Weiters wenden Spezialisten auch oft die Kryotherapie mit Vereisung mit flüssigem Stickstoff sowie Laserbehandlung und mechanisches Schleifen an.

Ein wichtige Option ist schließlich auch die photodynamische Therapie (PDT) bei aktinischen Keratosen mit speziellen Wirkstoffen – 5-Aminolävulinsäure oder alternativ MAOP = Methyl-5-amino-4-oxopentanoat – topisch drei bis vier Stunden vorbehandelt. Diese werden dadurch danach weitaus stärker in die veränderten Zellen aufgenommen als in die Zellen der gesunden Haut.

 

Aktinische Keratosen kombiniert behandeln

Aktinische Keratosen verlaufen häufig chronisch, was oft eine Kombination oder aufeinanderfolgende Therapie mit verschiedenen Substanzen notwendig macht. Bei immungeschwächten Patienten sollte die Behandlung frühzeitig erfolgen, um die Entwicklung invasiver Plattenepithelkarzinome zu vermeiden.

Literatur:

Siegel JA et al. Current perspective on actinic keratosis: a review. Br J Dermatol. 2017 Aug;177(2):350-358. doi: 10.1111/bjd.14852. Epub 2016 Aug 8.

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Dr. Reinhold Lautner

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