Was hilft gegen Pickel? Akne sinnvoll behandeln

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Pickeln, Pusteln und Co. sind Anzeichen für eine juvenile Akne. Für viele Eltern, Kinder und Jugendliche stellt sich die Frage: Was hilft gegen Pickel?

Akne ist eine multifaktorielle Erkrankung mit genetischen, hormonellen und immunologischen Ursachen. grundsätzlich kann jede Altersgruppe betroffen sein, am häufigsten kämpfen allerdings Jugendliche der Altersgruppe 12 bis 18 mit Pickeln, Pusteln und Co. Dies kann deren soziale Kontakte beeinträchtigen und auch Schwierigkeiten für ein zukünftiges Arbeitsleben mitbringen. Eine konsequente und hautärztlich betreute Behandlung führt in den meisten Fällen langfristig zu Erfolgen und zu einem schöneren Hautbild. Doch was hilft gegen Pickel wirklich?

 

Was hilft gegen Pickel? Wie soll man therapieren?

Die in der Haut liegenden Talgdrüsen sind ektodermalen Ursprungs, die Ausführungsgänge sind mit sogenannten Keratinozyten ausgekleidet – das sind verhornende Hautzellen. Die Verhornung im Follikelausführungsgang bildet die Voraussetzung für die Entstehung der Akne. Ein wichtiger Aspekt ist auch eine stark ausgeprägte Talgproduktion (Seborrhoe), die durch männliche Sexualhormone (z.B. Testosteron) und Gestagene (z.B. Progesteron) angeregt wird.

Die Vermehrung der Lipide in der Talgdrüse schafft die Voraussetzung für die Vermehrung von Aknebakterien – oder Propionibacterien genannt (P. acnes). Diese nicht krankheitserregenden Keime produzieren bestimmte Enzyme, die in der Lage sind, Lipide oder Fette abzubauen.

Die Folge ist eine erhöhte Durchlässigkeit der Follikelwand, wodurch vermehrt irritativ wirkende freie Fettsäuren ins umliegende freie Gewebe übertreten können. Außerdem stellt der Talgdrüsenhaarfollikelapparat einen Teil des Immunsystems der Haut dar, wodurch Entzündungsmediatoren produziert werden, die dann auch in eine Entzündungsreaktion der Haut einbezogen sind.

Die Beobachtung der Antike, dass Eunuchen keine Akne entwickeln, wurde von Hamilton 1949 durch die Untersuchung der Wirkungen der männlichen Sexualhormone auf Talgdrüsen bestätigt. Die Sexualhormone sind über die Talgdrüsenmodulation in die Entstehung von übermäßiger Talgproduktion und Akne involviert. Männliche Sexualhormone stimulieren die Talgdrüsenaktivität, weibliche (Östrogen) hingegen hemmen diese.

 

Wie sich Akne klinisch manifestiert

Das klinische Erscheinungsbild der Akne und deren Schweregrad spielen in Bezug auf die Therapieauswahl auch eine entscheidende Rolle. Häufig sind die Stirn, laterale Gesichtspartien, die mittleren Bereiche von Brust und Rücken sowie die Schultern betroffen.

Als Comedonenakne bezeichnet man die primäre Form der Akne, bei der bei Jugendlichen schon ab der frühen Pubertät eine stark ausgeprägte Talgproduktion entsteht. Grund ist die bereits einsetzende Produktion männlicher Sexualhormone.

Wird Comedonenakne nicht behandelt, kann sie rasch in die entzündliche Form der sogenannten Akne papulopustulosa übergehen. Bereits diese Akne birgt das Potenzial der Narbenbildung, aber auch des Übergangs in schwerere Akneformen in sich, weshalb auch moderate Formen unbedingt behandelt werden müssen. Der Schweregrad bei diesen Akneformen richtet sich nach der Zahl der Hautveränderungen.

Die schwerste Form der Akne ist die nodulozystische Akne (Akne conglobata), die überwiegend junge Männer betrifft und vor allem den Körper betrifft, wobei häufig auch das Gesicht betroffen ist. Das klinische Bild der Akne im Gesicht und im Brust-/Rückenbereich variiert in den meisten Fällen beim selben Patienten.

Die hormonell bedingte postmenopausale Akne kommt durch ein relatives Ungleichgewicht zwischen Sexualhormonen zugunsten der männlichen Sexualhormone zustande. Aber auch durch die Einnahme bestimmter Medikation (z.B. Hormonersatztherapie) kann Akne entstehen. In diesen Fällen kann das klinische Bild der Akne ist durch hartnäckige Pappeln meist im Kinnbereich charakterisiert sein.

 

Welche Maßnahmen in der Behandlung von Akne sinnvoll sind

Die Therapie der Akne wird entsprechend den Ursachen der Akne unter Rücksichtnahme auf Art und Schweregrad durchgeführt. Die Prinzipien bestehen in der Steigerung der Vermehrungsrate der Keratinozyten im Follikelkanal, wodurch ein Herauslösen der unschöner Mittesser erreicht wird. Darüber hinaus werden auch keratolytische, dh. hautschälende Maßnahmen ergriffen.

Zudem werden talgdrüsengängige Antibiotika eingesetzt, die durch eine Hemmung der lokalen Bakterienvermehrung entzündungshemmend wirken. Bei hormonell gesteuerter Akne werden zudem sogenannte Antiandrogene verabreicht. Diese verfügen über eine hemmende Wirkung gegenüber männlichen Sexualhormonen.

In den meisten Fällen kombiniert man sinnvoll verschiedene Behandlungsoptionen in der Therapie von Akne. Bei schweren und hartnäckigen Akneformen sowie bei erneutem Auftreten nach Absetzen ob genannter Medikamente ist eine Therapie mit Isotretinoin möglich.

 

Was hilft gegen Pickel, wenn man lokal behandeln will?

Äußerlich anwendbare Retinoide – wie Tretinoin, Isotretinoin und Adapalene – führen zu einem Auflösen unschöner Mitesser und Pickel. Adapalene besitzt eine zusätzlich entzündungshemmende Wirkung, wobei nach etwa sechs Wochen mit Besserungen zu rechnen ist. Starke Sonnenbestrahlung der Haut sollte während einer äußerlichen Behandlung mit Retinoiden vermieden werden.

Benzoylperoxid wirkt als Antioxidans bakteriostatisch und hautschälend und wird hauptsächlich bei Akne papulopustulosa eingesetzt. Die Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei ob genannten Retinoiden, weshalb die gleichen Begleitmaßnahmen zur Therapie notwendig sind.

Azelainsäure wirkt bei leichteren Akneformen und wird häufig als unterstützende Therapie gegeben. Die antibakterielle und hautschälende Wirkung ergänzen einander. Eine gefahrlose Verwendung ist auch in den Sommermonaten möglich.

Äußerlich anwendbare Antibiotika werden vor allem bei papulopustulöser Akne eingesetzt. Vor der Gefahr der Resistenzentwicklung ist allerdings zu warnen, weshalb hier die in der Praxis oft geübten Verschreibungsmodalitäten überdacht werden müssen.

Die Einhaltung von Zeitlimits von maximal drei Behandlungsmonaten ist die einzige Möglichkeit gegen Resistenzbildungen. Der kann Clindamycin und Erythromycin topisch in 2- bis 4-prozentiger Konzentration verordnen. Die Kombination mit Benzoylperoxid oder Azelainsäure schwächt dabei die Resistenzentwicklung ab. Jedenfalls ergänzen die Wirkungen der Lokaltherapie einander sehr oft. Deshalb ist eine Kombinationtherapie gegen Pickel auch häufig indiziert. Auch die Nebenwirkungen sind beim Therapieplan – vor allem in den sonnenreichen Monaten – in Betracht zu ziehen.

 

Von innen: Akne systemisch behandeln

Als oral einzunehmende Antibiotika kommen Tetrazykline – Minozyklin und Doxyzyklin – und Erythromycin wie Aknemycin optional zum Einsatz. Diese Behandlung muss jedoch auf einen Behandlungszeitraum von zwei bis drei Monaten zeitlich beschränkt sein. Probleme der Resistenzentwicklung sind vor allem die Übertragung auf andere Bakterien. Wie beispielweise Staphylococcen, Chlamydien, Legionellen und Campylobacter, gegen die ebenfalls beispielsweise Erythromycin wirken soll. weiters besteht aber auch die Gefahr der Übertragung von Resistenzen auf Kontaktpersonen.

Wirkstoff Erythromycin in Aknemycin. Das Aknemycin mit dem enthaltenen Wirkstoff Erythromycin ist ein Antibiotikum, dass der Gruppe der sogenannten Makrolipide zugehörig ist.

Aknemycin wirkt hemmend auf das Enzym Transpeptidase, das sehr wichtig für die Zellwandsynthese von Aknebakterien ist. Bei Fehlen oder starker Hemmung der Transpeptidase können Aknebakterien keine funktionstüchtige Zellwand mehr bilden und sich nicht mehr vermehren. Durch diese sogenannte bakteriostatische Wirkung sterben Aknebakterien letztendlich ab – es kommt zur bakterioziden Wirkung. Aknemycin entfernt somit Aknebakterien und wirken so der Entstehung der entzündlichen Akne entgegen.

Das beliebte Aknemycin steht zur topischen Anwendung als einfach einsetzbare Salben und Lösungen zur Verfügung. Aknemycin kann aber auch systemisch in Tablettenform angewendet werden – was vor allem in schweren Akne-Fällen der Fall sein kann.

CAVE: Topisches Aknemycin darf nicht ins Auge gelangen und sollte keinesfalls in Kontakt mit Schleimhäuten kommen. Denn der Wirkstoff kann starke Reizungen verursachen.

 

Männliche Sexualhormone hemmen

Die Wirkung sogenannter Antiandrogenen beruhen auf der Hemmung männlicher Sexualhormone und sind als Begleittherapie bei Patientinnen eine vielversprechende Option. Das wohl am besten untersuchte Antiandrogen, Cyproteronacetat – CPA, bessert die Akne nach drei Monaten. Die Angaben über die Besserungsraten nach sechs bis neun Monaten variieren je nach Studie zwischen 64 und über 70 Prozent. Andere Antiandrogene in hormonellen Verhütungsmitteln sind Drospirenon, Dienogest und Chlormadinonacetat.

 

Retinoide gegen Pickel

Retinoide sind chemische Substanzen, die dem Retinol (Vitamin A) sehr ähnlich sind. Sie verhalten sich wie Hormone und beeinflussen das Wachstum und die Ausreifung von Oberhautzellen sowie die Entzündungsaktivität.

 

Isotretinoin gegen Pickel

Isotretinoin ist das am stärksten wirksame Aknepräparat und das einzige, mit dem eine Dauerremission der Akne erreichbar ist. Die Wirkungen von Isotretinoin beruhen auf der dauerhaften Hemmung der Talgdrüsen, der Normalisierung der Verhornung, sowie immunmodulatorischen und entzündungshemmenden Effekten. Isotretinoin ist das Mittel der ersten Wahl bei Akne conglobata und bei schwerer papulopustulöser Akne sowie bei hartnäckiger, therapieresistenter Akne.

Von den Nebenwirkungen ist als wichtigste die Möglichkeit der Embryo Fehlbildung zu nennen, weshalb umfassende Aufklärung und Kontrazeption ein Monat vor Beginn bis zwei Monate nach Therapieende von den Patientinnen zu fordern sind. Diese Information sollten die Patientinnen auch auf einem Revers unterschreiben.

Die übrigen Nebenwirkungen sind bei guter Patientenführung und Compliance der Patienten akzeptabel. Kontrollen von Blutbild, Senkung, Leberfunktionsparametern und Blutfettwerten werden vor Beginn und dann in zweimonatigen Abständen durchgeführt. An Haut und Schleimhäuten kann es durch reduzierte Talg-, Tränen- und Schleimdrüsensekretion zu Trockenheit von Haut und Schleimhäuten kommen.

 

Aknetherapie in der Hand von Spezialisten

Mann sollte bereits die Comedonenakne bei mehrwöchigem Bestehen behandeln, um das Übergehen in eine entzündliche Form der Akne zu vermeiden. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die heute breitgefächerten Therapiemöglichkeiten bei Akne in den Händen von Spezialisten in der Majorität der Fälle zur Abheilung führen. Wichtig erscheint vor allem, dass bei Nichterfolg der primären Therapie eine systemische Retinoidtherapie erfolgt, um den Patienten jahrelange Leidenswege, aber auch die Narbenbildung zu ersparen.

Literatur:

https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/acne.html

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-017.html

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Dr. Reinhold Lautner

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