Akne bei Jugendlichen

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Akne bei Jugendlichen ist am häufigsten, bei 85% aller Erkrankten tritt die multifaktorielle Erkrankung zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr auf.

Akne ist eine multifaktorielle Erkrankung mit genetischem, hormonellen sowie immunologischem Impact, die ihr Inzidenz-Maximum in der Jugend hat. Prinzipiell kann die Hauterkrankung zwar in jedem Alter entstehen, doch Akne bei Jugendlichen ist am häufigsten anzutreffen, bei 85% der Betroffenen tritt sie zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr auf.

Akne bei Jugendlichen wird von den Betroffenen häufig als stigmatisierend erlebt, was zu einer Beeinträchtigung der sozialen Kontakte, aber auch zu Schwierigkeiten in der Berufswahl führen kann. Die Therapie der Akne erklärt sich aus der Pathogenese des Krankheitsbildes und ist deshalb wie dieses multifaktoriell.

 

Entstehung der Akne

Die in der Dermis liegenden Talgdrüsen sind ektodermalen Ursprungs, die Ausführungsgänge sind mit Keratinozyten – verhornenden epidermalen Zellen – ausgekleidet. Eine primäre Voraussetzung für die Entstehung der Akne ist die pathologische Verhornung im Follikelausführungsgang. Eine weitere Komponente ist die Androgen-mediierte Seborrhoe. Die Vermehrung der Lipide im Infrainfundibulum der Talgdrüse schafft die Voraussetzung für die Vermehrung der Propionibacterien (P. acnes) – apathogene Keime, die aufgrund ihrer enzymatischen Aktivitäten relevant sind. Die von ihnen produzierten Lipasen bewirken eine Steigerung der Permeabilität der Follikelwand, wodurch es zum Übertritt irritativ wirkender freier Fettsäuren ins umliegende freie Gewebe kommt. Darüber hinaus stellt der Talgdrüsenhaarfollikelapparat auch einen Teil des Immunsystems der Haut dar. Die Mikroflora kann die Produktion von Zytokinen durch die Keratinozyten anregen, wodurch diese in die Entzündungsantwort der Haut involviert sind.

Die Beobachtung der Antike, dass Eunuchen keine Akne entwickeln, wurde von Hamilton 1949 durch die Untersuchung der Wirkungen von Androgenen auf Talgdrüsen bestätigt.

Die Sexualhormone sind über die Talgdrüsenmodulation in die Entstehung von Seborrhoe und Akne involviert. Androgene stimulieren und Östrogene inhibieren die Talgdrüsenaktivität. Für Gestagene ist die Wirkung umstritten – tendenziell aber eher androgenartig. Bei der Verordnung hormoneller Kontrazeption oder einer Hormonsubstitution muss deshalb, vor allem bei Akne-disponierten Patientinnen – darauf geachtet werde, dass die Gestagenkomponente keine androgenen Partialwirkungen entfaltet. Neben erhöhten Androgenspiegeln spielen auch die androgenen Hormonmetabolismen in der Haut selbst eine wesentliche Rolle.

Testosteron wird über das Enzym 5 alpha-Reduktase intrazellulär in Dehydrotestosteron, das eigentlich Endorgan-aktive Hormon, metabolisiert. Dieses bindet an Androgenrezeptoren wodurch es in Folge zu Genexpressionen kommt, die die Hormonantwort darstellen.

 

Klinik der Akne bei Jugendlichen

Neben pathogenetischen Abläufen entscheiden auch das klinische Erscheinungsbild der Akne und deren Schweregrad über die Wahl der Behandlung. Akne bei Jugendlichen ist auf der Stirn, lateralen Gesichtspartien sowie auf den mittleren Arealen von Brust und Rücken sowie auf den Schultern. manifestiert. Das klinische Bild der Akne im Gesicht und im Brust-/Rückenbereich variiert übrigens in den meisten Fällen beim selben Patienten.

Comedonenakne – primäre Form der Akne, die schon das Potenzial der Narbenbildung in sich birgt – hängt oft mit Seborrhoe bei Jugendlichen schon ab der Präpubertät zusammen, da in dieser Wachstumsphase bereits die adrenale Androgenproduktion auftritt. Unbehandelt kann es blad zur entzündlichen Form der Akne papulopustulosa kommen. Die schwerste Form der Akne ist die nodulozystische Akne (Akne conglobata), die überwiegend junge Männer betrifft und am Körper auftritt, obwohl auch das Gesicht betroffen sein kann.

 

Therapie der Akne bei Jugendlichen

Der Dermatologe legt die Therapie der Akne bei Jugendlichen entsprechend der Ursachen, der Art sowie des Schweregrad fest. Jedenfalls soll eine adäquate Behandlung die Proliferationsrate der Keratinozyten im Follikelostium steigern – mit dem Ziel einer Comedolyse. Darüber hinaus erfolgt die Therapie keratolytisch. Talgdrüsengängige Antibiotika ermöglichen die Bakteriostase, die antiinflammatorisch wirkt und deshalb bei papulopustulöser Akne zum Einsatz kommt. Bei Hyperandrogenämien oder zyklusabhängiger Exazerbation der Akne ist die zusätzliche Gabe von Antiandrogenen sinnvoll. In den meisten Fällen wird die Therapie der Akne als Kombinationstherapie durchgeführt. Bei schweren Akneformen (Akne conglobata oder schwere Akne papulopustulosa), bei langer Persistenz der Erkrankung oder bei Rezidiven nach Absetzen der Antibiose ist eine Therapie mit Isotretinoin indiziert.

 

Fazit. Bereits die Comedonenakne sollte bei mehrwöchigem Bestehen behandelt werden, um das Übergehen in eine entzündliche Form der Akne zu vermeiden. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die heute zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten bereits Akne bei Jugendlichen abheilen können.

Literatur:

Tilles G. Acne pathogenesis: history of concepts. Dermatology. 2014;229(1):1-46. doi: 10.1159/000364860. Epub 2014 Sep 13.

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Dr. Reinhold Lautner

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