Aderlass und Blutegeln zur Therapie von Erkrankungen

James Gillray 1757-1815 - Gemälde: Der Aderlass (um 1805) © wikimedia

James Gillray 1757-1815 - Gemälde: Der Aderlass (um 1805) © wikimedia

Aderlass und Blutegeln zählen seit Beginn der Hochkulturen zu den ältesten Therapien der Menschheit. Mit teilweise zweifelhaften Ausprägungen.

Medizinische Aderlass-Anwendungen praktizieren die Menschen seit mindestens 3000 Jahren als eine der häufigsten Therapien. Und erst im 19. Jahrhundert wurde ihr Wert in Frage gestellt, Nur bei sehr wenigen Krankheitsbildern konnte ein Heilungseffekt des Aderlasses nachgewiesen werden. Infolgedessen ist er weitgehend aus dem medizinischen Alltag verschwunden. Unter dem Strich setzte man die beiden Methoden mit Aderlass und Blutegeln in der westlichen Medizin allmählich nicht mehr ein.

 

Lebenssaft Blut in der Medizin

Dass Blut ein besonderer Saft ist, wussten schon die antiken Völker. Zum Lebenssaft Blut gibt es zahlreiche Mythen, Erfahrungen und Erkenntnisse. Mit okkulter Hingabe brachten zum Beispiel die Azteken in Mittelamerika ihre tierischen oder menschlichen Blutopfer dar. Damit sollten die Götter versöhnt werden und sich daran ergötzen. Auch die abendländische Kultur kannte ihre speziellen Blutzeremonien, die an die überlieferte Ereignisse erinnern sollten – wie das Blutwunder des Sankt Januarius in der Kathedrale von Neapel.

Ärzte waren von jeher mit der Bedeutung des Blutes vertraut, denn mit dem Blut strömte sichtbar das Leben aus dem Körper eines Verwundeten. Blut galt als heilig, und im alten Testament wird dessen Nutzung ausdrücklich verboten. In der jüdischen Tora galt die Vorstellung, dass Blut mit Leben oder Seele gleichzusetzen sei. Die Zeugen Jehovas berufen sich heute bei ihrer Ablehnung einer Bluttransfusion darauf.

 

Der Aderlass – eine der berühmtesten Behandlungsformen der Geschichte

Eine der beliebtesten Behandlungsformen des Mittelalters war der Aderlass. Erste Beschreibungen dieser »Blut-Prozedur« stammen aus der altägyptischen Pharaonenzeit um 2500 v. Chr.

Hippokrates, der Ahnherr der abendländischen Medizin, berichtete darüber in seinen Schriften, die im 5. und 4. Jhdt. v. Chr. veröffentlicht wurden. Über die Griechen und die Römer gelangte dieses Wissen in die abendländische Medizin.

Der Aderlass wurde im Mittelalter sehr häufig eingesetzt: bei Schnupfen, Rheuma, Depressionen und sogar bei Knochenbrüchen wollte man mit dem Aderlass Linderung und Heilung erreichen. Noch im Jahre 1850 kritisierten einige Ärzte, dass die übertriebene Aderlass-Anwendung zum Vampirismus betrieben werden würde.

 

Blutegel zur Behandlung

Ähnlich lange wie der Aderlass wird der Blutegel medizinisch verwendet. Griechische Ärzte setzten ihn zur Behandlung von Brust- und Rippenfell­entzündungen an. Hinter der Methode stand die Ansicht mit dem entzogenen Blut auch gleichzeitig schädliche ­Stoffe aus dem Körper entfernen zu können. Bei Lungenentzündung setzte man die Tiere am Brustkorb an, aber nicht zu nahe beim Herzen, sonst würde Herzblut verloren gehen, so dachte man damals.

Der Handel mit Blutegeln war weiland auch ein lukratives Geschäft, dazu einige Zahlen:

Das führte dazu, dass Blutegel fast ausstarben und heutzutage zu den geschützten Tierarten zählen. Doch gegenwärtig wird diese alte Behandlungsmethode wieder beliebter. Einige Heilpraktiker setzen die Behandlungsmethode mit Blutegeln zur Therapie von Krampfadern, Thrombosen und Venenentzündungen ein.

 

Aktuelle Studien zur Anwendung von Aderlass und Blutegel

Im Gegensatz zur westlichen Schulmedizin kommen Aderlass und Blutegel in der arabischen sowie der traditionellen chinesischen Medizin manchmal zum Einsatz. Eine aktuelle Studie konnte beispielsweise keine eindeutigen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit einer Aderlass-Anwendung bei Bluthochdruck zeigen. Hier folgen demnächst weitere Studien zur Bestätigung der Ergebnisse.

Weiter gibt es verschiedene Studien, dass die Behandlung mit Aderlass und Blutegel eine signifikante heilende Wirkung bei chronischer Urtikaria hat.


Literatur:

Colović N, Leković D, Gotić M. Treatment by bloodletting in the past and present. Srp Arh Celok Lek. 2016 Mar-Apr;144(3-4):240-8.

Qin Yao, MD, Xinyue Zhang, MD, Yunnong Mu, MD, Yajie Liu, MD, Yu An, MD, Baixiao Zhao. Bloodletting therapy for treating patients with chronic urticaria. A systematic review and meta-analysis protocol. Medicine (Baltimore). 2019 Feb; 98(7): e14541. Published online 2019 Feb 15. doi: 10.1097/MD.0000000000014541


Quelle: Blutspuren. MEDMIX 4/2008.

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