45 Jahre Österreichischer Herzfonds

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45 Jahre Österreichischer Herzfonds: Neuer Arbeitsschwerpunkt Prävention – Der Kampf gegen die Adipositas im Jugendalter soll Herzinfarkte der Zukunft verhindern.

Statement Univ.-Prof. Dr. Otmar Pachinger, Präsident des Österreichischen Herzfonds

Ein 45. Geburtstag ist sicherlich ein geeigneter Anlass für einen Rückblick. Zweifellos hat der Österreichische Herzfonds seit seiner Gründung im Jahr 1971 Großes geleistet. Jede Österreicherin und jeder Österreicher über 50 erinnert sich noch an die legendären Start-Kampagne „Schach dem Herztod“. Wir haben damit die für damalige Verhältnisse unvorstellbare Summe von umgerechnet 3,6 Millionen Euro lukriert – Geld, mit dem wir wirklich viel bewirken konnten. Wir haben ein grundsätzliches Verständnis für die Gefahren eines Herzinfarkts geschaffen, Kurse zur Mund-zu-Mund-Beatmung und zur Herzmassage finanziert, mehr als 90 Krankenhäuser mit Überwachungsmonitoren ausgestattet, und zahlreiche Aufklärungskampagnen durchgeführt.

Messbare Erfolge des Herzfonds

Der Erfolg lässt sich in Zahlen festmachen: Bei der Gründung des Herzfonds war der Herzinfarkt in Österreich die Todesursache Nummer Eins. Damals ist noch fast jeder Dritte, der es nach einem Infarkt ins Krankenhaus geschafft hat, gestorben. Heute sind es weniger als fünf Prozent. Erfolge wie dieser haben ganz massiv zur Steigerung der Lebenserwartung beigetragen. Diese lag Anfang der 1970er Jahre knapp unter 70 Jahren, 2014 wurden die Österreicher im Durchschnitt bereits 81,7 Jahre alt. Rund die Hälfte dieser gewonnen Jahre gehen auf die Fortschritte der modernen Kardiologie zurück, das ist mehr als bei jedem anderen Fach der modernen Medizin. Dieser Trend drückt sich auch in der Todesursachen- Statistik aus: Verstarben im Jahr 1997 in Österreich fast 43.000 Menschen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, waren es 2015 mit 35.537 (15.053 Männer und 20.484 Frauen) deutlich weniger – trotz höheren Bevölkerungszahlen und höherer Lebenserwartung.Warum ich mich trotz des erfreulichen Jubiläums nicht länger mit der Vergangenheit aufhalten will, hat damit zu tun, dass wir heute Gefahr laufen, einen Teil dieser gewonnenen Lebensjahre durch einen ungesunden Lebensstil und dessen negative gesundheitlichen Auswirkungen wieder zu verlieren. Deshalb hat der Herzfonds vor zwei bis drei Jahren begonnen, seine Schwerpunkte neu zu definieren und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Wir haben es uns schon immer zur Aufgabe gemacht, dort einzugreifen, wo die öffentliche Hand allzu zurückhaltend agiert. So wie wir in den Anfängen mitgeholfen haben, die damals suboptimale Versorgungslage in den Spitälern zu verbessern, wollen wir uns heute verstärkt der leider sträflich vernachlässigten Vorsorge widmen.

 

Hohes Potenzial sinnvoller Präventionsmaßnahmen

Leider haben die Verantwortlichen im Gesundheitssystem immer noch nicht erkannt, welches Potential in sinnvollen Präventionsmaßnahmen steckt. Dabei ist vielfach erwiesen, dass Vorsorgeprogramme nicht nur menschliches Leid, sondern auch Budgetmittel ersparen. Das Problem dabei ist: Ersparnisse durch Prävention lassen sich nicht innerhalb der Legislaturperiode eines Landesrates realisieren. Am Beispiel Finnland lässt sich zeigen, wie sehr sich vorausschauendes und langfristiges Handeln lohnen können. Das Land zählte traditionell zu jenen mit der höchsten Sterblichkeit bei Herzerkrankungen. Heute ist Finnland ist das Land mit der geringsten herzbedingten Sterberate. Was dazwischen liegt, sind 25 Jahre mit gezielten Investitionen in Präventionsprogramme.

 

Mehr als 20 Prozent übergewichtige Heranwachsende – immer häufiger Mega-Adipositas

Es ist also höchste Zeit, dass auch wir in Österreich aktiv werden. Dem um sich greifenden Übergewicht den Kampf anzusagen, steht dabei ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Aktuelle Daten bestätigen eine Prävalenz von mehr als 20 Prozent übergewichtigen Heranwachsenden in Österreich. Wir müssen davon ausgehen, dass die Hälfte dieser übergewichtigen jungen Menschen 5 bis 7 Jahre früher sterben wird, als die Generation ihrer Eltern. Derzeit sind die Folgen der Adipositas bereits für rund sechs Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich. Wenn der Trend anhält, ist eine weitere Zunahme in den zweistelligen Bereich sehr wahrscheinlich.

Studien zu diesem Thema liefern ebenso eindeutige wie dramatische Ergebnisse. So zeigt die auf dem Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Rom präsentierte deutsche PEP Family Heart Study, bei der insgesamt 22.051 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren untersucht wurden, dass in der Gruppe der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen doppelt so viele Bluthochdruck hatten wie ihre normalgewichtigen Altersgenossen. Auch ihre Blutfettwerte waren deutlich ungünstiger. Das Vorhandensein von Risikofaktoren stieg bei männlichen wie weiblichen Jugendlichen in Abhängigkeit des Adipositas-Grades an: je höher desto stärker. So hatten etwa die Mädchen in der Gruppe mit dem höchsten BMI ein 17fach höheres Hochdruck-Risiko als in der Gruppe mit dem niedrigsten BMI. Bei den Jungen war das Risiko in der höchsten BMI-Gruppe vierfach erhöht. Bei den Triglyceridwerten zeigten sich ähnliche Verhältnisse. (Quelle:Haas et al.: Severly obese children and adolescents are at substantially higher cardiovascular risk: the PEP Family Heart Study; 2016)

Eine Studie der Universität Leipzig zeigt, dass übergewichtige Kinder bereits überhöhte Blutdruckwerte, Stoffwechsel-Veränderungen und Veränderungen von Blutgefäßen aufweisen, die als Frühform einer allgemeinen Atherosklerose angesehen werden müssen. Generalisierte Atherosklerose bedeutet eine krankhafte Veränderung der Blutgefäße mit Wand-Verhärtung und -Verdickung, sowie Elastizitätsverlust und Einengung. (Erbs et al.: 24-Stunden-Blutdruckprofil und vaskuläre Funktion bei Kindern mit Adipositas im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern; 2015)

Damit ist deutlich geworden, dass Übergewicht und insbesondere extremes Übergewicht erheblicher Aufmerksamkeit bedarf. Dass die Adipositas fast endemische Ausmaße annehmen konnte und auch Erscheinungen mit „Mega-Adipositas“ keine Seltenheit mehr sind, hat natürlich mit unserer zunehmend urbanisierten Lebensweise zu tun. Für viele ist der einzige Fußweg jener zur Garage. Ein Großteil der Jugendlichen sitzt stundenlang vor dem Computer und bewegen sich insgesamt nur noch weniger als 60 Minuten pro Tag. Dazu kommt, dass Rauchen gerade bei jungen Menschen immer noch als harmlos und cool gilt.

Doch es gibt wirksame Methoden, um gegen zu steuern. Zahlreiche Studien machen deutlich, dass Programme zur Vorbeugung und Behandlung von kindlichem Übergewicht immer wichtiger werden.

 

Bereits relativ einfache Maßnahmen zeigen oft große Wirkung

Auf dem Europäischen Kardiologiekongress wurde dazu im August das einfache und wirksame Schul-Programm „Healthy School, Happy School“ gegen kindliches Übergewicht aus der südbrasilianischen Stadt Feliz präsentierte. Mit zunehmender Urbanisierung und veränderten Essgewohnheiten entstehen dort neue Gesundheitsprobleme wie Übergewicht, Bewegungsmangel oder Bluthochdruck. In die neun Monate dauernde Studie eingeschlossen wurden öffentliche Schulen in Feliz. Die Interventionsgruppe bestand aus 73 Kindern, die Kontrollgruppe aus 140 Kindern. Das Programm bestand aus einmal monatlich abgehaltenen Seminaren und Workshops über Bewegung und Ernährungsgewohnheiten. Gesunde Ernährung in der Schule wurde durch thematische Poster und gesunde Snacks im Schulkiosk unterstützt. Aktivitäten für zu Hause wurden empfohlen, um die Familie einzubinden.

Vor dem Interventionsprogramm gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Studiengruppen: Die Kinder waren durchschnittlich neun Jahre alt und hatten einen durchschnittlichen BMI von 19 kg/m2. Nach neun Monaten blieb in der Interventionsgruppe der BMI konstant, das Bewegungsniveau und der Obstkonsum stiegen an. In der Kontrollgruppe hingegen wiesen die Kinder einen signifikanten BMI-Anstieg auf. (Schneid Schuh et al.: Healthy School, Happy School: randomized clinical trial designed to stop obesity in children)

 

Pilotprojekt EDDY zeigt: Herzmedizin beginnt lange vor dem Infarkt

Der Herzfonds hat daher vor zwei Jahren ein Pilotprojekt mit starker ernährungsmedizinischer Ausrichtung gestartet. Ziel unserer EDDY-Studie ist, den Gesundheits- und Ernährungsstatus von Schülerinnen und Schülern im Alter von 11 bis 14 Jahren zu erheben und die Auswirkungen einer Intervention mit Ernährungs- und Bewegungsschulungen auf die Körperzusammensetzung, metabolische Faktoren und das Ernährungsverhalten zu erfassen.

Dazu erhielten die Teilnehmer über zwei Semester eine altersgerechte Ernährungsschulung im Ausmaß von 20 Stunden sowie eine medizinische Schulung und eine 20-stündige Sport- und Bewegungsintervention. Dabei wurde nicht nur Theorie gepaukt sondern das erworbene Wissen auch in praktischen Übungen vertieft.

Die während und am Ende des Untersuchungszeitraums durchgeführten Kontrollmessungen zeigen deutlich, dass schon derart einfache Maßnahmen große Wirkung erzielen können: Am Ende des Projektes hatten die Schülerinnen und Schüler ohne weiteres Zutun ihr Ernährungsverhalten deutlich verändert und nahmen weniger Fast Food-Produkte, Süßigkeiten oder salzige Snacks zu sich. Die Folgen konnten sie am eigenen Körper erleben: Hatten die Teilnehmer in der Interventionsgruppe noch zu Beginn des Projekts einen deutlich höheren Körperfettanteil als ihre Kolleginnen und Kollegen in der Kontrollgruppe, waren schon nach drei Monate keine Unterschiede mehr feststellbar. Nach einem Jahr wiesen die ehemaligen Problem-Kinder sogar einen, wenn auch nicht signifikant, niedrigeren Körperfettanteil auf.

Das sind Ergebnisse, die mich optimistisch für die Zukunft stimmen.


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