Wildkräuter in der Erkältungszeit

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Wildkräuter wie Pflanzen wie Fenchel, Thymian, Kamille oder Anis,enthalten die ätherische Öle, die ein großes Wirkungsspektrum bieten.

Wie jedes Jahr, wenn der Sommer vorbei ist und die nasse Jahreszeit beginnt, gilt es, sich so effektiv wie möglich vor Erkältungen zu schützen. Das gelingt oft mit ganz einfachen Dingen des Alltags. Dazu gehören, der Jahreszeit entsprechende Kleidung tragen, frisches Obst und Gemüse mit viel Vitamin C essen, große Menschenansammlungen meiden, vielleicht auch das Händeschütteln einschränken, häufig und intensiv die Hände waschen. Es gibt sicher noch einiges mehr zu nennen. Reicht dies nicht aus, kann auf bewährte Kräuter zurückgegriffen werden, die dazu beitragen, die nasse Jahreszeit gesund zu meistern (Passreiter 2013). In diesem Artikel werden einige ausgewählte Pflanzen beziehungsweise Wildkräuter beschrieben, die das Leben in der kalten Jahreszeit bei grippalen Infekten mit Schnupfen, Husten oder Atembeschwerden erleichtern können.

Dazu gehören Pflanzen wie Fenchel, Thymian, Kamille oder Anis, die ätherische Öle enthalten. Ätherische Öle sind Gemische pflanzlicher Sekundärstoffe, die flüssig, lipophil und flüchtig sind. Komponenten ätherischer Öle gehören zu den Terpenen (Monoterpene, Sesquiterpene) oder zu den Phenylpropanderivaten. Sie umfassen ein großes Wirkungsspektrum (Sakkas & Papadopoulou 2017, Pandey et al. 2017): ätherische Öle wirken antiphlogistisch, antiseptisch, antibakteriell, antifungal, sekretolytisch, spasmolytisch, aber auch diuretisch, sedativ, hautreizend, appetitanregend und verdauungsfördernd. Nicht zu unterschätzen sind Berichte über bisher weniger bekannte Wirkungen, wie antidepressive, wundheilungsfördernde oder immunmodulatorische Effekte (Sakkas & Papadopoulou 2017).

 

Der Fenchel

Zur Linderung von Katarrhen der oberen Luftwege sind z. B. Fenchel (Foeniculum vulgare, Apiaceae) und Thymian (Thymus vulgaris, Lamiaceae) beliebt. Ursprünglich kommt Fenchel aus dem Mittelmeerraum und wird heute vor allem in südosteuropäischen Ländern und in den nördlichen Mittelmeerländern angebaut. Bei uns kann er in Gewächshäusern gezüchtet werden. Vom Fenchel werden die Früchte (Foeniculi fructus) in gesüßten Einzeltees, als Bestandteil von Teemischungen und Form von Sirup oder Honig angewendet. In Hustentropfen oder Hustensalben werden Fenchelöl oder Anethol verarbeitet. Hauptkomponenten des ätherischen Öls sind Anethol, Fenchon und Estragol. In geringeren Mengen kommen Limonen und -Pinen vor. Fenchel wirkt u.a. sekretolytisch und bronchospasmolytisch.

 

Der Thymian

Wie beim Fenchel, ist die Heimat des Thymians im Mittelmeerraum zu suchen. Er wird vorwiegend in Spanien und Südfrankreich kultiviert, ist aber auch bei uns in Gärten zu finden. Das Kraut des Thymians (Thymi herba) ist nicht nur als aromatisches Gewürz in der Küche bekannt, sondern wird auch in Einzeltees, Teemischungen sowie als Tinktur oder Sirup verwendet. Mit den Hauptkomponenten Thymol und Cavacrol, ist Thymianöl (Thymi aetheroleum, Oleum Thymi) Bestandteil von Hustentropfen und Hustensalben. Neben seiner Anwendung bei Bronchitis und Katarrhen der oberen Luftwege, ist Thymian auf Grund der antiseptischen Wirkung des Thymols in Badedrogen, Mund- und Gurgelwasser zu finden. Thymol ist 30x keimhemmender als Phenol (Lüllmann et al. 2010). Thymiankraut, mit heißem Wasser übergegossen, oder einige Tropfen Thymianöl in heißem Wasser können bei grippalen Infekten und Husten auch zur Inhalation dienen. Äußerlich werden Kräuterkissen bei Entzündungen der Haut eingesetzt.

Wissenswertes: Thymianöl ist weltweit eines der am meisten kommerziell verwendeten Öle. Es wird u.a. als natürliches Konservierungsmittel für Lebensmittel, Aromazusatz für Getränke und Lebensmittel sowie in Körperpflegeprodukten (Parfüms, Kosmetika, Seifen) verwendet (Sakkas & Papadopoulou 2017).

 

Die Königskerze

Neben Pflanzen mit ätherischen Ölen, sind vor allem auch Wildkräuter mit Schleimstoffen für die Linderung von Husten bei Erkältungen wertvoll. Die Königskerze ist eine der Heilpflanzen, die als Antitussivum und Expektorans Anwendung findet. Sie gehört zur Familie der Scrophulariaceae und kommt u.a. in Europa an Wald-, Wiesen- und Wegrändern vor. Es sind ca. 360 verschiedene Arten von Verbascum bekannt, von denen Verbascum thapsus, die kleinblütige Königskerze, eine der wichtigsten ist (Ghasemi F et al. 2015). Blätter und Blüten werden hauptsächlich verwendet, um z. B. Tees oder Tinkturen herzustellen. Sie sind sowohl bei Reizhusten als auch bei Bronchitis wirksam, was auf ihre verschiedenen Inhaltsstoffe zurückzuführen ist (Turker AU & Gurel E 2005). Schleimstoffe, wie Arabinogalactane, wirken antitussiv, also reizlindernd, während die in der Königskerze vorkommenden Triterpensaponine (Verbascosaponin) expektorierend (schleimlösend) wirken. Die antitussive Wirkung und wohl auch die antiphlogistische Wirkung werden durch sog. Iridoidglykoside, wie z. B. Aucubin und Catapol unterstützt.

 

Der Spitzwegerich

Iridoidglykoside wurden auch in den Blättern des Spitzwegerichs (Plantaginis lanceolatae folium von Plantago lanceolata, Plantaginaceae), der weltweit in Wiesen und Parkrasen vorkommt, nachgewiesen. Neben Iridoiden enthalten die Blätter Schleimstoffe (Rhamnogalacturonan) und Acteosid. Die Inhaltsstoffe des Spitzwegerichs wirken antiphlogistisch, antibakteriell und broncheolytisch. Fluidextrakte, Sirupe (z. B. Sirupus Plantaginis ÖAB) oder Teeaufgüsse werden zur Reizlinderung bei Infektionen der oberen Atemwege angewendet (Wegener T & Kraft K 1999, Vogl S et al. 2013).

 

Husten- und Erkältungs-Tees

Um grippalen Infekten wirkungsvoll zu begegnen, können viele weitere Heil- / Wildkräuter, beispielsweise Anis, Eukalyptus, Kamille, Pfefferminze und Salbei dienen, die an dieser Stelle nicht näher beschrieben werden. Für typische Erkältungs- und Husten- und Bronchial-Tees reichen in der Regel reichen drei bis vier Bestandteile, mehr als sieben sollten es nicht sein. Die Zusammensetzung von Husten-Tees ist denen der Bronchial-Tees sehr ähnlich. Im Gegensatz dazu findet man in Erkältungs-Tees neben expektorierenden Kräutern zusätzlich diaphoretisch (schweißtreibend) wirkende Drogen, wie Linden- und Holunderblüten. Salbei wirkt ebenso wie Thymian antiseptisch.

Quelle: Wildkräuter in der Erkältungszeit, Dr. Beate Haertel, Pharmazeutin, Langjährige Tätigkeit an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Institut für Pharmazie, Abteilung Pharmazeutische Biologie.


Literatur:

Passreiter CM (2013) Arzneipflanzen in der Therapie des produktiven Hustens. http://docplayer.org/22054314-Arzneipflanzen-in-der-therapie-des-produktiven-hustens.html

Sakkas H & Papadopoulou C (2017) Antimicrobial Activity of Basil, Oregano, and Thyme Essential Oils. J Microbiol Biotechnol 27: 429 – 438 (doi.org/10.4014/jmb.1608.08024)

Pandey AK, Kumar P, Tripathi NN, Bajpai VK (2017) Essential Oils: Sources of Antimicrobials and Food Preservatives. Front Microbiol 7: 2161 (doi: 10.3389/fmicb.2016.02161)

Lüllmann H, Mohr K, Hein L (2010) Pharmakologie und Toxikologie. 17. Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart

Ghasemi F et al. (2015) Antimicrobial Activity of Aqueous-Alcoholic Extracts and the Essential Oil of Verbascum thapsus L. Jundishapur J Nat Pharm Prod 10: e23004 (doi: 10.17795/jjnpp-23004)

Turker AU & Gurel E (2005) Common Mullein (Verbascum thapsus L.): Recent Advances in Research. Phytother. Res. 19, 733–739 (doi: 10.1002/ptr.1653)

Wegener T & Kraft K (1999) Plantain (Plantago lanceolata L.): Anti-inflammatory action in upper respiratory tract infections. Wien Med Wochenschr 149: 211-216

Vogl S et al. (2013) Ethnopharmacological in vitro studies on Austria’s folk medicine – An unexplored lore in vitro anti-inflammatory activities of 71 Austrian traditional herbal drugs. J Ethnopharmacol 149: 750–771 (doi: 10.1016/j.jep.2013.06.007)

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