Wie Homöopathie Einsparungen möglich macht

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Statement von Dr. Thomas Peinbauer, Präsident des ECH: wie Homöopathie Einsparungen in anderen europäischen Gesundheitssystemen möglich macht.

 

Pecunia non olet – wie Homöopathie Einsparungen in anderen europäischen Gesundheitssystemen möglich macht. Dr. Thomas Peinbauer, Arzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie, Präsident des ECH (European Committee for Homeopathy):

Dr. Thomas Peinbauer © Foto Kirschner

Quelle: Foto Kirschner

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Ärztliche Homöopathie ist in Europa in unterschiedlicher Weise in das öffentliche Gesundheitssystem integriert. Entsprechend den WHO-Kriterien ist sie in der Schweiz integriert, in Deutschland, Großbritannien und Italien inkludiert und in anderen Ländern toleriert.

Die ärztliche homöopathische Behandlung bewirkt bei vielen Patienten eine deutliche klinische Verbesserung – sei dies bei akuten aber auch bei chronischen, schwierig zu behandelnden Leiden. Gleichzeitig ist ärztliche Homöopathie in der Lage, die öffentlichen Gesundheitsbudgets zu entlasten, v.a. deshalb, weil sie die Verschreibungen konventioneller Medikamente reduzieren.

Zu diesem Resultat kommen zahlreiche Beobachtungsstudien, die in den letzten Jahren in Frankreich, Deutschland und Großbritannien durchgeführt wurden.

 

Groß angelegte Beobachtungsstudie in Frankreich

Beobachtungsstudien spiegeln die Realweltbedingungen des Praxisalltags detailtreu wieder. Im Rahmen von großen französischen Beobachtungsstudien wurden bei erwachsenen und pädiatrischen Patienten die Vor- und Nachteile von rein homöopathischer (Ho-GP), rein konventioneller (CM-GP) sowie gemischter (Mx-GP) Therapie in Hausarztpraxen detailliert aufgeschlüsselt. In das sogenannte EPI3-Projekt (1) waren 8.559 Patienten eingeschlossen. Die Studie kam zu folgenden Schlüsselergebnissen:

Infektionen des oberen Atemtraktes (2): Homöopathische und konventionelle Therapien erzielten ähnliche klinische Ergebnisse. Allerdings wurden – bei vergleichbarer Symptomatik – unter Homöopathie signifikant weniger konventionelle Medikamente verordnet. Eingespart werden konnten insbesondere Antibiotika (OR=0,43, CI: 0,27–0,68) sowie fiebersenkende/entzündungshemmende Medikamente (NSAR) (OR=0,54, 95% CI: 0,38–0,76).

Beschwerden des Bewegungsapparats (3): Hier zeigte sich ein ähnliches Bild. Bei vergleichbaren therapeutischen Effekten wurden unter homöopathischer Behandlung nur halb so viele NSAR (OR 0,54; 95%CI, 0,38–0,78) verordnet. Diese Patienten erlitten naturgemäß auch entsprechend weniger NSAR-assoziierte Nebenwirkungen. Im Vergleich zu gemischt behandelten Patienten fand sich kein signifikanter Unterschied.

Schlaf-, Angststörungen und depressive Störungen (4): Rein homöopathische Patienten erhielten seltener Psychopharmaka (31,2 %) als gemischt (55,4 %) oder rein konventionell behandelte Patienten (64 %).

 

Hohe Kosteneffizienz

Auf Basis der EPI3-Daten wurden die Konsultations- und Verschreibungskosten sowie die daraus resultierenden Gesamtkosten für die Krankenversicherungen, die Zusatzversicherungen bzw. die Patienten selbst errechnet (5). Dabei erzielte die Homöopathie überzeugende Ergebnisse: Für die Krankenkassen erwies sich eine rein homöopathische Therapie um 35 Prozent günstiger als eine rein konventionelle Behandlung (42,00 Euro vs. 65,25 Euro).

Die Kosten für verordnete Arzneimittel waren nur halb so hoch (48,68 Euro vs. 25,62 Euro). Für Zusatzversicherungen und/oder Patienten war die homöopathische Behandlung aufgrund der höheren Arzthonorare teurer (11,20 Euro vs. 6,19 Euro). Hingegen waren die Verschreibungskosten bei konventioneller und homöopathischer Verschreibung vergleichbar (15,87 Euro vs. 15,24 Euro).

Insgesamt waren die Gesundheitsausgaben für homöopathisch behandelte Patienten um 20 Prozent niedriger als bei konventioneller Therapie (68,93 vs. 86,63 Euro). D.h., die höheren Arzthonorare wurden durch die niedrigeren Medikamentenkosten überkompensiert. Homöopathen verschrieben weniger Psychopharmaka, Antibiotika und NSAR. Fazit: Insgesamt kann die Behandlung von Patienten durch homöopathisch ausgebildete Allgemeinmediziner global gesehen kostengünstiger und daher für die öffentliche Gesundheit von wesentlichem Interesse sein.

 

Untersuchungen in Deutschland

Von einer deutschen Krankenversicherung wurde im Jahr 2005 eine groß angelegte Real-Welt-Studie zur Kosteneffizienz von Homöopathie beauftragt. Dazu wurden die Effekte von Homöopathie und konventioneller Therapie bei insgesamt knapp 500 Patienten verglichen (6). Behandelt wurden in der Allgemeinpraxis häufige chronische Erkrankungen wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Depression, Schlaflosigkeit und Sinusitis bei Erwachsenen sowie atopische Dermatitis, allergische Rhinitis und Asthma bei Kinder.

Patienten der Homöopathiegruppe berichteten über größere Verbesserungen als in der konventionell behandelten Gruppe (p=0,002) – ohne signifikante Kostendifferenz. Laut ärztlicher Einschätzung zeigten Kinder unter homöopathischer Behandlung ein signifikant besseres klinisches Ansprechen als unter konventioneller medizinischer Therapie (p<0,001). Auf Basis dieser Studienergebnisse entschied sich die Innungskrankenkasse Hamburg für eine Verlängerung der Kostenübernahme von homöopathischen Behandlungen.

Eine weitere deutsche Studie beobachtete über acht Jahre mehr als 3.500 Kinder und Erwachsene, die routinemäßig homöopathisch behandelt wurden (7). Es zeigte sich eine hohe Wahrscheinlichkeit für beträchtliche klinische Verbesserungen. Zu Beginn wurde bei 97 Prozent der Teilnehmer eine chronische Erkrankung festgestellt, die in 95 Prozent der Fälle zuvor konventionell behandelt worden war. Die Reduktion des Schweregrades der Erkrankung war ab dem Studienstart, nach zwei und nach acht Jahren signifikant (p<0,001). Die Ergebnisse blieben vom zweiten bis achten Therapiejahr konstant.

Daraus lassen sich anhaltende Langzeit-Benefits homöopathischer Behandlungen ableiten. Einer von zwei Patienten berichtete von einer Halbierung der Symptomschwere nach acht Jahren, mit korrespondierenden Verbesserungen der Lebensqualität. Bei den Erwachsenen erfuhren fast 50 Prozent der Responder (67,4 % der Gesamtstudienpopulation) einen klinisch relevanten Therapieerfolg. Bei Kindern war dies bei 80 Prozent der Fall. Jüngeres Alter, weibliches Geschlecht und schwerere Erkrankung zu Studienbeginn waren prädiktiv für bessere therapeutische Erfolge.

 

Studien in britischen homöopathischen Spitälern

Mehrere Beobachtungsstudien wurden in homöopathischen Spitälern des National Health Service (NHS) in Großbritannien durchgeführt. Typischerweise leiden Patienten, die an ein öffentliches homöopathisches Krankenhaus überwiesen werden, unter chronischen Leiden, die mit konventionellen Therapien nicht ausreichend behandelt werden konnten.

Im Rahmen einer einjährigen homöopathischen Therapie von insgesamt 1.100 Patienten in einem Krankenhaus in Liverpool berichteten 76,6 Prozent von einer Verbesserung ihres Zustandes, 60,3 Prozent erachteten diese Verbesserung als schwerwiegend (8).

  • Die Hälfte jener Patienten, die konventionelle Therapien anwendeten (n=814), konnten diese reduzieren oder sogar beenden. Die häufigsten behandelten Erkrankungen waren Osteoarthritis, Ekzeme, chronisches Fatigue-Syndrom, Asthma, Angststörung, Kopfschmerzen, entzündliche Arthritis und chronisch-entzündliche Darmerkrankung.
  • Eine Untersuchung mit 500 Patienten am Royal London Homeopathic Hospital ergab u.a., dass 72 Prozent der Patienten mit Hautproblemen ihre konventionelle Therapie reduzieren oder absetzen konnten (9). Darüber hinaus wurde erhoben, dass viele Patienten Homöopathie befürworten, weil sie bei konventionellen Medikamenten Sicherheitsbedenken hegen.
  • Einer Sechs-Jahres-Beobachtungsstudie am Bristol Homeopathic Hospital mit mehr als 6.500 konsekutiven Patienten und 23.000 Konsultationen zufolge berichteten 70 Prozent der Patienten über eine verbesserte Gesundheit, die Hälfte von großen Verbesserungen (10). Am meisten ausgeprägt waren diese bei kindlichen Ekzemen oder Asthma sowie generell bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, Reizdarm-Syndrom, Wechselbeschwerden und Migräne.
  • Im Rahmen einer großen Pilot-Studie an fünf homöopathischen Krankenhäusern wurden Einmonatsdaten von 1.600 Patienten ausgewertet (11). Bei ihrer zweiten homöopathischen Konsultation berichteten 34 Prozent der Patienten von einer alltagsrelevanten Verbesserung. Bei ihrer sechsten Konsultation war dies für 59 Prozent der Fall. Die fünf häufigsten homöopathisch behandelten Krankheiten waren Ekzeme, chronisches Fatigue-Syndrom, Wechselbeschwerden, Osteoarthritis und Depression.

Literatur:

  1. Grimaldi-Bensouda L et al., BMJ Open 2011;1:e000215.
  2. Grimaldi‐Bensouda L et al., PloS One 2014;9:e89990.
  3. Rossignol M et al., Pharmacoepidemiol Drug Saf 2012;21:1093-1101.
  4. Grimaldi‐Bensouda L et al., BMJ Open 2012;2.
  5. Colas A et al., Health Economics Review 2015;5:18.
  6. Witt C et al., Complement Ther Med 2005;13:79-86.
  7. Witt C et al., BMC Public Health 2008;8:413.
  8. Richardson WR. Br Homeopath J 2001;90:158-162.
  9. Sharples F et al., Complement Ther Med 2003;11:243-248.
  10. Spence D et al., Altern Complement Med 2005;5:793-798.
  11. Thompson EA et al., Homeopathy 2008;97:114-121.
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