Wie behandelt man chronische Schmerzen?

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Die Wirksamkeit von Schmerztherapien gegen chronische Schmerzen hängt stark vom Erreichen der individuellen Patientenerwartungen ab.

Wie sehr Schmerztherapien gegen chronische Schmerzen wirken, hängt sehr davon ab, ob die Beurteilung der Wirksamkeit den hohen Erwartungen der Patienten gerecht wird. Entscheidend ist es daher für Arzt beziehungsweise Therapeuten, rasch herauszufinden, ob Patienten auf eine bestimmte Behandlung ansprechen, denn der rasche Response ist ein Prädiktor für den langfristigen Erfolg einer Behandlungsoption gegen chronische Schmerzen.

Chronische Schmerzen langfristig erfolgreich behandeln durch erreichen der Patientenerwartungen

Patienten, die in ihrem Alttag durch chronische Schmerzen sehr beeinträchtigt sind, haben sehr hohe Ansprüche an die eingesetzten Schmerztherapien. Dementsprechend ist es bezüglich der systematischen wissenschaftlichen Überprüfung der Wirksamkeit von Schmerztherapien von großer Bedeutung, dass zur Analyse neben anderen, scheinbar objektiven Messgrößen vor allem auch die Therapieerwartungen der Patienten berücksichtigt werden.
Die Einschätzung von Schmerztherapien ist sehr unterschiedlich, chronische Schmerzpatienten erwarten von einer Therapie meist eine deutliche Schmerzerleichterung, und zwar in einer Größenordnung von 50 bis 70 Prozent. Darüber hinaus besteht bei vielen Patienten der Anspruch an ein Therapiemanagement, dass Schlafstörungen, Müdigkeit, Depressionen und andere Begleiterscheinungen der chronischen Schmerzen ebenfalls mitbehandelt werden, damit die Lebensqualität soweit wie möglich zurückkehrt. Dazu gehört auch die Wiederherstellung ihrer eingeschränkten Leistungsfähigkeit, damit sie ihrer Arbeit wieder nachgehen können. Dementsprechend können als Folge Arbeitsunfähigkeit und Frühpensionierung entstehend, wenn die hohen Patientenerwartungen nicht annähernd erfüllt werden beziehungsweise  starke chronische Schmerzen nebst Begleiterkrankungen nicht auf ein subjektiv erträgliches Maß gelindert werden können.

Wie Patienten mit chronischen Schmerzen auf das Therapiemanagement reagieren

Gute Schmerztherapien können heute viel von dem leisten, was sich Patienten wünschen –  vorausgesetzt, die jeweilige Behandlung passt zur jeweiligen Person. Eine andere, wesentliche Kategorie, um Therapieeffizienz zu bewerten, ist die Unterscheidung zwischen Responder und Non-Responder: Bei wem schlägt die Therapie an, bei wem nicht oder kaum? Wie lassen sich Patienten verlässlich der einen oder der anderen Gruppe zuordnen?
Noch sind die Informationen über Responder und deren Eigenschaften eingeschränkt. Immer wieder gibt es Patienten, die nicht ins Schema passen und keine maßgebliche Schmerzreduktion erfahren, obwohl sie eigentlich die Responder-Eigenschaften erfüllen. Doch in jüngster Zeit gab es eine Reihe interessanter Einsichten, die künftige Schmerztherapien beeinflussen könnten: Zum einen, dass Responder bei akutem und chronischem Schmerz konsistent auf eine Therapie reagieren. Zum anderen ist inzwischen klar, dass sich Responder meist sehr früh im Therapieverlauf erkennen lassen. Früher Response gilt daher als Prädiktor für den längerfristigen Behandlungserfolg, der Non-Response als verlässliches Stoppsignal.
Wenn also jemand nicht schnell auf eine Therapie anspricht, sollte die Behandlung recht rasch geändert werden. Damit wird dem Patienten eine lange wirkungslos empfundene Therapie erspart, die nichts bringt außer möglichen Nebenwirkungen.

Weniger Medikamente bei besserer Wirkung

Wie wichtig eine treffende Zuordnung sein kann, zeigt eine Studie von Demant et al, 2014: Die Ergebnisse wiesen die essentielle Bedeutung von reizbaren Nozizeptoren für die Wirksamkeit von Schmerzmitteln nach, die auf der Blockade von Natriumkanälen basieren. Wie sich herausstellte, waren für eine Schmerzlinderung von mehr als 50 Prozent durchschnittlich sieben Medikamente bei allen von der Studie erfassten Patienten nötig. Bei Patienten mit reizbaren Nozizeptoren waren es nur vier, bei Patienten mit nicht reizbaren Nozizeptoren dagegen ganze 13 Medikamente.

Diese Ergebnisse verdeutlichten, wie wichtig es ist, den richtigen Patientenphänotyp herauszufinden. Je klarer das Patientenprofil, desto geringer die Zahl der benötigten Medikamente. Das hilft auch, unnötige Gesundheitsausgaben zu vermeiden. Daher sollte die aktuelle Praxis der Medikamentenverfügbarkeit einer ständigen Diskussion ausgesetzt sein. Denn in vielen Staaten Europas existieren Positivlisten von jenen Arzneimitteln, für die die Kosten übernommen werden, oder Negativ-Listen, die bestimmte Medikamente aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen oder Gesundheitsbehörden ausschließen. Dazu könnte die Zahl der Medikamente definiert werden, die auf einer Arzneimittelliste stehen muss, um bestimmte Schmerzformen angemessen behandeln zu können – für alle in Frage kommenden Patienten.
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MEDMIX Online-Redaktion

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