Welche Ernährung nicht dick macht

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Ernährung mit richtigen Mengen und Arten an Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen kann die Krankheitsrisiken und damit die Lebenserwartung erheblich beeinflussen.

Adipositas und Lebensdauer sind eng verbunden, da Adipositas im mittleren Lebensalter ein Hauptrisikofaktor für die Erkrankungen ist, die heutzutage unser Leben bedrohen: Diabetes, Atherosklerose mit den Folgen Herzinfarkt und Schlaganfall sowie Krebs. Das Gewicht wird durch die Kalorienmenge, die wir essen, bestimmt. Ernährung und Essen haben enorme Bedeutung.

Wie können wir deshalb durch eine „kluge“ Auswahl der Nahrungsmittel bei gleichem Körpergewicht gesünder bleiben? Und gibt es nicht auch erbliche, individuelle Unterschiede? Die Evolution hat unseren Stoffwechsel so entwickelt, dass wir nicht verhungern – also möglichst effektiv Vorräte anlegen.

Ist es also wahr, dass Gemüse, Obst und Vollkornbrot gesund sind, Fett und Fleisch ungesund? Nein, so einfach ist das nicht. Es sind bestimmte Komponenten der Nahrungsmittel, die bestimmte Stoffwechselvorgänge steuern: Im Gemüse und Obst finden sich neben den allseits bekannten Vitaminen zahlreiche Mikronährstoffe wie Metalle und Polyphenole sowie Ballaststoffe. Vitamine benötigen wir nur in kleinen Mengen und die gesundheitlichen Wirkungen von Gemüse beruhen auf den übrigen Komponenten.

Fette sind wichtige Komponenten in unserem Essen. Gesättigte Fette haben nachteilige Wirkungen auf Entzündungsvorgänge, Atherosklerose, und Stoffwechsel. Ungesättigte Fettsäuren aus nicht tropischen Ölen schützen eindeutig vor Atherosklerose und Diabetes. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren haben zusätzliche schützende Wirkungen gegenüber der einfach ungesättigten Ölsäure im Olivenöl, dessen positive Wirkungen am besten belegt sind. Cholesterin hat für die meisten Menschen kaum gesundheitliche Auswirkungen. Weniger gesättigte Fette aus Butter, Sahne und tierischen Produkten zu essen, ist also sinnvoll und spielt in unserer Ernährung in Nordeuropa eine große Rolle. Fermentierte Fette im Käse könnten eine Ausnahme darstellen.

 

Ernährung und Protein

Protein ist ein wichtiges Thema: In Tierversuchen mit Würmern, Fliegen und Mäusen sind Proteine in bestimmten Konstellationen lebensverkürzend durch eine Stimulation proliferativer Signalwege, die mit den Aminosäuren Leucin und Methionin aus tierischen Proteinquellen in Zusammenhang gebracht werden. Bei Menschen ist die Datenlage dünn. Bei jüngeren Erwachsenen scheint eine hohe Proteinaufnahme das Krebsrisiko durch Aktivierung von Wachstumssignalen zu steigern. Bei Menschen jenseits des 60. Lebensjahres ist eine höhere Proteinzufuhr allerdings mit weniger Krebs verbunden und das Protein schützt dann vor Muskelverlust und Gebrechlichkeit. In unseren Studien mit älteren Diabetikern bedingt eine hohe Proteinzufuhr aus tierischen oder pflanzlichen Quellen eine erhebliche Stoffwechselverbesserung mit Reduktion des Leberfettes, weniger Entzündung und massiver Verbesserung des Fettprofils im Blut.

 

Ernährung und Ballaststoffe

Ballaststoffe aus Getreide, aber auch Leguminosen (Erbsen, Bohnen, Linsen) zählen zu den stärksten schützenden Komponenten in unserer Nahrung und verlängern das Leben. Mit Ballaststoffen füttert man vor allem seine Mitbewohner im Darm, das Mikrobiom. Da bleibt viel zu lernen, aber wir sollten erheblich mehr Vollkornprodukte konsumieren.

 

Ernährung und Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sind unser Hauptnahrungsmittel und bestehen in Brot, Kartoffeln oder Reis aus einer langen Zuckerkette aus Glukose, der Stärke. Unser Körper verwandelt sie in Fett und kann ein wenig als Glykogen speichern. Glukose ist notwendig für das Gehirn und ein „Supertreibstoff“ im Stoffwechsel und unsere Leber stellt sie selbst her, wenn wir sie nicht essen. Fruktose aus Zucker oder Obst ist in kleinen Mengen kein Problem, in größeren Mengen aber sehr ungünstig, erhöht die Harnsäure, fördert die Fettleber und das Diabetesrisiko. Haushaltszucker ist deshalb ungesund in den heute verbrauchten Mengen. Die beteiligten Stoffwechselwege sind abhängig vom Resorptionsort, da die Zucker Darmhormone freisetzen. Wenn die Zucker erst spät, also im unteren Dünndarm, aufgenommen werden – der berühmte glykämische Index – sind die negativen Wirkungen gering und es werden eher schützende und sättigungsfördernde Hormone freigesetzt.

Ernährung mit richtigen Mengen und Arten an Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen kann die Krankheitsrisiken und damit die Lebenserwartung erheblich beeinflussen.

Quelle:

Statement von Professor Dr. med. Andreas Pfeiffer – Direktor Endokrinologie CBF/ Campus Benjamin Franklin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, über Ernährung zum 59. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, der 21. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel und Frühjahrstagung der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie  in München, 2016

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About Author

Ann-Marie Nüsslein

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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