Weissdorn als klassisches Phytopharmakon

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Seine Bedeutung unter den heute bekannten herzwirksamen Arzneistoffen erhält der Weissdorn durch seine Eigenschaft, eine regelmäßige Herzschlagfolge herbeizuführen.

In der Pflanzenheilkunde behauptet der Weissdorn – Crataegus bzw. Folium Crataegi cum flore – seinen Stellenwert in der Behandlung der beginnenden Herzinsuffizienz – insbesondere bei Koronarinsuffizienz, leichter Herzmuskel­insuffizienz, bei Druck und Beklemmungsgefühl in der Herzgegend und bei leichten Formen bradykader Herzrhythmusstörungen.

 

Procyanidine und Flavonoide in Weissdorn

Zahlreiche pharmakologische und klinische Untersuchungen haben deutlich gemacht, dass die oligomeren Procyanidine und Flavonoide als die für die Wirkung des Weißdorn maßgeblichen Wirkstoffe anzusehen sind. Die einzigartige Stellung unter den heute bekannten herzwirksamen Arzneistoffen erhält der Weißdorn durch seine Eigenschaft, eine regelmäßige Herzschlagfolge herbeizuführen, im Gegensatz zu den Glycosiddrogen, die ein arhythmogenes Potenzial besitzen. Diese Eigenschaft, neben der sehr guten Verträglichkeit, ist besonders wertvoll bei der Pharmakotherapie von älteren Menschen.

Allgemein wird angenommen, dass es sich bei der therapeutischen Anwendung von Weißdorn um eine Kombinationswirkung mehrerer Inhaltsstoffe bzw. Inhaltsstoffgruppen handelt. Zahlreiche Studien belegen, dass der Weißdorn-Gesamtextrakt stärker wirksam ist als die additive Wirkung einzelner isolierter Inhaltsstoffe. Damit ist Weißdorn ein Phytopharmakon im klassischen Sinn und wird aus gutem Grund in über 300 Weißdorn-Präparaten verwendet. In jedem Fall ist der Flavonoidgehalt der entscheidende Prüfpunkt für die Beurteilung der Droge.

Crataegus – Folium Crataegi cum flore – ist in den verschiedensten Arzneibüchern monographiert (Ph. Helv. VII, Franc. X, DAC 1996, ÖAB 1990), wobei für die meisten die übliche Gehaltsbestimmungsmethode, die spektralphotometrische Bestimmung der ­Aluminiumchelatkomplexe, der nach saurer Hydrolyse entstandenen Flavonoidaglika verwendet wird. Diese Methode ist nur bedingt für die Weißdornblätter mit Blüten ­geeignet. Einerseits bestehen nämlich mindestens die Hälfte der Flavonglycoside aus Flavon-C-Glycosiden, welche durch saure Hydrolyse nicht gespalten werden können und so der Bestimmung entgehen. Andererseits absorbieren bei der geforderten Wellenlänge (425 nm) auch Chlorophyll und andere Pflanzenpigmente, was die Ergebnisse zusätzlich verfälscht.

Aufgrund dieser Tatsache wurde im Ph.Eur.-NT 2000 Crataegus neu aufgenommen und die Gehaltsbestimmung nach einer Methode durchgeführt, die den Vorteil hat, sowohl die Glykosylflavone (»C-Glykoside«) als auch O-Glykoside zu erfassen; dies war mit bisherigen Methoden nur sehr unvollständig der Fall. Die Flavonoide werden nach Extraktion mit 60% Ethanol und entsprechender Verdünnung mit Borsäure-Oxalsäure-Reagens umgesetzt, wobei orangefarbige Borinsäurekomplexe entstehen.

Die Absorptionsmessung erfolgt bei einer Wellenlänge von 410 nm. Die Berechnung des Flavonoidgehaltes wird auf Hyperosid bezogen. Zu beachten ist, dass bei der Methode der Mindestgehalt wesentlich höher ist als nach der früheren Methode (ÖAB mind. 0,7%, Ph.Eur.-NT 2000 mind. 1,5%). Eine weitere Bestimmungsmethode, die vielleicht in Zukunft in Betracht kommt, ist die HPLC, mit der sowohl der Gehalt der Flavonoide als auch an Procyanidine sehr genau bestimmt werden kann.

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Axel Rhindt

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