Wechseljahre ist Zeit des Wandels

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Wechseljahre verändern für betroffene Frauen Bedürfnisse, Wechseljahre bringen Beschwerden und Ängste – Dauer und Intensität sind sehr unterschiedlich.

Die Wechseljahre – das Klimakterium – sind kein einmaliges Ereignis, sondern ein länger andauernder Prozess. Wann die Wechseljahre beginnen und über welchen Zeitraum sie sich erstrecken, verhält sich sehr individuell. Viele Frauen empfinden das endgültige Ausbleiben der Menstruation als einschneidendes Ereignis. Rein medizinisch gesehen ist der sogenannten Menopause eine mehrjährige Phase hormoneller Umstellungen vorausgegangen, die Prämenopause genannt wird. Den Zeitraum, in dem sich der weibliche Organismus sich nach der Menopause endgültig auf die veränderte hormonelle Situation einstellt und eine neue Balance findet, wird als Postmenopause bezeichnet.

 

 

Wechseljahre – Hormonfabrik Eierstöcke

Die Eierstöcke der Frau dienen nicht nur der Fortpflanzung, sie sind auch eine Hormonfabrik, die die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron und in gar nicht so geringer Menge auch männliche Hormone – die sogenannten Androgene – wie das Testosteron bilden. Diese Hormone haben vielfältige Aufgaben im Körper zu erfüllen und über viele Jahre hindurch besteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ihnen.

Die Wechseljahre sind der Zeitraum, in dem die Eierstöcke langsam ihre Funktion einstellen, wodurch dieses ausgewogene Verhältnis zunächst völlig durcheinander gerät. Der Eisprung läuft nicht mehr optimal, es wird zu wenig oder gar kein Gelbkörperhormon gebildet, die Menstruation wird stärker und oftmals länger, der Zyklus unregelmäßig. Irgendwann kommt es zum kompletten Erliegen der Östrogen-Progesteron-Produktion und die Menstruation bleibt endgültig aus (= Menopause).

Schon den alten Griechen war diese natürliche, stufenweise Veränderung der älter werdenden Frau bekannt und wurde als „Klimax“ (griech. Stufe, Treppe) bezeichnet. Heute nennt man die mehrere Jahre dauernde Übergangsphase von der fortpflanzungsfähigen Zeit bis zur funktionellen Erschöpfung der Eierstöcke (infertile Lebensphase) Klimakterium ( = Wechseljahre ). Die letzte Menstruation wird medizinisch als Menopause bezeichnet.

 

Jahrzehnte in der Menopause (Postmenopause)

Noch nie sind die Frauen so alt geworden wie in unserer Zeit. Durch kulturelle und zivilisatorische Errungenschaften konnte sich die mittlere Lebenserwartung der Frau in den letzten 100 Jahren fast verdoppeln. Betrug die durchschnittliche Überlebenszeit vor 100 Jahren noch 45 bis 50 Jahre, liegt sie heutzutage bei 84 Jahren, d.h. eine Frau verbringt 30-40 Jahre ihres Lebens in der Postmenopause (umgangssprachlich: Menopause).

Übrigens sind die Wechseljahre für eine Frau kein Hindernis, schwanger zu werden. Eine zuverlässige Verhütung ist erst zu vernachlässigen, wenn die Menopause vorbei ist – wenn ein Jahr lang keine Regelblutung mehr war. In den Wechseljahren ist das Führen eines Menstruationskalenders daher sehr empfehlenswert. Dokumentierte Veränderungen oder Auffälligkeiten des Zyklus bringen auch für den Arzt wichtige Hinweise.

 

Wechseljahre als schöne, ausgefüllte und lebenswerte Zeitspanne erleben

Wenn eine Frau die Beschwerden der Wechseljahre in den Griff bekommt, die richtige Einstellung mitbringt, sich die notwendigen Informationen besorgt, dann wird sie ihre Lebensmitte als schöne, ausgefüllte und lebenswerte Zeitspanne erleben. Jede Frau kommt in die Wechseljahre, nur der Zeitpunkt ist sehr unterschiedlich.

In den letzten 20 Jahren des vorigen Jahrhunderts war es Standard, jeder Frau im klimakterischen Stadium eine menopausale Hormontherapie (MHT) zu verschreiben. Dosierung und Art der Substitution waren nicht so wichtig, Hauptsache, sie nahm ihr Präparat. Ein Jungbrunnen schien gefunden. Das Positive daran war auch, dass endlich über das Klimakterium, das lange Zeit ein Tabuthema gewesen war, weil es mit dem Altwerden zu tun hat, gesprochen wurde. Am Ende des vorigen Jahrhunderts wurde zu diesem Thema der Begriff „Anti-Aging“ erfunden, wohl treffender „Successfull Aging“. Ziel ist, die Lebensqualität zu erhalten, Krankheiten zu verhindern und die Lebenserwartung zu verlängern.

Die Publizierung der Daten der WHI-Studie und der One-Million-Women Studie im Jahr 2002 veränderte dann den Umgang mit der MHT schlagartig. Was vorher als Garant für Wohlbefinden, jugendliches Aussehen und ein weitgehend gesundes Leben von Frauen bis ins hohe Alter galt, wurde nun „verteufelt“ und galt als gefährlich. Zahlreiche Medienberichte schürten die Ängste der Frauen, durch die MHT Brustkrebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt zu bekommen und verunsicherten sie zutiefst.

 

Über mögliche Beschwerden der Wechseljahre und eine Hormontherapie informieren

In der Zwischenzeit wurden zahlreiche Studien und Metaanalysen durchgeführt, die die MHT in ein gänzlich anderes Licht rücken. Die neuen, positiven Erkenntnisse aus diesen Studien fanden in den Medien bisher aber kaum Niederschlag – und die Frauen blieben mit ihren vielen unbeantworteten Fragen und Beschwerden bis dato allein.

Wichtig ist es, den Umgang mit der MHT in der Praxis zu beleuchten und entstandene Mythen und Vorurteile richtigzustellen. Besonders die Angst vor vermehrtem Auftreten von Brustkrebs und kardiovaskulären Ereignissen wie Schlaganfall und Herzinfarkt scheint bei richtigem Einsatz einer MHT nach der derzeitigen Datenlage unbegründet zu sein. Im Gegenteil, die menopausale Hormontherapie bietet eine Primärprävention gegen die Entstehung von Ateriosklerose, d.h. Gefäßverkalkungen, die in Folge zu Herzinfarkten führen. Auch die beste Prävention für Osteoporose ist, neben körperlicher Betätigung, eine MHT. Hormone machen auch nicht dick! Nur fehlendes Muskeltraining, falsche Ernährung, kein Ausdauersport und natürliche evolutionsbedingte Veränderungen des Körpers führen zu einer Zunahme des Körpergewichts.

Was viele Frauen nicht wissen ist, dass die häufig zitierten Hitzewallungen nur einen Teil der klimakterischen Beschwerden darstellen. Ebenfalls durch den Hormonmangel bedingt können unregelmäßige Blutungen bzw. ein Persistieren der Menstruation, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Leistungsminderung, depressive Verstimmungen, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen, nachlassende Gedächtnisleistung, eine Abnahme der Libido, Schleimhauttrockenheit sowie Gelenk- und Muskelschmerzen auftreten. Wobei nicht jede Frau unter klimakterischen Beschwerden leidet. Auch die erlebte Intensität ist individuell sehr unterschiedlich. Da viele Patientinnen unzureichend informiert sind, ist es wichtig, über klimakterische Beschwerden aufzuklären.

 

MHT in der Praxis: Ängste ernst nehmen und aufklären

Heute besteht aufgrund von Ängsten, die durch falsche Informationen ausgelöst wurden, bei vielen Frauen wenig Neigung, die sogenannten, hormonell bedingten Umstellungsbeschwerden medikamentös auszugleichen. Sie meinen, diesen natürlichen Prozess tapfer durchstehen zu müssen, wie es seit jeher üblich war.

Manche kommen mit einem hohen Leidensdruck in die Ordination, weisen jedoch mit Genugtuung auf ihr Durchhaltevermögen hin. Sie wollen nicht die gefährlichen Hormone einnehmen. Von den Betroffenen wird dabei aber nicht genügend bedacht, dass bereits die Linderung der Östrogen-Entzugssymptome einen wesentlichen Einfluss auf ihre berufliche und familiäre Leistungsbereitschaft, die Partnerschaftsbeziehung und damit auf die aktuelle Lebensfreude hat.

Frauen brauchen heute nicht mehr unter Wechselbeschwerden zu leiden. Besonders für Frauen mit starken Wechselbeschwerden kann sich die Therapie mit Hormonen als wahrer Segen entpuppen. Bei allen Pro- und Contra-Diskussionen unter Fachleuten herrscht darüber Einigkeit, dass mit der Gabe von Östrogenen und Gestagenen die Wechseljahrbeschwerden erfolgreich behandelt werden können.

Praktische Durchführung einer MHT

  1. Erstellung eines individuellen Risikoprofils mit klarer Indikationsstellung
  2. Genaue Aufklärung über Nutzen/Risiko und notwendige Begleitmaßnahmen (Nikotinabstinenz, Gewichtsregulation…)
  3. Beginn der MHT mit möglichst niedriger Dosierung und sukzessiver Erhöhung bis zur Besserung der Klinik
  4. Die Kontrolle des Hormonstatus ist empfehlenswert, um die Dosierung so niedrig wie möglich halten zu können.
  5. Einjährlicher Absetzversuch ist sinnvoll, um die Dauer der MHT auf das individuell notwendige Maß zu beschränken.
  6. Jährliche Durchführung eines PAP-Abstrichs, ev. auch in Kombination mit einem vaginalen Ultraschall
  7. Brustuntersuchung und Überweisung zur Mammographie im Rahmen des Brustkrebsfrüherkennungsprogramms
  8. Ausführliche Gespräche über klimakterische Beschwerden, Harninkontinenz, Sexualität und körperliche Veränderungen im Laufe des Frauenlebens
  9. Lifestyle – Beratung: Ernährung, Gewicht, Bewegung
  10. Objektive Beratung über Wirkungen und Nebenwirkungen einer menopausalen Hormontherapie, anschaulich dargestellt mit Informationsblättern über Risikofaktoren

Oberstes Gebot bei der Betreuung und Behandlung von peri- und postmenopausalen Frauen ist die Rücksichtnahme auf die Wünsche und Beschwerden der zu behandelnden Frau. Risiken, Therapieoptionen, Prävention, Lifestyle, aber auch Ängste bzgl. einer Hormontherapie sollten individuell angesprochen werden. Nur so werden wir zufriedene und beschwerdefreie Patientinnen erhalten!

 

Quelle:

Die Frau im „Wechsel“: Bedürfnisse, Beschwerden, Ängste – Mythen und Erkenntnisse zur menopausalen Hormontherapie (MHT); Wechseljahre – Zeit des Wandels. OÄ. Dr. Claudia Linemayr-Wagner. Österreichische Menopausegesellschaft und Österreichische Gesellschaft für Sterilität, Fertilität und Endokrinologie, 2016

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Lena Abensberg

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