Warum sich das Becken der Frau ausweitet

0

Das Becken der Frau verbreitet sich ab der Pubertät. In der Menopause verengt es sich wieder. Dafür scheinen Hormone hauptverantwortlich zu sein.

Die Natur hat dafür gesorgt, dass sich das Becken der Frau ab der Pubertät verbreitert und nach dem gebärfähigen Alter wieder verengt. Beim Mann hingegen verändert sich das Becken im Laufe des Lebens kaum. Darauf wiesen unlängst die interessanten Ergebnissen einer Studie der Universität Zürich hin, die mithilfe von Analysen computertomografischer Daten erzielt wurden. Die Wissenschaftler vermuteten, dass dafür die Hormone in Pubertät und Menopause eine maßgebliche Rolle spielen.

 

Das Becken der Frau muss bei der Geburt genug Platz bieten

Damit bei einer Geburt für die Köpfe der Neugeborenen genug Platz vorhanden ist, haben Frauen ein breiteres Becken als Männer. Bei manchen Frauen ist es aber nicht breit genug. Deswegen kann es zu Schwierigkeiten bei der Geburt kommen.

Grundsätzlich war es gängige Meinung, dass das Becken der Frau ein evolutionärer Kompromiss zwischen Gebären und Gehen ist. Es kann nicht weiter werden, da sonst die Fortbewegung nicht effizient ist. Doch diese Hypothese stimmt nicht zur Gänze. Neue Studien zeigen, dass weite Becken genauso effizient beim Laufen sind wie enge.

 

Zusammenhang mit Änderungen im weiblichen Hormonhaushalt

In der eingangs zitierten Studie zeigte sich, dass bis zur Pubertät die Beckenbreite von Frauen und Männern etwa gleich ist. Während sich das männliche danach gleichmässig weiterentwickelt, wird das weibliche verhältnismässig breiter Im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren erreicht die Frau ihre grösste Beckenbreite. Etwa mit Beginn der fünften Lebensdekade wird das Becken der Frau wieder enger.

Die Forscher vermuteten, dass diese Änderung im Wachstum bei jungen Mädchen und Frauen in direktem Zusammenhang mit Änderungen im weiblichen Hormonhaushalt stehen. Während der Pubertät steigt die Konzentration von Östrogen, während der Menopause sinkt sie wieder.

Der hohe Hormonspiegel garantiert laut Meinung der Wissenschaftler nicht nur eine hohe Fruchtbarkeit. Er sorgt auch dafür, dass das Becken während der gebärfähigen Zeit optimiert wird. Offensichtlich kann der menschliche Organismus das Becken je nach Bedarf verändern.

Die Hormone werden aber auch sehr von Ernährung und Umwelt beeinflusst. «Geburtsschwierigkeiten sind demnach weniger ein evolutionäres Problem. Vielmehr scheint es eine Frage der Balance zwischen den Hormonen und äusseren Faktoren zu sein, welche die Grösse des Geburtskanals und die vorgeburtliche Entwicklung des Kindes beeinflussen.»

Mit Beginn der Menopause soll der aufrechte Gang dafür verantwortlich sein, dass sich die Beckenbreite wieder verengt. Auch das ist eine schlaue Entscheidung der Natur: eine engere Beckenbreite stabilisiert den Beckenboden besser, was den Unterleib beim Gehen entlastet.

Literatur:
Alik Huseynov, Christoph P. E. Zollikofer, Walter Coudyzer, Dominic Gascho, Christian Kellenberger,
Ricarda Hinzpeter, Marcia S. Ponce de León. Developmental evidence for obstetric adaptation of
the human female pelvis. PNAS, April 25, 2016, doi: 10.1073/pnas.1517085113.

Share.

About Author

Ann-Marie Nüsslein

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Comments are closed.