Vitamin E bei neuropathischen Schmerzen

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Vitamin E scheint bei diabetischen Patienten mit neuropathischen Schmerzen keine Linderung zu bringen, Experten warnen davor, Betroffenen falsche Hoffnung zu machen.

In einer klinischen Studie mit 300 Teilnehmern konnte die Erwartung, dass Vitamin E diabetischen Patienten mit neuropathischen Schmerzen Linderung bringen könnte, nicht erfüllt werden. „Den vielen Patienten mit diesem schwierig zu behandelnden Leiden sollte man deshalb keine falschen Hoffnungen machen“, kommentiert Professor Claudia Sommer (Würzburg) von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) die Ergebnisse einer asiatischen Forschungsgruppe.

 

Millionen Menschen mit neuropathischen Schmerzen und diabetischer Neuropathie

In Europa leiden Millionen Menschen an sogenannten neuropathischen Schmerzen, die durch Verletzungen oder Erkrankungen von Nerven entstehen. Die häufigste Ursache dieser neuropathischen Schmerzen ist Diabetes mellitus – von diesen sind etwa die Hälfte aller Patienten betroffen, man spricht dann von einer diabetischen Neuropathie.

Die Betroffenen leiden unter brennenden Schmerzen, die häufig an den Füßen und Unterschenkeln auftreten. Auch Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühlen und Kribbeln beeinträchtigen die betroffenen Patienten. „Die Behandlung ist schwierig und selten vollständig erfolgreich, sodass viele Patienten nach Alternativen suchen“, erklärt die Neurologin Prof. Sommer.

Hilfreiche Medikamente bei neuropathischen Schmerzen

Es gibt verschiedene Empfehlungen zur Behandlung der Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter. Dazu gehören manche Antidepressiva, Pregabalin und einige ausgewählte Schmerzmittel. Abgeraten wird aber mangels wissenschaftlicher Belege von Cannabis-Extrakten, Capsaicin-Salbe, Alpha-Liponsäure sowie Vitamin B1 und dem verwandten Benfotiamin.

Auch der Leiter der aktuellen Studie, der renommierte Pharmakologe Kah-Hay Yuen (Penang, Malaysia), hatte gehofft, mit einem Gemisch aus verschiedenen Formen von Vitamin E (Tocotrienole) die Schmerzen seiner Patienten zu lindern. Um dies zu überprüfen, wurden für die sogenannte VENUS-Studie (Vitamin E in Neuroprotection Study) 300 Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus mit neuropathischen Schmerzen ausgewählt, die nach dem Losverfahren über zwölf Monate hinweg entweder zweimal täglich 200 Milligramm eines Gemisches von Tocotrienolen erhielten oder ein Scheinmedikament.

Gemessen wurden das von den Patienten selbst berichtete Ausmaß neuropathischer Schmerzen nach zwölf Monaten sowie außerdem die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Neuropathie und die Nervenleitungsgeschwindigkeit. Das Resultat war enttäuschend, denn auf allen drei Bewertungsskalen gab es keine Unterschiede zwischen der Gruppe mit Vitamin E und jener mit dem Scheinmedikament. Lediglich bei zwei Untergruppen von Patienten deuteten nachträgliche Auswertungen auf einen geringfügigen Nutzen hin: Solche mit vergleichsweise hohen  Blutzuckerwerten (> 183 mg/dL) und diejenigen mit normalen Konzentrationen von Homozystein im Blut (< 15 µmol/L) hatten weniger stechende Schmerzen. Festgestellt wurde aber auch, dass bei ansonsten identischen Nebenwirkungen in den beiden Gruppen Infektionen bei 6,7 Prozent der Patienten unter Tocotrienolen auftraten – das war fast zehnmal so häufig wie mit dem Scheinmedikament.

„In der Gesamtbilanz müssen wir Ärzte unseren Patienten deshalb davon abraten, ihr Geld für Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel auszugeben, da es keinen Wirkungsnachweis gibt“, so Prof. Sommer. Allerdings: „Auch wenn Vitamin E offenbar keinen Erfolg verspricht, so können die Betroffenen dennoch selbst aktiv werden und durch häufige Kontrollen der Füße sowie den Verzicht auf Alkohol und Nikotin mithelfen, Schäden an den Nerven zu verhindern.“

Quellen

Vitamin E in Neuroprotection Study (VENUS) Investigators. Efficacy of Oral Mixed Tocotrienols in Diabetic Peripheral Neuropathy: A Randomized Clinical Trial. JAMA Neurol. 2018 Apr 1;75(4):444-452

Nationale Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“, Langfassung. 1. Auflage, 2011. Version 5. AWMF-Register-Nr.: nvl-001e

Patientenleitlinie zur Nationalen Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“, 1. Auflage. Version 1.0 vom 06. Mai 2014

Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Pressemitteilung: Aktuelle Studie: Botulinumtoxin A, eine therapeutische Alternative gegen neuropathische Schmerzen, 19. Mai 2016, online

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