Risikofaktoren für Vergewaltigung bei weiblichen Teenagern

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Hauptrisikofaktor für Vergewaltigung war in allen Beziehungen ein großer Altersunterschied der jungen Frauen zum Partnern sowie körperlicher und psychischer Missbrauch.

Wenn man die wichtigsten Risikofaktoren für eine Vergewaltigung von weiblichen Teenagern besser kennen würde, so könnte man sie leichter voraussagen. Einige davon könnte durch die Kenntnisse auch verhindern. Sozialwissenschaftler der Michigan State University versuchten nun, hier eine Lücke zu schließen. Sie identifizierten verschiedene Risikofaktoren, die mit sexueller Gewalt in den ersten Lebensbeziehungen junger Mädchen zusammenhängen.

 

Junge Frauen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen befragt

US-Wissenschaftler befragten zum Erkennen solcher Risikofaktoren nun 148 Frauen im College-Alter zwischen 18 und 24 Jahren. In allen Fällen übte mindestens ein Partner in einer früheren Beziehung sexuelle Gewalt aus. Um eine vielfältige Auswahl zu erhalten, rekrutierten die Forscher Teilnehmer einer Universität, eines zweijährigen Colleges und von Gemeinschaftsstandorten mit jungen Frauen und niedrigem Einkommen. Zu letzteren zählten eine Kreisklinik sowie ein Übergangsprogramm.

„Man könnte glauben, dass eine Vergewaltigung in jungen Beziehungen eher nicht vorkommt. Schon gar nicht in den ersten Beziehungen junger Frauen. Doch das Gegenteil ist der Fall“, erklärt Professorin Angie Kennedy. „Wir haben die schwersten Formen sexueller Gewalt – eine Vergewaltigung und eine versuchte Vergewaltigung – untersucht. Dadurch wollten wir spezifische Risikofaktoren herausfinden, die mit einer Vergewaltigung durch den Partner bei jungen Frauen zusammenhängen. Schließlich sollen unsere Erkenntnisse dazu beitragen, Präventions- und Interventionsmaßnahmen zur Verringerung sexueller Gewalt unter den betroffenen jungen Paaren und Mädchen zu entwickeln.“

In den Interviews baten die Forscher die jungen Frauen, über alle ihre Partnerbeziehungen zu sprechen. Beginnend mit ihrer ersten Beziehung, die durchschnittlich im Alter von etwa 15 Jahren begonnen hatte.

 

Konsistente Risikofaktoren für Vergewaltigung durch ihre Partner in unterschiedlichen Frauengruppen

Die im Journal of Interpersonal Violence veröffentlichten Ergebnisse zeigten konsistente Risikofaktoren für die Vergewaltigung durch ihre Partner in allen drei Frauengruppen. In den ersten Beziehungen von jungen Mädchen waren ein niedrigerer sozioökonomischer Status, ein jüngeres Alter des Mädchens sowie ein höheres Maß an körperlicher Misshandlung und Zwangskontrolle die wichtigsten Risikofaktoren für sexuelle Gewalt und Vergewaltigung.

Der Hauptrisikofaktor war aber in allen Beziehungen der jungen Mädchen ein großer Altersunterschied zu ihren Partnern sowie körperlicher Missbrauch und ein zwanghaftes Kontrollverhalten durch den Partner nebst psychischer Gewalt. „Vergewaltigung oder versuchte Vergewaltigung in einer Beziehung ist nicht selten. Oft kommen gleichzeitig auch andere Formen von Missbrauch oder Zwang vor“, sagte Kennedy. „Das sehr junge Alter der Teenager und der Altersunterschied zum männlichen Partnern machen diese Mädchen allerdings anfälliger für Missbrauch. Insbesondere für Vergewaltigung durch den Partner.“

Frühere Studien konzentrierten sich in der Regel auf sexuelle Übergriffe bei Studenten. Kennedys Forschung konzentrierte sich jedoch auf die ersten Beziehungen junger Frauen sowie auf alle Beziehungen im Laufe der Pubertät und im Erwachsenenalter. Es wurden auch erstmals unterschiedliche Gruppen hinsichtlich ihrer Erfahrungen mit dem Missbrauch durch den Partner verglichen.

Die meisten Studien im Bereich sexueller Übergriffe im College-Alter konzentrieren sich früher auf Wohnhochschulen und Universitäten, an denen das Leben im Studentenwohnheim stattfindet. Aber es gibt Millionen anderer Studenten. Daher wollen die Forscher mehr über diese anderen Gruppen und ihren Erfahrungen mit dem Missbrauch von Partnern herausfinden.

Literatur:

Angie C. Kennedy et al. Predictors of Sexual Violence Across Young Women’s Relationship Histories. Journal of Interpersonal Violence. November 15, 2018. https://doi.org/10.1177/0886260518811439

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About Author

Ann-Marie Nüsslein

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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