Übergewichtige Jugendliche haben kein realistisches Selbstbild

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Übergewichtige Jugendliche haben kein realistisches Selbstbild. Auf die Frage: Bin ich dick? antworten viele Jugendliche trotz Übergewicht mit Nein!

„Ich bin zu dick“ – diese Einsicht ist ein wichtiger erster Schritt in Richtung einer erfolgreichen Gewichtsreduktion. Laut einer aktuellen Studie haben Übergewichtige Jugendliche allerdings kein realistisches Selbstbild. Auf die Frage: Bin ich dick? antworten viele Jugendliche trotz Übergewicht mit Nein!

Realistisches Selbstbild bringt Willen zu Veränderung

„ Übergewichtige Jugendliche, die in Bezug auf ihr Körpergewicht über ein realistisches Selbstbild verfügen, sind eher bereit ihr Essverhalten bzw. ihre Lebensgewohnheiten entsprechend zu verändern. Sie sind dabei in der Regel auch wesentlich erfolgreicher,“ so Leiter der Studie Dr. Jian Zhang vom Jiann-Ping Hsu College of Public Health der Georga Southern University. „Empfinden Übergewichtige Jugendliche ihr Gewicht jedoch als normal bzw. erkennen sie ihr Übergewicht nicht, reduziert dies die Wahrscheinlichkeit positiver Veränderungen. In der Regel verspüren diese Personen keinen Wunsch abzunehmen.“

 

Realistisches Selbstbild entsteht durch verschiedene Faktoren

In punkto realistisches Selbstbild kommen viele Faktoren ins Spiel. Die Zahl übergewichtiger Jugendlichen ist in den letzten 20 Jahren massiv angestiegen, was zu einer Verschiebung des akzeptierten Normalgewichtes geführt hat. Trotzdem werden Jugendliche von den Medien, der Industrie und Ärzten immer wieder dazu aufgefordert, ihr Körpergewicht in Schach zu halten. Diese strengen Botschaften könnten jedoch dazu führen, dass sich immer mehr Jugendliche weigern, ihr eigens Übergewicht zu erkennen bzw. sich einzugestehen, dass sie zu dick sind,“ so Dr. Zhang.

Die Wissenschafter untersuchten Daten von Jugendlichen der Altersgruppe 12 bis 16, die zwischen 1988 und 1994 bzw. zwischen 2007 und 2012 am National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) teilnahmen. Im Zuge beider Befragungen, wurden Jugendliche gebeten, ihr Gewicht einzuschätzen bzw. in die Kategorien „Untergewicht“, „Übergewicht“ oder „Normalgewicht“ einzuordnen.

Auch anhand ihres Body Mass Index (BMI) wurden die Teilnehmer entsprechenden Kategorien zugeordnet. Dabei zeigte sich zwischen eine interessante Veränderung. Denn im Vergleich zu den zwischen 1988 und 1994 befragten Jugendlichen, sank die Wahrscheinlichkeit, das eigene Übergewicht zu erkennen, bei den zwischen 2007 und 2012 befragten Teilnehmern um 29 Prozent.

 

Sozialer Vergleich verhindert oft ein realistisches Selbstbild

Eine potenzielle Begründung sehen die Wissenschafter in der sogenannten Theorie des Sozialen Vergleichs. Letzere besagt, dass Menschen Informationen über sich selbst durch den Vergleich mit anderen gewinnen. Durch die steigende Anzahl übergewichtiger Personen in ihrem Umfeld, könnten Betroffene somit trotz Übergewicht ein positives Selbstbild erlangen. Zudem durchlaufen gerade Jugendliche im Zuge ihrer Pubertät signifikante äußerliche Veränderungen.

„Dennoch ist es wichtig, sich seines Übergewichtes bewusst zu werden, um Verhaltensweisen entsprechend zu verändern bzw. zu verbessern,“ so Dr. Zhang und Co-Autoren. „Die Tatsache, dass viele Betroffene dazu tendieren, ihr Übergewicht zu unterschätzen, stellt eine große Herausforderung in der Prävention und Bekämpfung von Übergewicht bei Jugendlichen dar. Betroffene fehlt der Ansporn, aktiv gegen ihr Übergewicht und für ihre Gesundheit zu kämpfen.“

Auf der anderen Seite wirkt die zunehmende Anzahl übergewichtiger Jugendlicher, die sich nicht als solches sehen, dem sozialen Druck des Schlankheitswahns entgegen. Es gilt neue Strategien zu entwickeln, hier eine gesunde Balance zu finden, so die Forscher abschließend.

Quelle: Hui Lu, Yelena N. Tarasenko, Farrah C. Asgari-Majd, Cherell Cottrell-Daniels, Fei Yan, Jian Zhang. More Overweight Adolescents Think They Are Just Fine. American Journal of Preventive Medicine, 2015; DOI: 10.1016/j.amepre.2015.03.024

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About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

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