Thrombosegefahr beim Wandern und Bergsport

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Während die Thrombosegefahr im Reiseverkehr – speziell bei Langstreckenflügen – regelmässig thematisiert wird, ist das Risiko in den Bergen weitgehend unbekannt.

Wandern und Bergsport in Österreichs Bergwelt zieht Jahr für Jahr Millionen Menschen in unsere Alpen. Während aber beispielsweise Thrombosen im Reiseverkehr – vor allem auf Langstreckenflügen – in den vergangenen Jahren immer wieder in den Fokus gerückt wurden waren, ist die Thrombosegefahr  beim Alpinsport noch weitgehend unbekannt. „Vor allem bei Bergsport in größeren Höhen sollte auch an eine Thromboseprophylaxe gedacht werden“, sagte Dr. Wolfgang Sturm vom Department für Innere Medizin der Universitätsklinik Innsbruck aus Anlass der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, die vom 5. bis 7. Oktober in Innsbruck stattfand.

Große Thrombosegefahr ab 2.500 Meter Höhe

Nicht nur topfitte und auf Anstrengungen in großer Höhe hin trainierte Extrembergsteiger können in großen Höhen mit potenziell lebensgefährlichen gesundheitlichen Risiken zu kämpfen haben. „Austrocknung und Verletzungen an den Beinen beim Höhenbergsteigen und Klettern sind die häufigsten Ursachen für Thrombosen“, betonte Sturm. Einerseits steige der Flüssigkeitsbedarf mit zunehmender Höhe, andererseits sei natürlich auch die körperliche Anstrengung an sich leicht Auslöser für eine „Eindickung“ des Blutes mit erhöhter Gefahr der Ausbildung von Blutgerinnseln in den Venen. Diese Thromben können im schlimmsten Fall aus den Beinvenen in den Lungenkreislauf gelangen und dort eine unter Umständen lebensgefährliche Embolie auslösen.

„Das Risiko nimmt mit der erreichten Seehöhe beim Bergsport zu. Relevant wird es ab einer Höhe von 2.500/3.000 Meter Seehöhe“, erläuterte Dr. Sturm. „Die wichtigste Prophylaxe ist die Gewährleistung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr. Das können auch zwei, drei Liter sein, die man da als Höhenwanderer unbedingt mitnehmen sollte.“ Oder man versorgt sich bei Stopps mit der entsprechenden Flüssigkeitsmenge.

Dass es am Berg immer wieder zu Verletzungen kommt, die das Blutgerinnungssystem aktivieren und damit die Thrombosegefahr erhöhen, lässt sich kaum verhindern. Aber eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr kann dem entgegenwirken. „Besonders gefährdet sind natürlich Höhenbergsteiger und Kletterer in extremen Höhen wie in Südamerika oder im Himalaya, doch ich behandle immer wieder auch Patienten mit Thrombosen bzw. Lungenembolien nach Wanderungen oder Klettertouren in größeren Höhen in den Tiroler Bergen“, betonte der Experte.

Vor geplanten Touren in große Höhen sollten Risikopatienten unbedingt ärztlichen Rat einholen

Und schließlich wäre die Konsultation eines Fachmanns bei Planung von ausgedehnten Bergtouren in höhere Lagen eventuell ratsam. „Es gibt natürlich auch eine medikamentöse Prophylaxe. Diese erfolgt durch Heparin-Selbstinjektion oder auch durch die Einnahme von Medikamenten in Tablettenform“, sagte Dr. Sturm. Die Heparin-Thrombose-Prophylaxe ist aus der Reisemedizin, zum Beispiel von Langstreckenflügen, bekannt. Die seit einigen Jahren in der Behandlung und Prävention, z.B. vor orthopädischen Operationen, eingesetzten neuen oralen Antikoagulantien („NOAKs“) sind offiziell für die Verwendung am Berg bzw. in der Reisemedizin nicht zugelassen. Wird ein solches Präparat eingenommen, handelt es sich um einen sogenannten „Off-Label-Use“, also ohne direkt für diesen Einsatz vorliegende wissenschaftliche Evidenz.

Warnsignale ernst nehmen

Bei verdächtigen Symptomen am Berg – vor allem bei Atemnot und Brustschmerzen – ist sofort medizinische Hilfe via Bergrettung zu suchen. Sturm: „Das kann natürlich bis hin zum Notarzthubschraubereinsatz gehen.“ Großes Glück hatten jedenfalls Patienten des Innsbrucker Arztes, die trotz auftretender Beschwerden noch bis ins Tal abstiegen und dann ins Krankenhaus kamen.

Die Thrombosegefahr – das Risiko für Thromboembolien – steigt aber auch mit dem Lebensalter, mit zunehmendem bzw. erhöhtem Körpergewicht und mit Grunderkrankungen – zum Beispiel speziell mit bereits vorliegenden Venen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Sturm abschließend: „Genauso wie beim Bergsteigen in große Höhen Ausrüstung und Kondition passen müssen, muss man sich der potenziellen Gesundheitsrisiken gewahr sein. Ein Arztbesuch im Vorfeld, gute Vorbereitung und die Kenntnis, wie man sich im Ernstfall richtig verhält, und eventuell auch rechtzeitig wieder kehrtmachen, helfen, den Aufenthalt in den Bergen und im besten Fall auch den Gipfelsieg unbeschadet genießen zu können!“

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