Tabakrauchen aus internistischer Sicht

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Tabakrauchen ist mit etwa 30% der Krebstodesfälle, 30-40% der Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen und etwa 75% der Todesfälle durch COPD assoziiert.

Neben den »klassischen« beeinträchtigten Bereichen von Tabakrauchen – Herz-Kreislauf-System, die Lungen und die Krebserkrankungen – werden auch anderen Organe des menschlichen Körpers geschädigt und viele Erkrankungen ausgelöst oder verstärkt.

Betroffen sind z.B. Geschlechtsorgane und Nachkommenschaft, die Osteo­porose wird verstärkt, die chronische Polyarthritis läuft aggressiver ab, viele Haut- und Augenerkrankungen werden mit dem Tabakrauchen in Zusammenhang gebracht, usw. Gibt es eine untere Schwelle von Tabakrauchen bzgl. der Anzahl der Zigaretten?

Häufig wird argumentiert „Ich rauche ja bloß 1 bis 4 Zigaretten täglich“. ­Eine neue Studie von Bjartveit K und Tverdal A (To­bacco Control 2005) zeigte, dass selbst 1 bis 4 Zigaretten täglich das Risiko »Tod durch koronare Herzkrankheit« fast verdreifachen, jenes für Bronchuscarcinom beim Mann ebenfalls fast verdreifachen und bei der Frau sogar verfünffachen.

 

Was beim Tabakrauchen die Organe schädigt

Mehrere tausend Substanzen wurden im Zigarettenrauch nachgewiesen. Einvernehmen herrscht, dass die Kanzerogene im Teer die Krebserkrankungen verursachen. Reizstoffe und -gase werden für die COPD verantwortlich gemacht. Für die Herz-Kreislauf-Erkrankungen dürfte weniger Kohlenmonoxyd als der oxydative Stress durch viele Substanzen und freie Radikale verantwortlich sein. Nikotin ist, wie schon so oft, das Zentrum einer wissenschaftlichen Diskussion.

Hinsichtlich Herz-Kreislauf stimuliert Nikotin das Katecholaminsystem und stört in einigen Modellen die Endothelfunktion. Die Nikotinersatztherapie ist jedoch nicht mit einem erhöhten Risiko kardiovaskulärer Komplikationen verbunden. Es ist daher unrichtig, aber im deutschsprachigem Raum fest etabliert, von »Nikotinabusus« zu sprechen, wenn man »inhalativen Tabakabusus« oder »Zigarettenabusus« meint.

 

Tabakrauchen und Diabetes

Wichtig ist, dass Tabakrauchen das Risiko, an Diabetes mellitus Typ II zu erkranken, verdoppelt. Besteht bereits ein Diabetes mellitus, so führt das Tabakrauchen nicht nur zu einer weiteren Steigerung des kardiovaskulären Risikos, sondern fördert auch die diabetische Nephropathie, die Progredienz zur Dialysepflichtigkeit, den schlechteren Ausgang von Organtransplantationen usw. Passivrauchen verdoppelt entsprechend der US Nurses Study (Circulation 1997) das Risiko von Frauen, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Die EPIC-Studie (BMJ 2005) zeigt, dass Passivrauchen auch mit einem erhöhten Risiko des BronchusKarzinoms und der COPD vergesellschaftet ist. Wenn man die Frage der Abhängigkeit näher betrachtet, muss man zwischen mehreren Formen differenzieren. Man kennt die »soziale Abhängigkeit« (das »rauchende Büro«), die »psychologische Abhängigkeit«, bei der vor allem das Ritual gesucht wird, sowie die »pharmakologische Abhängigkeit«. Bei dieser wird in einer gewissen Situation nach dem stimmungsaufhellenden Nikotin verlangt (Craving) und/oder versucht, die Entzugserscheinungen zu bekämpfen. Die Rauchertherapie in Praxis und Klinik sollte nach einer Strategie erfolgen. Dies sind die 5 A.:

  • ASK: Erfragen und erfassen Sie systematisch Raucher bei jedem Besuch (seit wann er raucht, wie viel er raucht, etc.).
  • ADVISE: Empfehlen Sie jedem Raucher aufzuhören. Bieten Sie ihm dazu in einer kurzen und prägnanten Art einige gute Gründe an.
  • ASSESS: Evaluieren Sie die Bereitschaft des Patienten, mit dem Rauchen aufzuhören.
  • ASSIST: Wenn der Patient bereit ist aufzuhören, helfen Sie ihm dabei. Entwickeln Sie gemeinsam mit ihm einen Managementplan.
  • ARRANGE for Follow-Uup: Vereinbaren Sie Follow-up Besuche bzw. weitere Kontakte.

Zur Beurteilung, ob eine Nikotinabhängigkeit vorliegt, ist der Fagerström-Test nach wie vor ein sehr nützliches Instrument. Hilfreich ist auch die Feststellung, welcher Rauchertyp (Spiegelraucher, Spitzenraucher, Mischtyp) gegeben ist.

Man wird versuchen, konsonante Raucher (sie wollen nicht aufhören) zu motivieren und zu überzeugen. Dissonante Raucher (sie wollen aufhören oder zumindest reduzieren) sind da schon Schritte weiter und sollten ein Angebot der Raucherentwöhnung erhalten. Die Bestimmung der CO-Konzentration in der endexspiratorischen Luft (»Smokerlyzer«-Test) ermöglicht es, über das wahrscheinliche Ausmaß der permanenten Schädigung durch das Tabakrauchen eine Auskunft zu geben, und auch Verbesserungen im Rahmen der Raucherentwöhnung dem Patienten zu demonstrieren.

 

Tabakrauchen, Raucherentwöhnung und Nikotinersatztherapie

Eine Nikotinersatztherapie wird vor allem dann hilfreich sein, wenn eine mittlere bis hohe Nikotinabhängigkeit vorliegt. Das optimale Ziel ist die völlige Raucherentwöhnung. Allerdings gibt es Patienten, die zwar dissonant sind aber derzeit nicht total aufhören können oder wollen. Oft fürchten sie ein berufliches Versagen ohne Zigaretten. In diesem Fall kann man ein »reduziertes Rauchen« vereinbaren. Die Zahl der Zigaretten wird halbiert, aber das nun fehlende Nikotin sollte durch Nikotinersatztherapie geliefert werden, sonst raucht der Patient jede einzelne Zigarette doppelt so intensiv wie vorher und hat keine Reduktion der Schädigung erzielt.

Bringt diese Strategie etwas? Eine Studie von N. Godfredsen et al. (JAMA 2005) zeigte, dass sich mit reduziertem Rauchen das Risiko des Bronchuskarzinoms deutlich reduzieren lässt. Die Wahl des Nikotinersatzmedikamentes sollte vom Patient getroffen werden.

Die Cochrane Reviews zeigen, dass die Nikotinersatztherapie die Chancen der Raucherentwöhnung etwa verdoppelt. Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass die Nikotinersatztherapie auch bei kardiovaskulären Risikopatienten mit keiner erhöhten Gefahr von akuten Ereignissen wie kardialer Dekompensation oder Rhythmusstörungen verbunden ist.

Daher gehören die Raucherentwöhnung – und die eventuelle notwendige Nikotinersatztherapie – zum integrierten Bestandteil einer umfassenden Behandlung von Rauchern mit kardiovaskulären Erkrankungen und/oder Diabetes mellitus.

Studien zu Tabakrauchen

Studien zu Tabakrauchen

Fazit. Die Raucherentwöhnung ist ein absolut wirkungsvolles Instrument. Nicht vergessen werden sollte, dass psychosoziale Maßnahmen sehr hilfreich sind, sowohl bei Patienten mit hoher als auch bei jenen mit niedriger Nikotinabhängigkeit. Zur Vermeidung der Gewichtszunahme sollte die Raucherentwöhnung mit einer kritischen Analyse des Lebensstils verbunden sein, nach dem Motto »weg von den schädigenden Zigaretten und hin zu einem körperlich aktiven, erfüllten Leben«.

Quellen: Grundlagen der Rauchertherapie aus internistischer Sicht. MEDMIX 03/2006;30-32. Univ.-Prof. Prim. Dr. Christian Leithner

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Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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