Steife Fingergelenke behandeln

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Sehr rasch nach Auftreten der ersten Symptome sollten steife Fingergelenke behandelt werden. Oft ist Rheuma der Grund für die Gelenkbeschwerden.

Sie kommen oft über Nacht: unschöne Gelenk-Knötchen, die schmerzen und gerötet sind – geschwollene und heiße Fingergelenke, die man kaum noch bewegen kann. Zugleich lässt die Kraft in den Händen deutlich nach und die Finger werden steif. Das alles kann jederzeit und in jedem Lebensalter auftreten, und für die Betroffenen meist ohne erkennbare Ursache. Aber natürlich gibt es einen Grund für diese Gelenkbeschwerden, und der heißt Rheuma.

Der Begriff Rheuma kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Schmerzen“. Rheuma ist keine einzelne Erkrankung sondern ein Überbegriff für viele Krankheiten an unserem Bewegungsapparat. Die Hände sind vor allem von zwei rheumatischen Leiden betroffen: der rheumatoiden Arthritis, einer Gelenkentzündung, und den Fingerarthrosen, das sind Abnützungen unserer Gelenke. Die Gicht, eine Stoffwechselerkrankung mit Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken, ist dagegen nur sehr selten der Grund für Beschwerden in den Fingern.

 

Die rheumatoide Arthritis – eine chronische Gelenkentzündung

Die rheumatoide Arthritis, früher chronische Polyarthritis genannt, ist eine chronische Gelenkentzündung, die sehr schnell den Gelenkknorpel angreift, damit die Gelenke zerstört, was wiederum starke Schmerzen, Verformungen und eine Gebrauchsunfähigkeit der Fingergelenke zur Folge hat.

Ursache der Polyarthritis ist eine Störung unseres Immunsystems, welches außer Kontrolle gerät, überaktiv ist und sich gegen unseren eigenen Körper richtet. Über eine Aktivierung diverser Zellen und Botenstoffe des Immunsystems kommt es zu einer entzündlichen Reaktion, wobei neben Gelenken und Muskeln sogar innere Organe wie Niere, Lunge, Herz oder Leber betroffen sein können.

Prinzipiell kann die rheumatoide Arthritis in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Frauen erkranken dreimal so häufig wie Männer. Selbst vor Kindern schreckt diese Krankheit nicht zurück.

An den Händen sind in erster Linie die Fingergrund- und -mittelgelenke sowie die Handgelenke befallen, oft symmetrisch an beiden Händen. Die Fingerendgelenke bleiben dagegen meist ausgespart.

Folgende Anzeichen sollten jeden Menschen sofort zum Arzt führen:

  • Frühmorgendlicher Gelenkschmerz (Morgensteifheit): In der Früh sind die Gelenke steif, unbeweglich und schmerzen. Dies kann oft Stunden andauern.
  • Kraftlosigkeit der Hände: Dosen und Gläser können nicht mehr geöffnet werden. Vielen Patienten fallen Gegenstände einfach aus der Hand.
  • Begrüßungsschmerz: Ein kräftiger Händedruck verursacht fast immer starke Schmerzen.
  • Bewegungseinschränkung: Eine Faust machen oder das Ausstrecken der Finger sind unmöglich.
  • Gelenkschwellung: Die Gelenke sind spindelförmig aufgetrieben, prall gefüllt, druckschmerzhaft, sie hitzen und sind gerötet. In einigen Fällen beginnt die Krankheit so dramatisch, dass die ganze Hand geschwollen ist.
  • Allgemeinsymptome: Krankheitsgefühl, Fieber, Schwitzen, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit , Gewichtsabnahme sowie Muskel- und Sehnenschmerzen.

 

Da gerade in den ersten Jahren der Erkrankung die größten Gelenkschäden entstehen, sind eine rechtzeitige exakte Diagnose und Behandlung enorm wichtig.

Wer also drei bis vier Wochen an den oben genannten Symptomen leidet, sollte unverzüglich einen Spezialisten aufsuchen. Der Rheumatologe wird anhand der Beschwerden und mithilfe spezieller Blutuntersuchungen, Röntgen sowie Gelenkultraschall oder Magnetresonanztomographie rasch die Erkrankung erkennen und die richtige Therapie beginnen.

Immuntherapie. Da es sich bei der rheumatoiden Arthritis um eine Störung unseres Immunsystems handelt, werden in erster Linie Medikamente eingesetzt, die das außer Kontrolle geratene Immunsystem normalisieren und damit die Entzündung bremsen. Man spricht von einer „Basistherapie“. Neben den konventionellen Basismitteln wie Methotrexat, Sulfasalazin, Hydroxychloroquin und Leflunomid steht seit mehr als 10 Jahren eine neue Generation von Medikamenten zur Verfügung: die Biologika. Diese Arzneimittel greifen ganz gezielt in das gestörte Immunsystem ein, indem sie bestimmte entzündliche Botenstoffe oder Zellen blockieren, die eben die Gelenkentzündung ausgelöst haben. Damit kommt es oft zu einem kompletten Stopp der Erkrankung, die Beschwerden verschwinden innerhalb kürzester Zeit.

 

Fingerarthrosen

Auch die Fingerarthrosen, unter den man Abnützungen der Fingergelenke versteht, sind ein typisch rheumatisches Leiden. Sie treten meist nach dem 40. Lebensjahr auf und nehmen mit steigendem Alter rapid zu. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Bei den über 75-Jährigen haben fast 50% knotige Veränderungen der Fingergelenke. Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis sind in erster Linie die Fingerend- und -mittelgelenke (Heberden- und Bouchardarthrosen) befallen. Die Arthrose des Daumensattelgelenks (=Rhizarthrose) macht große Schwierigkeiten beim Greifen.

Die ersten Verschleißerscheinungen an den Gelenken treten bereits in der Jugend auf, weshalb der Früherkennung und der rechtzeitigen Behandlung große Bedeutung zukommt. Folgende Beschwerden sind typisch für eine Gelenkabnützung:

  • Gelenksteifheit: Besonders nach Ruhephasen sind die Gelenke für Minuten bis Stunden steif und unbeweglich. Morgens ist es meist am Schlimmsten. Die Fingergelenke knacksen.
  • Knötchen: An den Seiten der Gelenke entstehen harte und schmerzhafte Knoten, die manchmal auch gerötet und heiß sind.
  • Druckschmerz: Ein Druck auf die Fingergelenke tut weh.
  • Kraftlosigkeit: Das Durchführen einfacher Tätigkeiten wie Zuknöpfen oder das Benützen eines Schraubenziehers wird zum Problem. Oft kann man nicht einmal mehr die Kaffeetasse halten.
  • Und natürlich Schmerzen: zuerst nur bei Belastung und Bewegung, dann bei Wetterumschwüngen und nachts, und schließlich treten Dauerschmerzen auf.

Die Knotenbildungen führen zunehmend zum Funktionsverlust der betroffenen Gelenke und letztlich zur Versteifung. Doch das alles kann durch eine rechtzeitige Therapie verhindert werden!

 

So früh wie möglich steife Fingergelenke behandeln

Moderne Therapien, neue Medikamente und die Kombination diverser Behandlungen haben die Erfolgsrate bei der Arthrosebehandlung deutlich verbessert. Der frühe Einsatz aller Therapien wirkt sich dabei besonders günstig aus. Deswegen sollte man bei Beschwerden nicht lange zuwarten.

Knorpelaufbaupräparate wie Chondroitin- und Glucosaminsulfat sowie Diacerein werden kurmäßig über mindestens drei Monate eingenommen. Sie regen das Knorpelwachstum an und verhindern damit einen weiteren Knorpelabbau.

Die Arthrose des Daumensattelgelenks wird in den letzten Jahren sehr erfolgreich mit Hyaluronsäure behandelt. Diese künstliche Gelenkschmiere wird mit einer ganz dünnen Nadel direkt in das Gelenk appliziert. Sind die Fingergelenke stark entzündet und geschwollen, bewähren sich Injektionen mit geringen Kortisonmengen.


Mit Antirheumatika – oral oder als Infusion – können steife Fingergelenke entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkungsvoll behandelt werden. Bei leichten Beschwerden können sie auch lokal als Salbe oder Gel auf die Fingergelenke aufgetragen werden.


Weiters stehen verschiedene physikalische Therapieformen wie Strombehandlungen, Ultraschall, Kälte- und/oder Wärmetherapien sowie Bäder zur Verfügung.

Bei akuten Entzündungen (Fingergelenke geschwollen, überwärmt, gerötet, stark druckschmerzhaft) sollte man eher mit Kälte arbeiten. Kalte Topfenumschläge oder Eisbeutel können mehrmals täglich für jeweils 15 – 20 Minuten aufgelegt werden.

Bei chronischen Beschwerden sind hingegen Wärmeanwendungen angebracht. Hier helfen warme Bäder mit Heublumen oder Kräutern, Paraffin- und Moorpackungen oder Wärmelampen. Schützen Sie Ihre Hände vor Kälte und kaltem Wasser!

Zusätzlich lindern Magnetfeldtherapie und pflanzliche Mittel wie Hagebutte und Teufelskralle die Schmerzen.

Gesunde Ernährung und Lebensstilveränderungen (kein Nikotin, wenig Alkohol) wirken ebenfalls positiv auf das Fortschreiten der Arthrose. Eine Verminderung des Fleisch- und Fettverzehrs sowie ein erhöhter Konsum von Gemüse, Obst, Fisch und Pflanzenölen erweisen sich generell als sehr günstig. Fischöle und diverse Vitamine (Provitamin A, Vitamin C und E) haben entzündungshemmende Eigenschaften.

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About Author

Dr. Thomas Schwingenschlögl

Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie sowie Ernährungsmediziner Zusatzausbildungen: Österreichisches Ärztekammerdiplom für Akupunktur Österreichisches Ärztekammerdiplom für Ernährungsmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Kurmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Notfallmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Neuraltherapie Österreichisches Ärztekammerdiplom für Manuelle Medizin (Chirotherapie) Ordination: Reisenbauerring 5/1/5, A - 2351 Wiener Neudorf Ordinationszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag von 8.00 bis 14.00 Uhr Mittwoch von 8.00 bis 18.00 Uhr Tel: 02236 / 865 910 E-Mail: gesundheit@dr-schwingenschloegl.at Wahlarzt für alle Kassen.

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