Sprunggelenk-Abnützung und Arthrosen

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Das Sprunggelenk ist weniger als Hüfte oder Knie anfällig für Arthrosen, doch zirka 1% aller Erwachsenen haben eine schmerzhafte Sprunggelenk-Arthrose.

Bei einer Arthrose im Sprunggelenk hat man vor allem morgens das Gefühl, eingerostet zu sein und sich langsam in Schwung bringen zu müssen. Nach körperlicher Anstrengung kann das Sprunggelenk mit Arthrose tagelang schmerzhaft und geschwollen sein. Chronische Sprunggelenk-Schmerzen beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen über die Maßen, gewisse Sportarten wie Laufen, Fussball oder Tennis werden nahezu unmöglich, denn das Sprunggelenk wird schmerzhaft und versteift.

 

Gelenk-Abnützungen

Arthrosen, das ist der medizinische Ausdruck für Gelenk-Abnützungen, sind Verschleißerscheinungen unserer Gelenke, die mit zunehmendem Alter häufiger werden und die Betroffenen sehr quälen. Arthrosen zählen zu den degenerativ-rheumatischen Erkrankungen, sind also rheumatische Leiden und gelten als wahre Volkskrankheit. Der heute international gebräuchliche Ausdruck „Osteoarthritis“ für Gelenkabnützungen macht klar, dass es sich bei dieser Krankheit um mehr als einen reinen Knorpelschaden handelt. Ausgangspunkt ist eine verminderte Leistung der knorpelaufbauenden Zellen, wodurch der Knorpelbelag dünner und uneben wird. Es kommt zu Reibephänomenen mit anschließender Entzündung, Verformung und Zerstörung unserer Gelenke.

Arthrosen sind aber nicht nur eine Erkrankung des höheren Alters. Denn bereits ab dem 30. Lebensjahr kommt es zu den ersten Abbauprozessen unseres Gelenksknorpels. Betroffen sind vor allem die Gelenke, die wir am meisten beanspruchen: die durch das Körpergewicht belasteten Gelenke der Beine wie Knie-, Hüft- und Sprunggelenke. Verletzungen der Gelenke, übermäßige körperliche Beanspruchung, angeborene Fehlstellungen, schwere Entzündungen, Übergewicht oder Extremsport begünstigen den Knorpelschaden.

Generell sind mit 60 Jahren bei 90% aller Menschen Abnützungen am Bewegungsapparat nachweisbar, mit 40 Jahren immerhin schon bei 50%. Je früher dieser Prozess gestoppt bzw. verlangsamt wird, umso größer ist der Therapieerfolg.

 

Sprunggelenk – ein kompliziertes Gelenk

Das Sprunggelenk ist die Verbindung zwischen dem Unterschenkel und dem Fuß, wobei man ein oberes (OSG) und unteres Sprunggelenk (USG) unterscheidet.

Wenn wir vom Sprunggelenk sprechen, dann meinen wir den „Knöchel“, das OSG. Dieses Gelenk wird durch die Knochenenden des Unterschenkels, Schien- und Wadenbein, mit dem Sprungbein gebildet und mithilfe zahlreicher Bänder zusammengehalten.

Das untere Sprunggelenk ist bereits Teil des Fußes. Sowohl die Fersenregion als auch jener Teil des Fußes, den wir gerne als „Rist“ bezeichnen, gehören zum USG.

Beide Gelenke zusammen ermöglichen das Abrollen des Fußes und damit die Gehbewegung. Aber auch das Drehen und seitliche Anheben der Fußränder sind Funktionen des Sprunggelenks.

Das Sprunggelenk ist eines der meist belasteten Gelenke unseres Körpers, das bei jedem Schritt die gesamte Körperlast tragen muß. Das alleine begünstigt schon den Knorpelabbau. Zugleich ist es anfällig für Verletzungen: Verstauchungen, Umknicken des Fußes mit Bandverletzungen oder Brüche, die den Verschleiß vorantreiben.

 

Früherkennung wichtig

Die Sprunggelenk-Arthrose hat einen meist schleichenden Krankheitsverlauf. Da Knorpelzellen keinerlei Schmerz wahrnehmen können, bleiben die Verschleißerscheinungen lange Zeit unbemerkt und Schmerzen treten erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auf. Deshalb ist die Suche nach folgenden Frühzeichen der Erkrankung besonders wichtig:

  • Gelenk-Steifheit: diese ist bei den ersten Bewegungen nach einer Ruhelage besonders ausgeprägt. Speziell beim Aufstehen in der Früh, nach einem Mittagsschläfchen oder nach langem Sitzen ist das Gelenk bei den ersten Schritten steif und schmerzt. Mit der Bewegung lassen Schmerz und Steifheitsgefühl schnell nach.
  • Kraftlosigkeit: Immer wieder wird von Patienten ein plötzliches „Einknicken“ in den Füßen angegeben. Man hat das Gefühl, daß das Sprunggelenk plötzlich nachgibt.
  • Gelenkgeräusche bei Belastung: Knacksen oder ähnliche Reibegeräusche können erste Hinweise für eine beginnende Arthrose sein.
  • Bewegungseinschränkung: Auch wenn noch keine wesentlichen Schmerzen vorhanden sind, sollte eine Abnahme des Bewegungsumfanges eines Gelenkes an eine Abnützung denken lassen. Man kann den Knöchel nicht mehr richtig abrollen oder seitlich drehen.

Fortgeschrittene Anzeichen sind:

  • Ermüdungs- und Belastungsschmerzen: Die fortgeschrittene Zerstörung des Gelenkknorpels macht sich bei der Bewegung bemerkbar und führt zusätzlich zu einer Beeinträchtigung der Gelenkbeweglichkeit.
  • Nächtliche und witterungsabhängige Schmerzen: Beschwerden bei Wetterumschwüngen und beim Liegen weisen auf den bereits starken Verschleiß hin.
  • Gelenkschwellung und Druckschmerz: Das ständige Reiben der Gelenkflächen führt zu einer entzündlichen Reaktion im Gelenk mit Bildung eines Gelenkergusses. Das Gelenk ist geschwollen, oft überwärmt sowie erheblich druck- und berührungsempfindlich.

Im Spätstadium der Erkrankung kommt es dann zu deutlichen Gelenkdeformierungen und Fehlstellungen der Füße, die meist von Dauerschmerzen begleitet werden. Der Funktionsverlust in der Bewegung behindert schlussendlich Alltagstätigkeiten. Man kann kaum noch gehen! Doch all das kann durch eine rechtzeitige Therapie verhindert werden.

Zur Diagnose der Sprunggelenk-Arthrose wird neben den klinischen Symptomen und konventionellen Röntgenaufnahmen zunehmend die Magnetresonanztomographie eingesetzt. Diese Methode erlaubt neben dem Erkennen von Frühzeichen der Abnützung auch die graduelle Abstufung des Knorpelschadens.

Laborbefunde sind bei Arthrosen in der Regel unauffällig. Lediglich bei stark aktivierten Arthosen sind die Entzündungsmarker im Serum wie Blutsenkung und mäßig erhöht.

 

Frühe Therapie ist erfolgreich

Moderne Therapien, verbesserte Medikamente und vor allem die Kombination diverser Behandlungen haben den Arthrosen weitgehend den Schrecken genommen und können die Schmerzen erheblich lindern. Am Beginn steht immer eine konservative Therapie.

Knorpelschutzpräparate: sie sollen den weiteren Knorpelabbau verhindern, indem die Herstellung der Grundsubstanz für den Knorpel stimuliert wird, und gleichzeitig einen besseren Gleiteffekt bewirken. Die Voraussetzung hierfür ist aber das Vorhandensein von noch genügend funktionsfähigen Knorpelzellen, wie das bei gering- und mittelgradigen Arthrosen der Fall ist.

Neben der intraartikulären (direkt in das Gelenk verabreicht) Injektion von Hyaluronsäure, einer künstlichen Knorpelschmiere, stehen verschiedene orale Chondroprotektiva zur Verfügung. Schwefelverbindungen wie Chondroitin- und Glucosaminsulfat begünstigen die Knorpelregeneration. Diacerein, ein Interleukin-1 Blocker, hemmt diesen Botenstoff, der bei der Gelenkszerstörung eine große Rolle spielt. Alle diese Präparate werden kurmäßig über zumindest drei Monate eingenommen. Auch wenn Studienergebnisse für Knorpelaufbaumittel nicht eindeutig sind, in der Praxis helfen sie den meisten Patienten.

Schmerztherapie: besonders bei fortgeschrittenen Abnützungen oder im Bedarfsfall kommt man ohne ein gute Schmerztherapie nicht aus. Die Schmerztherapie richtet sich dabei nach der Intensität der Beschwerden, aber auch nach vorhandenen Entzündungszeichen der Gelenke wie Schwellung und Erguß im Gelenk. Antirheumatika sind die mit Abstand am häufigsten verwendeten Medikamente. Sie lindern den Schmerz und wirken gleichzeitig entzündungshemmend. Damit sind sie reinen Schmerzmitteln (Analgetika) etwas überlegen. Die Gruppe der Antirheumatika setzt sich aus einer Vielzahl völlig unterschiedlicher Substanzen zusammen. Deshalb sollte die Einnahme unbedingt vorab mit Ihrem Arzt besprochen werden, um falsche Dosierungen zu vermeiden. Antirheumatika können lokal als Gel, Salbe oder Pflaster aufgetragen werden. Es gibt sie oral zum Schlucken. Bei akuten Schüben mit Aktivierung der Arthrosen hat sich die Gabe von antirheumatischen Infusionen in Kombination mit hochdosiertem Vitamin B- und C-Komplex zur raschen Unterdrückung der Entzündung und Beschwerden sehr bewährt. Bei Langzeiteinnahme sollte man auf die unerwünschten Nebenwirkungen auf Magen und Darm (Gastritis, Sodbrennen, Durchfälle) achten und frühzeitig Magenschutzpräparate einsetzen.

Bei chronischen Schmerzen können als Zusatzmittel Antidepressiva die Schmerzschwelle und -wahrnehmung günstig beeinflussen.

Kortisoninjektionen: bei starken Schmerzen und vor allem bei Gelenksentzündungen bewähren sich Injektionen mit langwirksamen Kortisonpräparaten (Mischung mit einem Lokalanästhetikum), die allerdings auf einige Male beschränkt bleiben sollten.

Physikalische Therapie: Diverse physikalische Therapiemaßnahmen wie Elektrobehandlungen, Ultraschall, warme oder kalte Packungen, Infrarotbestrahlungen, Magnetfeldtherapie und Lymphdrainagen sind in Verbindung mit Heilgymnastik und Muskeltraining ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Arthrosetherapie. Aktive Bewegungsübungen dienen einerseits der Vergrößerung des Bewegungsumfanges eines Gelenkes, andererseits dem Muskelaufbau. Eine kräftige Muskulatur wiederum entlastet das geschädigte Gelenk und dient als Stoßdämpfer. Unterwassergymnastik und Kurbehandlungen haben sich als besonders effizient erwiesen, da sich die Patienten unter Wasser durch den Auftrieb leichter und schmerzarmer bewegen können. Die im Heilwasser gelösten Elemente wie Radon oder Schwefel haben einen günstigen Einfluß auf den Krankheitsverlauf. Auch verschiedene orthopädische Mobilisationstechniken verbessern die Gelenkbeweglichkeit.

Bei schweren Arthrosen muss man auf eine ständige Reduktion der Gelenkbelastung achten. Neben orthopädischen Schuhen mit Schaftversteifung, Pufferabsätzen, Unterschenkelorthesen, Bandagen oder Krücken bringt auch der altbekannte Spazierstock eine gewisse Entlastung.

Operative Maßnahmen: Wird durch den gezielten Einsatz aller konservativen Therapien kein ausreichender Erfolg erzielt, steht eine Reihe von unterschiedlichen chirurgischen Möglichkeiten zur Verfügung. Neben Gelenkspiegelungen (Arthroskopien) zur Exploration des Knorpelschadens und zur Knorpelglättung, die beim engen Sprunggelenk teilweise sehr schwierig sind, kommen Versteifungsoperationen und zunehmend der Einbau eines künstlichen Sprunggelenks (Endoprothese) in Frage. Dies ist allerdings nur beim oberen Sprunggelenk möglich.

Aber soweit sollte es erst gar nicht kommen. Wer drei bis vier Wochen an Schmerzen im Sprunggelenk leidet oder Frühsymptome einer Abnützung wahrnimmt, sollte unverzüglich einen Spezialisten aufsuchen.

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Dr. Thomas Schwingenschlögl

Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie sowie Ernährungsmediziner Zusatzausbildungen: Österreichisches Ärztekammerdiplom für Akupunktur Österreichisches Ärztekammerdiplom für Ernährungsmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Kurmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Notfallmedizin Österreichisches Ärztekammerdiplom für Neuraltherapie Österreichisches Ärztekammerdiplom für Manuelle Medizin (Chirotherapie) Ordination: Reisenbauerring 5/1/5, A - 2351 Wiener Neudorf Ordinationszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag von 8.00 bis 14.00 Uhr Mittwoch von 8.00 bis 18.00 Uhr Tel: 02236 / 865 910 E-Mail: gesundheit@dr-schwingenschloegl.at Wahlarzt für alle Kassen.

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