2018 ist auch für die Spanische Grippe ein Jubiläumsjahr

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Neben vielen politischen Ereignissen zum Ende des ersten Weltkriegs feierte im Jahr 2018 auch die Influenza-Virus ausgelöste Spanische Grippe ihr hundertjähriges Jubiläum.

Das Jahr 2018 ist auch aus virologischer Sicht ein bemerkenswertes Jubiläumsjahr. Neben all den politischen Ereignissen zum Ende des ersten Weltkriegs, jährt sich auch der Ausbruch der vermutlich größten akut verlaufende Virusepidemie aller Zeiten zum 100. Mal. Die Spanische Grippe infizierte im Verlauf der drei Infektionswellen im Frühjahr 1918, im Herbst 1918 und im Winter/Frühjahr 2019 ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Influenza-Virus.

Vermutlich verstarben bis zu 50 Millionen Menschen. Somit forderte die Spanische Grippe also weit mehr Todesopfer als der gesamte erste Weltkrieg. Weiters verursachte sie auch mehr Todesfälle als die gesamte HIV-Epidemie von deren Beginn an bis zum heutigen Tag – laut WHO etwa 35 Millionen.

 

Spanische Grippe nach wie vor teilweise ein Rätsel

Nach wie vor ist vieles an der damaligen Influenza-Epidemie unklar. Sicher ist, dass die Epidemie durch ein mutiertes Influenza-A-H1N1-Virus verursacht wurde. Schließlich weiss man heute auch, dass die ersten Erkrankungsfälle nicht in Spanien auftraten. Deswegen ist die bis heute gebräuchliche Bezeichnung Spanische Grippe eigentlich auch nicht korrekt.

Die derzeit wahrscheinlichste Hypothese unterstellt, dass das Influenza-Virus in Kansas in den USA entstand und dort erstmals in der Region Haskell County auftrat.

Möglicherweise hatten im Februar 1918 auch Soldaten das Influenza-Virus in ein Militärlager in Kansas eingeschleppt. Denn dort wurde ein erster Indexfall bekannt, als ein Koch im März an Influenza erkrankte, gefolgt von vielen anderen. Vermutlich ist dann von hier aus dieses Influenza-Virus über andere Regionen der USA und über Truppentransporte weiterverbreitet und auch nach Europa gebracht worden.

 

Spanische Grippe – Beginn in China

Das Influenza-Virus, das die Spanische Grippe verursachte, könnte ursprünglich aber auch aus einer chinesischen Provinz gekommen sein. Denn auch dort wurde damals über Influenza ähnliche Erkrankungen vor Beginn der weltweiten Pandemie berichtet.

Während die erste Influenza-Welle im Frühling 1918, also in den letzten Monaten des Weltkriegs, noch vergleichsweise harmlos war, war die zweite Welle im Herbst 1918, von Ende August bis November, die bei weitem gefährlichste und forderte vor allem unter den 20- bis 40-Jährigen unzählige Todesopfer.

Am 11. November endete der erste Weltkrieg und Ende November beruhigte sich die zweite Influenza-Welle. Danach kam es Anfang 1919 auch noch zu einer dritten Welle.

Grundsätzlich hatte die Spanische Grippe nicht nur auf Europa und Nordamerika sondern auf die gesamte Weltbevölkerung eine verheerende Wirkung. Dementsprechend diskutieren Historiker auch immer häufiger, ob die Spanische Grippe eigentlich die gravierenden Wandlungen in politischen und gesellschaftlichen Systemen nach 1918 sehr viel stärker beeinflusste.

 

Das hoch pathogene Influenza-Virus A H1N1 hat die Spanische Grippe ausgelöst

Die Ursache dieser Katastrophe war, wie oben erwähnt, ein Stamm des Influenza-Virus-A-H1N1. Im Jahr 2005 haben US-Virologen im Labor das Originalvirus der spanischen Grippe rekonstruiert. Dabei hat sich ebenfalls gezeigt, dass dieser Krankheiterreger ein ungewöhnlich hoch pathogenes Influenza-Virus ist. Tatsächlich hat es dann in Tierexperimenten auch eine hohe Mortalität verursacht. Außerdem war dieses Influenza-Virus durch Aerosole leicht übertragbar sowie hochansteckend (Tumpey et al, Science 2005).

Durch spezielles Passagieren von H5N1-Vogelinfluenzaviren haben im Jahr 2011 Forscher in den USA, Japan und den Niederlanden in Experimenten weitere, hochpathogene und auch leicht übertragbare Influenzaviren hergestellt.

Diese „Gain of function“ Experimente waren in der Wissenschaftswelt heftig umstritten. Allerdings zeigten diese aber auch, dass es eigentlich nur weniger Mutationen an 2 Genen bedarf, damit hochgefährliche Influenzastämme entstehen. Letztendlich könnten diese dann über Aerosole auch sehr wahrscheinlich von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Daher wundert es nicht, dass Experten Influenzaviren als größte epidemiologische Bedrohung der Zukunft immer ganz oben in einer Bedrohungsskala reihen.

 

Hohe genetische Wandlungsfähigkeit der Viren

Die Viren sind genetisch sehr wandlungsfähig. Weiters ist die Möglichkeit von genetischen Drifts und Shifts von Influenzaviren jederzeit gegeben. Zum Glück traten in den letzten Jahrzehnten solche hochpathogenen und gleichzeitig leicht von Mensch zu Mensch übertragbaren Influenzaviren nicht auf.

Unser größeres Wissen über Influenzaviren sowie die heutige internationale Vernetzung sollte die Menschheit heutzutage besser vor gravierenden Virusepidemien schützen. Dementsprechend ist die SARS-Epidemie dafür ein sehr positives Beispiel. Denn damals, 2002/2003, konnten Virologen und Gesundheitsbehörden durch exzellente internationale Kooperation in kurzer Zeit eine weltweite Pandemie verhindern.

logo-virusepidemiologische-informationenQuelle:

VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 24 / 18.

Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl. Department für Virologie der Med. Universität Wien.

 

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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