Sexualität nach gynäkologischer Bestrahlung

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Univ.-Prof. Dr. Heinz Kölbl, Kongresspräsident beim ESGO-Kongress: Sexualität nach gynäkologischer Bestrahlung kein Tabuthema mehr.

„Gynäkologisch indizierter Krebs wie der am Gebärmutterhals zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Lange Zeit war Sexualität bei Krebspatientinnen ein Tabuthema. Dank neuer Forschungsergebnisse und moderner Bestrahlung kann eine aktive Sexualität erhalten bleiben. Bei gynäkologisch indiziertem Krebs, wie Gebärmutterhalskrebs, Vaginal- und Vulvakarzinomen, erhalten im AKH jährlich 150 Patientinnen eine Strahlentherapie.

Neue Therapieformen ermöglichen durch eine exakte Bestrahlung des Tumors, dass die Nebenwirkungen, wie die Beeinträchtigung der Scheide, deutlich reduziert werden. Durch eine bessere Planung der Bestrahlung wird nun eine hohe Strahlendosis auf den Tumor gerichtet. Gleichzeitig werden das gesunde Gewebe und die umliegenden Organe, insbesondere die Vagina, geschont.

„Mit dieser modernen Außen- und Innenbestrahlung kann heute hoch präzise und individuell auf die Patientin abgestimmt therapiert werden,“ so Univ.-Prof. Dr. Heinz Kölbl, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und gynäkologische Onkologie der Medizinischen Universität Wien, der beim europäischen ESGO-Kongress der European Society of Gynaecological Oncology vom 4. bis 7. November als Kongresspräsident fungiert. Das hebt nicht nur die Lebensqualität der Patientinnen, sondern ermöglicht weiterhin eine aktive Sexualität. Um das Thema „Sexualität trotz gynäkologisch indiziertem Krebs und nach einer Krebsbehandlung“ aus der Tabuzone zu holen, bieten wir im Rahmen der Behandlung eine spezielle Sexualberatung für die Patientinnen an,“ so Kölbl.

HPV-Impfung und Test reduzieren Krebsrisiko um über 90 %

Österreich ist Vorreiter bei der Prävention von gynäkologisch indiziertem Krebs, insbesondere bei durch Humane Papillomaviren (HPV) hervorgerufenen Krebserkrankungen. „Derzeit erkranken jährlich 400 Österreicherinnen an Gebärmutterhalskrebs und 800 Menschen leiden an Krebserkrankungen, die durch HPV hervorgerufen werden“, so Kölbl. HPV infizieren dabei Epithelzellen der Haut und Schleimhäute und können tumorartiges Wachstum verursachen.

Als erstes Land bietet Österreich daher allen Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen, also Mädchen und Buben ab 9 Jahren, die kostenlose Schutzimpfung gegen HPV an. Alternativ impfen natürlich auch die Kinderärzte und Gesundheitszentren. Wichtig ist, dass sowohl Mädchen als auch Buben vor deren ersten Sexualkontakten geimpft werden, denn auch Männer können selbst durch HPV-Infektionen an Krebs erkranken oder ihre Sexualpartnerinnen anstecken. Mit der HPV-9-fach Impfung, an deren Entwicklung die MedUni Wien maßgeblich beteiligt war, und dem neuen HPV-Abstrich als Sekundärprävention kann das Krebsrisiko bei Frauen um mehr als 90 Prozent reduziert werden,“ erklärt Kölbl. Daher sind Vorsorgeuntersuchungen für jede Frau lebenswichtig.

Über den ESGO-Kongress

Der Kongress der europäischen Gesellschaft für gynäkologische Onkologie (ESGO) ist mit 3.300 Teilnehmern der größte Kongress seiner Art in Europa. Er beschäftigt sich mit allen Kernfragen der gynäkologischen Onkologie und findet heuer vom 4. bis 7. November im Austria Center Vienna statt.

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