Sexualität der Frau

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Die Sexualität der Frau wandelt sich und ist abhängig von hormonellen Veränderungen wie im Klimakterium und von psychischen Einflüssen und Krankheiten.

Die Sexualität der Frau unterliegt den allgemeinen körperlichen und ­geistigen Veränderungen jedes Lebensabschnittes von der sexuellen Reife bis ins Alter.

Es begann mit der ersten Antibabypille, Enovid 10, die vom US-Pharmakonzern CD Searle entwickelt wurde und 1960 auf den amerikanischen Markt kam. Zum ers­ten Mal konnten Frauen Sex ohne Angst vor einer Schwangerschaft genießen und sich bewusst für oder gegen ein Kind entscheiden. Dadurch trug dieser neue Verhütungsschutz auch zum Auslösen der sexuellen Revolution bei. Diese führte zu einer Veränderung in der Gesellschaft, wodurch Sexualität weiter ins öffentliche Bewusstsein gelangte.

Frauen setzten sich mehr mit ihrer Sexualität auseinander, was deren Entwick­lung begünstigte und zu einem wachsenden sexuellen Selbstbewusstsein der Frau führte. Heute stellen sie ihre Wünsche neben die der Männer und nicht dahinter. Über Sexualität darf gesprochen werden, nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern – was oft viel schwieriger ist – in der Partnerschaft.

Das Gespräch ermöglicht beiden Partnern, sowohl sich selbst, als auch dem anderen näher zu kommen und einander zu verstehen. Dazu gehören das positive sexuelle Erleben, aber auch Probleme und Störungen, die bei beiden Geschlechtern in jedem Lebensalter und jeder Phase einer wie auch immer gearteten Beziehung auftreten können.

Ein vielbesprochenes Beispiel ist die erektile Dysfunktion des Mannes, die einerseits selbstverständlich organisch verursacht, andererseits durch psycho- und partnerdynamische Mechanismen beeinflusst werden kann. Einer dieser Mechanismen kann eine Erwartungsangst sein, ausgehend von der schon genannten sexuell selbstbewussten Frau. Diese sagt nämlich, it takes two – dazu gehören zwei.

 

Sexualstörung des Mannes – ein Frauenthema

Oft zweifeln Frauen an ihrer Attraktivität, weil ihr Partner keine Lust entwickelt, trotz großer Bemühungen um seine Erektion gibt es keinen Fortschritt. Die Sexualität der Frau wird dann zum Stress, die Frau wird lustlos und fühlt sich auch so. Nach therapeutischer Hilfe bzw. nach einer ausführlichen Anamnese stellt sich häufig heraus, dass der Mann an Erektionsstörungen leidet, sich dadurch zurückzieht und oft auch an einer Depression leidet.

Hier gibt es vor allem seit der Entwicklung der PDE-5-Hemmer starke pharmakologische Unterstützung – die sogenannten Phosphodiesterase-5-Hemmer mit Sildenafil (Originalprodukt Viagra), Tadalafil (Originalprodukt Cialis), Vardenafil (Originalprodukt Levitra) und seit kurzem Avanafil. Diese Wirkstoffe – ursprünglich zur Behandlung von Herzschmerzen, Angina pectoris, entwickelt – verursachen unter anderem eine Erweiterung von Blutgefäßen und unterschieden sich untereinander in der Schnelligkeit des Eintretens der Wirkung, in ihrem Wirkungszeitraum und in ihrer Verträglichkeit.

Im Falle einer erektilen Dysfunktion kann es jedoch nicht alleine die Entscheidung des Mannes sein, zu solchen Wirkstoffen zu greifen. Die Frau hat ein Mitspracherecht, um ein gemeinsames funktionierendes Sexual­leben zu erlangen.

 

Störungen der Sexualität der Frau

Umgekehrt leiden auch Frauen an Sexualstörungen. Die Sexualität der Frau ist ein Bereich, der äußerst sensibel auf Veränderungen in der Partnerschaft, Stress und Belastungen jeglicher Art oder Krankheit reagiert und in verschiedenen Lebensphasen ein unterschiedliches Gewicht hat, ohne dass eine sexuelle Funktionsstörung diagnostiziert werden kann. Viele Patientinnen wagen es nicht, Schwierigkeiten in der Sexualität frühzeitig bei ihrem Arztbesuch anzusprechen, sondern suchen erst Hilfe, wenn sich eine manifeste Störung entwickelt hat. Im Sinne der Prävention ist es dennoch wichtig, subklinische und klinische sexuelle Symptome aktiv zu erfragen und im Arzt-Patientinnen-Gespräch darauf einzugehen. Die Prävalenz sexueller Störungen ist hoch und schwankt je nach Störungsbereich zwischen 25 und 63%. Am häufigsten kommt bei Frauen ein Libidomangel (41%) vor, gefolgt von Orgasmusstörungen (19%), Dyspareunie (12%), Vaginismus (10%), sexueller Aversion (8%) und Erregungsstörungen (1%).

Die Therapie umfasst die somatische Abklärung, vor allem bei der Dyspareunie. Ab einem Alter von 38 Jahren ist an ein Klimakterium praecox zu denken. Bei einer bestehenden Depression können Antidepressiva gegeben werden, u.a. zur Erhöhung der Appetenz. Bei nicht-somatischer Ursache einer Sexualstörung ist eine Paartherapie oder Einzeltherapie, bzw. eine Einzeltherapie mit Einbezug des Partners ­indiziert.

 

Die postmenopausale ­Sexualität der Frau

Anders sind Veränderungen der Sexualität der Frau im Klimakterium zu betrachten. Libidoverlust ist ein spezifisches Symptom des Klimakteriums. Die Ätiologie des Klimakteriums besteht in der sukzessiven Verminderung der ovariellen Steroidsynthese. Zunächst findet sich ein Ansteigen des Inhibins, was eine Erhöhung der Gonadotropinsekretion zur Folge hat. Mit dem Absinken der Progesteronproduktion kommt es zu den typischen Mangelsyndromen wie Zyklusunregelmäßigkeiten, Mastalgie, Ödemneigung oder Migräne. 5 bis 10 Jahre nach der Menopause sinkt auch die Androgenproduktion deutlich ab. Auch nach der Menopause bleibt das Ovar zusammen mit der Nebennierenrinde eine gonadotropinabhängige Quelle der Androgenproduktion, die als biochemischer Vorläufer der Östrogene für die periphere Aromatisierung zur Verfügung steht. Für die endokrine Komponente des Libido ist der Testosteronspiegel verantwortlich, der in der Menopause und in der Postmenopause defizitär werden kann.

Bei einer Dyspareunie, die ebenfalls Ursache von Libidostörungen sein kann, steht der topische vaginale Östrogenmangel im Vordergrund. Es kommt zu einer geringeren Ausschüttung von Sekret aus den Bartholini’ schen und Skene’schen Drüsen. Außerdem ist die Durchblutung im Scheidenbereich weniger gut und die Vaginalwand wird dünner. Dies führt zu einer Trockenheit der Scheide. Therapeutisch können östriolhaltige Cremes oder Zäpfchen verwendet werden – eventuell kann eine allgemeine Hormontherapie angedacht werden.

Eine weitere Therapiemöglichkeit bei der Trockenheit der Scheide ist die Anwendung von Hyaluronsäure in Form von Vaginalzäpfchen. Schon nach 20 Tagen kommt es zu einer Erleichterung der Beschwerden im Sinne einer Verbesserung des Flüssigkeitshaushaltes und einer Zunahme der Elastizität der Vaginalhaut. Außerdem wird die Wundheilung bei kleinsten Rissen und Verletzungen beschleunigt. Therapeutisch werden Östradiol oder, wie oben bereits erwähnt, Östriolprärparate topisch angewendet – eventuell Testosteronsuppositorien.

Auch das DHEA (Dehydroepiandrosteron) scheint für die Behandlung des Libidoverlustes eine zunehmende Bedeutung zu gewinnen. DHEA ist ein Steroidhormon und das am meisten verbreitete Hormon im Blut (15-20mg/Tag), im Gehirn kommt es in noch höheren Konzentrationen vor. Es wird in der Zona reticularis der Nebennierenrinde hergestellt, durch die Leber in das Sulfat DHEAS umgewandelt, zirkuliert so relativ stabil hauptsächlich tagsüber im Blut und wird in die Sexualhormone Testosteron und Östrogen transformiert. Die sexuelle Wirkung beträgt ca. 10% von der des Testosterons. Die Produktion ist im Alter von 25 Jahren am höchsten, und fällt danach stetig ab bis auf 5% des Maximums mit 85 Jahren.

Ob der kürzlich von FDA-Beratern empfohlene und in den Medien als Viagra der Frau hochgespielte Wirkstoff Flibanserin zu Beginn des Herbstes zugelassen werden wird und welchen Run er erzeugen wird, wird mit Spannung beobachtet.

 

Sexualität der Frau im Alter

Trotz der tiefgreifenden körperlichen und damit auch geistigen Umstellungen im Klimakterium bleiben der Wunsch und die Fähigkeit zu sexueller Betätigung bei der älter werdenden Frau erhalten. Das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Intimität hat nichts mit dem Alter eines Menschen zu tun.

Ältere Menschen sollten ihre erotischen Bedürfnisse bejahen und sich ihrer nicht schämen, weil sie für ihre psychische und physische Gesundheit von großer Bedeutung sind. Sexualität im Alter muss nicht mit Geschlechtsverkehr gleichgesetzt werden. Zärtlichkeit, liebevolle Zuwendung, das Streicheln, Umarmung und auch das Gespräch werden im Alter immer wichtiger. Je älter der Mensch wird, desto mehr möchte er sich in einer Beziehung geborgen fühlen.

Chronische Erkrankungen, wie Diabetes mellitus, Herzleiden oder massive operative Eingriffe, wie z.B. radikale Brustoperationen, können zu einem herabgesetzten Selbstwertgefühl veranlassen und die sexuellen Aktivitäten beeinträchtigen.

Auf psychische Störfaktoren reagiert die Sexualität bei älteren Menschen besonders sensibel. Es kann beispielsweise im Rahmen von Demenzerkrankungen zu einem Abklingen des sexuellen Interesses kommen. Dies kann den gesunden Partner belasten und bei diesem Schuldgefühle verursachen. Trotz anklingender Demenz können bei beiden Partnern, sowohl bei dem Gesunden als auch beim Kranken, sexuelle Bedürfnisse bestehen, deren Erfüllung die Beziehung und damit die Lebensqualität beider Partner wesentlich verbessert.

Häufig hält die Sexualität beider Geschlechter bedeutend länger an als viele andere Funktionen, wohl im Sinne der Aufrecht­erhaltung einer körperlichen und geistigen Persönlichkeit im Alter.

 

Fazit. Die Sexualität der Frau hat sich in den letzten Jahrzehnten mit der Entwicklung der Pille und der daraus resultierenden selbstbewussten und entscheidungsfreien Rolle der Frau in der Sexualität gewandelt und wandelt sich weiter. Dadurch hat auch der Mann in der sexuellen Beziehung eine neue Rolle angenommen.

Quellen:

Sexualität der Frau – von der sexuellen ­Revolution zur sexuell selbstbewussten Frau. Dr. Verena Sauer. MEDMIX 07-08/2006.

http://www.healthywomen.org/healthcenter/sexual-health

http://wgs.fas.harvard.edu/

www.kup.at/kup/pdf/2692.pdf

 

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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