Seuchen und Infektionen als Begleiter der Menschheit

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Die kunstvollen Pestsäulen in ganz Europa erinnern uns stetig daran, dass Seuchen und Infektionen dauerhafte Begleiter der Menschheit sind.

Seit es Aufzeichnungen zu Seuchen und Infektionen gibt, hält im Zusammenhang dazu den traurigen Rekord die ominöse Spanische Grippe. Denn diese forderte im Winter 1918/1919 kurz nach Ende des ersten Weltkrieges über 30 Millionen Todesopfer. Etwa 17 Millionen verloren im Vergleich dazu durch den Krieg selbst das Leben.

Der Ausbruch von AIDS vor etwa 25 Jahren machte wiederum deutlich, dass Pandemien – das sind Seuchen und Infektionen, die sich Länder und Kontinent übergreifend ausbreiten – jederzeit auftreten können. Trotz der großen Fortschritte in der Medizin und speziell in der Infektiologie sind die Möglichkeiten des Menschen hier begrenzt, wie beispielsweise die aktuellen Situationen zu Ebola- und Zika-Infektionen zeigten.

Neben Cholera-Pandemien in Südamerika, pulmonalen Hanta-Epidemien im Süd­osten der USA und dem immer wieder wütenden Ebola-­Virus haben das Auftreten von SARS, MRSA, Vogelgrippe und Zika-Virus-Infektionen zu einer gewissen Hysterie geführt. Demgegenüber stehen große weltweite Erfolge der Infektiologie in der Bekämpfung der Seuchen und Infektionskrankheiten wie die Ausrottung der Pocken und die Verdrängung der Poliomyelitis von Amerika.

 

Grippevirus nachwievor einer der gefährlichsten Erreger

Rückblickend auf die Bilder vor zehn Jahren, die vor allem auf asiatischen Flughäfen große Gruppen von Menschen mit Schutzmasken zeigten: Die Vogelgrippe und die mit ihr damals verbundene Angst vor einer Pandemie führte zu weltweiter Angst vor Pandemien. Obwohl das Vogelgrippevirus dem humanen Influenzavirus in gewisser Weise ähnelt, ist es für den Menschen selten pathogen. Da das H5N1-Virus – der Erreger der im Moment vorhandenen/vorherrschenden Vogelgrippe – im Labor schneller mutiert, befürchtete man, dass es sich mit dem menschlichen H3N2-Virus im Schwein oder in der Ente paaren könnte und die daraus entstehenden Viren Auslöser für eine Pandemie beim Menschen sein könnten. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios ist aber denkbar klein und zeigte sich als harmlos.

Im klinischen Alltag beschäftigen den Arzt allerdings wesentlich »banalere« Dinge wie z.B. – alle Jahre wieder – die »simplen« Influenza-Erkrankungen mit tausenden Todesopfern. Die normale Grippe ist auf jeden Fall gefährlicher als die Vogelgrippe, die Durchimpfungsraten in der Bevölkerung sind nach wie vor unzureichend. Ganz wichtig ist, dass sich Ärzte und andere Sanitätsberufe unbedingt impfen lassen sollten.

 

Gefahr Resistenzen

Trotz der Erfolge bei Diagnostik und Therapie in vielen Bereichen der ­Infektiologie, sind in Hinblick auf die Resistenz­entwicklungen Innovationen weiterhin dringend erforderlich. Denn hier ändern sich die Voraussetzungen permanent.

Ein Antibiotikum braucht Jahre bis zur Marktreife. Hingegen entwickeln verschiedene Erreger in einem Bruchteil dieser Zeit resistente Mutationen. Angesichts der globalen Migration müssen Mediziner heute wesentlich öfter Patienten aus anderen Ländern behandeln – unter Berücksichtigung unterschiedlicher epidemiologischen Gegebenheiten und damit einer unterschiedlichen Resistenzlage. Das führt wiederum zu geänderten Fragestellungen. Ähnlich verhält sich die Situation bei Patienten, die während eines Auslandsaufenthaltes beziehungsweise Urlaubs eine Infektion bekommen.

Die Tuberkulose stellt nach wie vor eine große Bedrohung dar. Sie gehört zu jenen Infektionskrankheiten, deren Behandlung aufgrund der Resistenzent­wicklung gegen den Erreger enorme Schwierigkeiten aufweist. Dies kann auch zu einem regionalen Problem werden – durch Zuwanderer aus Staaten, wo mangels Finanzierbarkeit keine adäquate Therapie zur Verfügung steht.

Wie auch in vielen anderen Bereichen der Medizin führt eine älter werdende Bevölkerung zu zahlreichen infektiologischen Problemen in der Geriatrie. Dazu zählen eine höhere Inzidenz an nosokomialen und iatrogenen Infektionen sowie häufigere Immundefekte.

Wichtig ist zu beachten, dass der Antibiotika-Verbrauch für die Resistenzbildung große Bedeutung hat. Prinzipiell kann die Favorisierung einer einzelnen Substanz gravierende Auswirkungen haben.

In Hinblick auf die Pharmakodynamik können auch in zu geringen Konzentrationen außerhalb der Zelle liegende Substanzen die Resistenzbildung beeinflussen.

Therapiedauer und Dosierung sind ein weiterer wichtiger Faktor, wodurch die Com­pliance des Patienten für die ­Resistenzentwicklung von großer Wichtigkeit ist.

 

Infektiologie – große Herausforderung in der Medizin

Einerseits besteht heute ein umfangreichen Angebot an hochwirksamen Therapeutika und verbesserten diagnostischen Möglichkeiten. Dennoch bleibt die Infektiologie nicht zuletzt aufgrund immer neuer Bedrohungen und einer Verschlechterung der Resistenzsituation eine der großen medizinischen Herausforderungen.

Literatur:
Taubenberger JK. The Origin and Virulence of the 1918 “Spanish” Influenza Virus. PMC 2009.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2720273/


Quelle: Schwerpunkt Infektiologie. Editorial Univ.-Prof. DDr. Wolfgang Graninger Medizinische Universität Wien. MEDMIX 12/2005.

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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