Serotonin im Blut verlangsamt Kalorienverbrauch

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Kanadische Forscher haben entdeckt, dass das Hormon Serotonin im Blut den „inneren“ Kalorienverbrauch reduziert und so zur Entwicklung von Übergewicht und Fettleibigkeit beiträgt.

Im Zuge einer vor kurzem veröffentlichten Studie, berichten Forscher der McMaster University über ein Hormon, welches bei übergewichtigen bzw. fettleibigen Menschen in besonders hohem Maß vorhanden ist. Das Hormon führt zu einer Aktivitätsverminderung des braunen Fettgewebes, wodurch das Risiko für Fettleibigkeit und Diabetes steigt.

Braunes Fettgewebe sitzt, vermischt mit gewöhnlichem weißem Fettgewebe, im Oberkörper – unter anderem entlang der Wirbelsäule, an größeren Blutgefäßen und im Bereich der Schlüsselbeine. Es dient als “innerer Ofen” zur Kalorienverwertung. Außerdem fungiert es als interne Heizung und hilft dem Körper sich warm zu halten. Fettleibige Menschen verfügen über geringere Mengen braunes Fettgewebe, welches mit dem Alter außerdem an Aktivität verliert. Warum wussten Wissenschafter bis jetzt jedoch nicht.

Serotonin drosselt Stoffwechsel

Unser Körper verfügt über zwei verschiedene Serotonin-Typen. Das wohl bekanntere der beiden befindet sich im Gehirn und zentralen Nervensystem und beeinflusst sowohl Stimmung also auch Appetit. Hingegen befindet sich sas etwas weniger bekannte Serotonin im Blut und zirkuliert so in unserem Körper. Lezteres macht etwa 95% des im Körper vorhandenen Serotonins aus. Wissenschafter der McMaster University entdeckten nun, dass erhöhte Mengen dieses Serotonin-Typs, die Aktivität des braunen Fettgewebes reduzieren bzw. den inneren Stoffwechselofen drosseln.

Die im renommierten Fachjournal Nature Medicine erschienene Studie, war die erste ihrer Art, die belegt, dass seine Blockade des peripheren Serotonin zu einer Aktivitätssteigerung des braunen Fettgewebes führt. „Die Ergebnisse sind erstaunlich und weisen eindeutig darauf hin, dass eine Hemmung der Produktion dieses Hormons eine wirkungsvolle Therapiemaßnahme in der Behandlung von Fettleibigkeit und den damit verbundenen metabolischen Erkrankungen – wie beispielsweise Diabetes – sein könnte,“ so Gregory Steinberg, Coautor und Medizinprofessor an der Michael G. DeGroote School of Medicine.

Verantwortlich für die hohen Mengen des peripheren Serotonin ist höchstwahrscheinlich unsere besonders fettreiche westliche Ernährung,“ so Waliul Khan, Coautor der Studie und Professor für Pathologie und molekulare Medizin am Farncombe Family Digestive Research Institute. „Zuviel Serotonin ist nicht gut. Wir benötigen ein Gleichgewicht. Ist ein Überschuss vorhanden, sind Diabetes, Fettleber und Übergewicht die Folge.“

Der Großteil des im Körper vorhandenen Serotonins wird durch das Enzym Tryptophan Hydroxylase (Tph1) produziert. Die McMaster Forscher zeigten, dass die genetische Blockade dieses Enzyms die Fähigkeit des braunen Fettgewebes Kalorien zu verbrennen erhöht und so vor Übergewicht, Fettleber und Diabetes schützt. „Die Hemmung des peripheren Serotonin hatte jedoch keinen Einfluss auf das im Gehirn bzw. zentralen Nervensystems befindliche Serotonin“, so Steinberg.

Besser Serotonin im Blut reduzieren und somit den inneren Energieverbrauch steigern, als Appetit reduzieren

Dadurch unterscheidet sich dieser Zugang mit früheren Medikamenten zur Gewichtsreduktion. Letzte verringerten den Appetit durch die Reduktion des im Gehirn befindlichen Serotonins. Dies wiederum führte zu kardiologischen Komplikationen sowie zu erhöhtem Depressions- und Selbstmordrisiko.

Es ist der wesentlich sicherer Weg, den Energieverbrauch zu steigern, statt den Appetit zu drosseln. Letztes birgt ein höheres Risiko,“ erklärt Steinberg. Abschließend weisen die Wissenschafter darauf hin, dass die Hemmung des Enzymes Tph1 eine effektive Therapiemaßnahme im Kampf gegen Fettleibigkeit und dessen Folgen sein könnte. An einem pharmakologischen Enzym-Blocker wird derzeit gearbeitet.

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About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

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