Sekundärprävention bei Koronarkranken

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Eine nachhaltige Sekundärprävention bei Koronarkranken auch in Form von psychoedukativer Interventionen soll kognitiven Beeinträchtigungen entgegenwirken.

Bei gegen Krankheiten vorbeugenden Maßnahmen unterscheidet man die Primär- und die Sekundärprävention. Die Primärprävention soll verhindern, dass gesunde Menschen, die verschiedene Erkrankungsrisiken haben, überhaupt krank werden. Die Sekundärprävention hingegen setzt dann ein, wenn ein Patient bereits erkrankt ist und man verhindern möchte, dass die Krankheit weiter fortschreitet oder erneut auftritt. Im Rahmen der Sekundärprävention spielt die Rehabilitation eine entscheidende Rolle.

 

Multimodale Rehabilitation zur Sekundärprävention bei koronarer Herzerkrankung

Die multimodale kardiologische Rehabilitation beinhaltet neben Sport- bzw. Physiotherapie und medizinischer Versorgung vor allem psychoedukative Interventionen. Insbesondere Patienten mit koronarer Herzerkrankung (KHK) erhalten umfangreiche krankheitsbezogene Schulungen während der Rehabilitation, deren Ziel die Vermittlung von Wissen zur langfristigen Verbesserung der Therapietreue und der Handlungskompetenz in Bezug auf die Herzerkrankung ist. Hierbei wird eine adäquate kognitive Leistungsfähigkeit der Patienten vorausgesetzt, obgleich kardiovaskuläre Erkrankungen mit kognitiven Beeinträchtigungen, auch bereits im mittleren Lebensalter, assoziiert sind.

Sekundärprävention

Der erste Schritt in der Sekundärprävention ist immer das Festmachen der Risikofaktoren, die die Gefäße beeinträchtigt haben. Diejenigen Risikofaktoren, die beeinflussbar sind, werden bei der Sekundärprävention. Dazu zählen vor allem erhöhter Blutdruck, Diabetes, der Fettstoffwechsel, Übergewicht und Adipositas, Bewegungsmangel und das Zigarettenrauchen. Erste Maßnahmen zur Sekundärprävention sind Änderungen bei der Medikation und Lebensstiländerungen wie Rauchstopp, Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellungen und Bewegungseinheiten.

 

Sekundärprävention-Studie zur Prävalenz Kognitiver Beeinträchtigung bei KHK-Patienten

Ziel der nachstehend zitierten Studie war es, die Prävalenz Kognitiver Beeinträchtigung (KB) und deren Einfluss auf den Schulungserfolg bei Patienten mit Koronarer Herzerkrankung (KHK) unter 65 Jahren in der kardiologischen Anschlussheilbehandlung zu untersuchen.

Im einjährigen Zeitraum zwischen September 2014 und August 2015 wurden in zwei deutschen Rehabilitationskliniken 497 Patienten (54,5 ± 6,2 Jahre, 79,8 % männl., Akuttherapie: 67,5 % PCI, 28,2 % CABG, 4,3 % konservativ) in die prospektive Beobachtungsstudie eingeschlossen.

Die kognitive Leistungsfähigkeit der Patienten wurde zu Beginn und vor der Entlassung aus der CR mit dem Montreal Cognitive Assessment ermittelt (MoCA; max. 30 Punkte, Cutoff für KB: <26 Punkte). Der Schulungserfolg wurde über ein Wissensquiz operationalisiert, das bei Aufnahme und Entlassung sowie 6 Monate nach der CR durchgeführt wurde. Es beinhaltete zwei Skalen zu medizinischem Wissen (22 Fragen) bzw. zu gesundem Lebensstil und Verhalten (12 Fragen).

Darüber hinaus wurde eine Vielzahl potentiell einflussnehmender Parameter dokumentiert (z. B. Bildungsgrad, Medikation, kardiovaskuläre Risikofaktoren, Komorbiditäten, körperliche Leistungsfähigkeit und Fitness). Der Wissenszuwachs während und die Entwicklung des Wissens nach der Rehabilitation wurden in multivariaten Regressionsmodellen analysiert.

Bei 182 Patienten (36,7%) wurde zu Beginn der CR eine KB festgestellt, während bei Entlassung 163 Patienten (32,9%; p<0,001) betroffen waren. Die Ausprägung der Beeinträchtigungen kann dabei der sogenannten Leichten Kognitiven Beeinträchtigung (LKB) zugeordnet werden, da in der untersuchten Population lediglich für neun Patienten mäßig bis starke Beeinträchtigungen festgestellt wurden. Durchschnittlich wurden im MoCA 26,0±3,1 bzw. 26,4±2,9 Punkte erzielt (p<0.001).

Während der Rehabilitation konnte das krankheitsbezogene Wissen in beiden Skalen signifikant vermehrt werden. 6 Monate nach Entlassung war jedoch das medizinische Wissen signifikant reduziert, währenddessen das Wissen zum Lebensstil auf einem stabilen Niveau erhalten blieb (Abb. 1). Darüber hinaus deutete das patientenseitig in der Follow-up-Befragung berichtete Ernährungs- und Aktivitätsverhalten darauf hin, dass diesbezügliche Empfehlungen aus der Rehabilitation zumindest teilweise umgesetzt werden konnten. So war der Anteil der Patienten, die angaben, mindestens einmal pro Woche Obst bzw. Fisch zu konsumieren, signifikant höher als zu Beginn der Rehabilitation (Abb. 2). Außerdem gaben die Patienten an, an deutlich mehr Tagen in der Woche sportlich aktiv zu sein als vor dem Koronarereignis.

Der Schulungserfolg zum Ende der CR wurde von der kognitiven Leistung der Patienten bei Aufnahme in die Rehabilitation beeinflusst (Änderung des medizinischen Wissens pro Punkt im MoCA: 0,09, 95% CI 0,01-0,18, p=0,032; Lebensstil: 0,08, 95% CI 0,03-0,13, p=0,002). Weitere Einflussfaktoren waren Vorwissen, Bildungsgrad, vorhandene Komorbidität und Fitness. Der Erhalt des Wissens nach der Rehabilitation hingegen hing wesentlich von den Ergebnissen im MoCA bei Entlassung aus der CR ab (medizinisches Wissen: 0,28, 95% CI 0,17-0,38, p<0,001; Lebensstil: 0,09, 95% CI 0,03-0,14, p=0,006). Zusätzlich wurde die Nachhaltigkeit der Schulung durch das Vorwissen, die Fitness und Depressivität bei Entlassung aus der CR bedingt.

Fazit der Studie. Die Patientenschulung in der kardiologischen Rehabilitation führt zu einer Erhöhung des krankheitsbezogenen Wissens der Patienten, wobei medizinische weniger gut als praxis- und lebensnahe Inhalte verinnerlicht werden. Der individuelle Schulungserfolg hängt jedoch wesentlich von der kognitiven Leistungsfähigkeit des Patienten ab. Da ca. ein Drittel der Patienten mit KHK in der Anschlussheilbehandlung von kognitiven Beeinträchtigungen betroffen ist, sollten Schulungsinhalte priorisiert und mithilfe geeigneter didaktischer Methoden vermittelt werden.

Quelle: Pressetext DGK 04/2017.

https://dgk.org/pressemitteilungen/2017-jahrestagung/2017-jt-wiss-pm/nachhaltige-sekundaerpraevention-bei-koronarkranken-stellen-kognitive-beeintraechtigungen-barrieren-dar/

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Rainer Müller

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