Schizophrenie-Behandlung mit Neuroleptika

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Die Schizophrenie-Behandlung hat sich in den letzten Jahren zu einer Mehr-Säulen-Therapie entwickelt, wobei die Akuttherapie der Schizophrenie als gut gilt.

Die Schizophrenie-Behandlung basiert heute auf mehreren Säulen, wobei die Schwerpunkte gleichermaßen in der biologischen und pharmakologischen Schizophrenie-Behandlung, wie auch in psychosozialer Therapie, Psychotherapie und Integration des Patienten ins Arbeitsleben liegen.

Durch diese ganzheitliche Schizophrenie-Behandlung kann ein größerer ­Effekt bei der Behandlung schizophrener Patienten gewährleistet werden.

 

Medikamentösen Optionen in der Schizophrenie-Behandlung

Die ursprünglichen, typischen Neuroleptika wie Haloperidol blockieren klassischerweise den D2-Rezeptor direkt, im gesamten zentralen Nervensystem und sehr lang anhaltend. Dadurch wird in das dopaminerge Belohnungssystem eingegriffen und massive extrapyramidal motorische und andere Nebenwirkungen, wie z.B. Unruhe, treten auf.

Atypische Neuroleptika – heute meist Neuroleptika der zweiten und dritten Generation genannt – haben diese unerwünschten Effekte nicht, da sie das dopaminerge System zwar beeinflussen, aber nicht zur Gänze blockieren und das Belohnungssystem aufrecht bleibt.

Sulpirid beeinflusst beispielsweise D2-Rezeptoren nur selektiv im limbischen System, nicht jedoch im Frontalhirn. Substanzen wie Clozapin und Quetiapin binden zwar auch am ­Dopaminrezeptor, dissoziieren aber rasch wieder, sodass die ­Rezeptoren in ihrer Funktion noch dem Belohnungssystem zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus blockieren z.B. Clozapin, Risperidon, Ziprasidon, Quetiapin und Olanzapin 5-HT2 ­Rezeptoren und aktivieren ­damit indirekt das dopaminerge ­System. Trotz des Wissens, welches ­Rezeptorprofil eine Substanz hat, ist aber keine klare Aussage zu treffen, welche Wirksamkeit sie tatsächlich haben wird. Es sind untypische Interaktionen zwischen der Biologie und der Entwicklungsgeschichte des Patienten und der Pharmakologie möglich.

 

Nutzen und ­Risiken der modernen ­Neuroleptika

Moderne Neuroleptika haben ­eine gute antipsychotische Wirksamkeit ohne exprapyramidal motorische Nebenwirkungen. Eine Besonderheit ist die positive Beeinflussung von ­Negativsymptomen – wie Anhedonie, Andynamie oder Affektflachheit. Dies hat auch erheblichen Einfluss auf die moderne Psychiatrie, da Patienten mit ­Negativsymptomatik nicht mehr primär institutionell, sondern gemeindenahe an ihrem eigentlichen Wohnort betreut, und in die Arbeitswelt integriert werden können. Das Risiko moderner Neuroleptika liegt in den Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und metabolischen Effekten. Daruf müssen die Behandler genau achten und auf Ernährung und Bewegung des Patienten Einfluss nehmen. Entscheidend ist hier besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Psychiater und Allgemeinmediziner bzw. anderen Fachärzten. Es sollten keine Risiken entstehen, damit langfristig medizinische Folgeprobleme verhindern wird.

Welche der pharmakologischen Möglichkeiten für den einzelnen Patienten passend ist, liegt in der Erfahrung des jeweiligen Arztes. Um Krankheitsschübe medikamentös verhindern zu können, ist das gemeinsame Herantasten an eine geeignete Schizophrenie-Behandlung – die Adherence – wichtig. Dieser Begriff hat jenen der Compliance abgelöst, bei dem der brave Patient tut, was der Arzt sagt, und meint Wege der Kommunikation, bei welcher die therapeutische Strategie in einer vertrauensvollen Arzt-Patient-Beziehung gemeinsam ermittelt wird. Dies beinhaltet natürlich auch, dass der Patient die Medikamente so nimmt, wie sie verschrieben wurden, aber auch, dass andere gemeinsam erarbeitete Strategien tatsächlich in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

Aktuelle Studien zeigen eine gute Effektivität der Neuroleptika und eine gute ­Integrierbarkeit der Patienten. Alle Studien belegen aber ganz eindeutig auch, dass die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, sondern die Schizophrenie-Behandlung auf mehreren Säulen stehen muss. Darüber hinaus zeigen Forschungen, dass die neuen Neuroleptika erheblichen positiven Einfluss auf die Suizidalität von psychotischen Patienten haben: Je eher eine Substanz in der Lage ist das Belohnungssystem nicht zu blockieren – und das sind die allermeisten der neuen Neuroleptika – desto besser ist hier ihr Effekt.

 

Erfolg der ­Schizophrenie-Behandlung evaluieren

Früher wurde die medikamentöse Schizophrenie-Behandlung angewendet, ohne auf das soziale Umfeld zu achten. Heutzutage ist klar, dass eine wirksame Therapie auch Auswirkung auf das private und berufliche Leben des Patienten hat und sich seine Lebensqualität verbessert, weshalb zur ­Ermittlung des Therapieeffektes auch Lebensqualitäts-Skalen eingesetzt werden. Andererseits hat man einen tatsächlichen therapeutischen Effekt meist nur dann, wenn sich auch am sozialen Umfeld etwas verändern lässt. Die Hypothese der »Social Performace Scale« – die zusätzlich zur Lebensqualität auch speziell das soziale Umfeld beurteilt – ist, dass je besser ein Mensch sozial integriert ist, ­desto besser ist der Therapieerfolg.

Weitere Informationen:

https://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/download/pdf/kurzversion-leitlinien/s3-praxisleitlinien-bd1-schizophrenie.pdf

Interview mit »Schizophrenie behandeln« mit Prim. Univ.-Doz. Dr. Christian Haring. MEDMIX 4/2007.

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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