SARS – schweres Akutes Atemwegssyndrom

0

Die Infektionskrankheit SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) – eine schweres akutes Atemwegssyndrom – kann tödlich sein, denn Antibiotika wirken nicht.

Die globale Bedrohung durch SARS ist mittlerweile wieder einige Zeit her. Die Bilder aus Asien, wo die Menschen zu Tausenden im Alltag Atemschutz getragen hatten, sind vergessen und verschwunden.

Die Viren-Infektionskrankheit SARS wurde erstmals Ende 2002 in der chinesischen Provinz Guangdong beobachtet. Die dramatischen Auswirkungen der darauf folgenden SARS-Epidemie im Jahr 2003 in Südostasien und der weltweiten Bedrohung verbreitete nicht zuletzt durch die transkontinentale Reisetätigkeit von infizierten bzw. erkrankten Menschen für Angst und Schrecken.

Nahezu 10 Prozent der damals mehr als 8.000 Infizierten erlagen der SARS-Infektion. 2002 und 2003 zusammen zählte man über 1000 Todesopfer durch das SARS-Virus. Erst Isolier- und andere seuchenhygienische Maßnahmen brachten das SARS-Virus wieder zum Verschwinden.

 

Ursprung des SARS-Virus in Zibetkatzen vermutet

Der Ursprung des weiland neuen Erregers, der die Fähigkeit erworben hatte, von Mensch zu Mensch übertragen zu werden, konnte bis heute nicht völlig geklärt werden. Zwar vermutete man nach ersten Untersuchungen, dass bestimmte Wildtiere – vor allem Zibetkatzen, die auf Tiermärkten in Südchina in großer Zahl gehandelt wurden und mehr als 4 von 5 Tieren mit einem ganz ähnlichen Virus infiziert waren – als wahrscheinlicher Überträger auf den Menschen fungiert hatten.

Nach weiteren Erkenntnissen stellte sich jedoch heraus, auch diese Schleichkatzen nicht das eigentliche natürliche Reservoir für das neue Coronavirus war, denn die hohen Durchseuchungsraten bei den Zibetkatzen war nur auf Märkten zu beobachten. Bei den Tieren in Zuchtfarmen oder in der freien Natur wurden SARS-Viren nicht entdeckt. Offensichtlich waren die Zibetkatzen – wie die Menschen – selbst Opfer der Einschleppung eines neuen Virus geworden.

In zwei 2005 veröffentlichten Studien führte die Spur zu spezifischen Arten von Fledermäusen (den sogenannten Hufeisennasen – Rhinolophidae). Forscher untersuchten dazu in verschiedenen Regionen Chinas diese Fledermäuse und entdeckten auch bei ihnen SARS-assoziierte Coronaviren entdeckt. Auch diese Fledermäuse werden lebendig auf Märkten verkauft und als Delikatesse gegessen. Das Fleisch der Fledermäuse wird bei bestimmten Bevölkerungsgruppen – auch in Malaysia und Indonesien –  sogar gegen Asthma, Nierenleiden und allgemeine Unpässlichkeiten angepriesen.

Darüber hinaus werden die Faeces von Fledermäusen (»Excrementum vespertilionis« – die Fäkalien) in der traditionellen chinesischen Medizin eingesetzt, wobei die neuen Virus-Isolate vor allem aus Fäkalabsstrichen gewonnen wurden.

 

Unterschiede zwischen Coronaviren der Fledermäuse und dem SARS-Virus

Die größten Unterschiede zwischen Coronaviren der Fledermäuse und dem SARS-Virus bestehen in jenem Bereich, der für die Rezeptorerkennung verantwortlich ist. Alles weist darauf hin, dass Fledermäuse das natürliche Reservoir einer Vielzahl von SARS-verwandten Coronaviren sind. Diese wandern dann vermutlich über den Umweg von Zibetkatzen zum Menschen, was die Weitergabe von Mensch zu Mensch möglich macht.

Chinesische Märkte und Zibetkatzen haben also offensichtlich damals die Rolle von Mischgefäßen zur Aufbereitung der Viren übernommen. In ganz ähnlicher Weise, wie auch Schweine immer wieder bei der Entstehung neuer menschlicher Influenza-Pandemieviren beteiligt sein sollen.

 

Fledermäuse bieten ein exzellentes Reservoir für Viren

Fledermäuse sind die einzigen fliegenden Säugetiere, stellen 20% aller Säugetierarten dieser Welt und kristallisieren sich immer mehr als exzellentes Reservoir für Viren heraus, die nach Übertragung auf andere Säugetiere tödliche Erkrankungen hervorrufen können.

Beispiele dafür sind das 1994 und 1995 erstmals in Australien identifizierte Hendra-Virus, das 1998 bei Schweinen in Malaysia aufgetauchte und dann auf Menschen übertragene Nipah-Virus sowie das Tollwutvirus und seine Verwandten. Immer mehr Hinweise gibt es auch dafür, dass das bisher unbekannte Reservoir des Ebola- und Marburg-Virus ebenfalls im Reich der Fledermäuse zu suchen ist.

Jedenfalls ist klar, dass sich Viren durch ihre genetische Wandlungsfähigkeit in hervorragender Weise dafür eignen, sich an neue Wirtssysteme anzupassen, wenn man ihnen nur die Gelegenheit dazu gibt. Die Einführung von Maßnahmen zur Minimierung solcher Gelegenheiten auf den traditionellen lebenden Tiermärkten Südostasiens war somit ein bedeutender Schritt der Prävention.

 

SARS-Virus ist ein Coronavirus

Heutzutage besteht kein Zweifel daran, dass der Erreger von SARS ein Coronavirus ist, das als SARS-Virus bezeichnet wird. Allgemein geben Infizierte die Erreger durch Tröpfcheninfektion, Husten und Schmierinfektion bei relativ engem Kontakt meist im engen Umfeld weiter. Allerdings scheidet der Körper das Virus auch über den Stuhl aus. Keinerlei Hinweise gibt es dafür, dass die Verbreitung des SARS-Virus über Luft oder Wasser –beispielweise durch Klimaanlagen oder Wasseraufbereitungsanlagen – erfolgen kann.

Zahlreiche Übertragungen sind damals auch bei der medizinischen Versorgung und Pflege von SARS-Patienten passiert. Dementsprechende Maßnahmen wie Schutzbekleidung sollen SARS-Infektionen beim medizinischen Betreuungspersonal verhindern.

 

Infektion und erste Anzeichen

Grundsätzlich bieten Schutzmasken einen guten Schutz. Wenn Verdacht auf eine SARS-Erkrankung besteht, so sollten drei der Grippe und grippalen Infekten ähnliche Faktoren auftreten:

  • Das ist erstens Fieber über 38 Grad.
  • Zweitens die Herkunft des Patienten oder Heimkunft von Touristens aus einem Land mit großer Zahl von SARS-Erkrankungen.
  • Und drittens ein akutes respiratorisches Symptom wie Husten und Brustenge sowie Atemnot. 

Das SARS-Virus kann man innerhalb von 24 Stunden nachweisen. Eine eindeu­tige Diagnose-Methode gibt es auf ­Basis der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) mit Nachweis der Coronaviren aus Schleimhautsekret. 

Prinzipiell ist SARS ist laut Forschern nicht hoch infektiös. Deswegen kommt es auch am öftesten vor, dass die infizierten Patienten ihre Familien­mitglieder sowie Angehörige des Gesundheitspersonals anstecken.

Im Normalfall – mit wenigen Ausnahmen  – sterben nur Menschen über 50 an der Infektion, wobei die Erkrankungsrate mit etwa 1,5 Fällen pro einer Million Einwohner nicht sehr hoch ist.

 

Symptome

Nach WHO-Angaben sind hohes Fieber und trockener Husten, Kurzatmigkeit sowie Atembeschwerden die Hauptsymptome von SARS. Weiters können Kopfschmerzen, Muskelsteifheit, Appetitlosigkeit, Durchfall und Verwirrungszustände auftreten.

Mediziner konnten auch Veränderungen des Brust-Röntgenbildes ähnlich wie bei Lungenentzündungen  beobachten. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und sieben Tagen, bevor Patienten die Grippe ähnlichen Symptome zeigen.

Literatur:

Jiang Gu and Christine Korteweg. Pathology and Pathogenesis of Severe Acute Respiratory Syndrome.
Am J Pathol. 2007 Apr; 170(4): 1136–1147. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1829448/

Li W1, Shi Z, Yu M, Ren W, Smith C, Epstein JH, Wang H, Crameri G, Hu Z, Zhang H, Zhang J, McEachern J, Field H, Daszak P, Eaton BT, Zhang S, Wang LF. Bats are natural reservoirs of SARS-like coronaviruses. Science. 2005 Oct 28;310(5748):676-9. Epub 2005 Sep 29.

Susanna K. P. Lau, Patrick C. Y. Woo, Kenneth S. M. Li, Yi Huang, Hoi-Wah Tsoi, Beatrice H. L. Wong, Samson S. Y. Wong, Suet-Yi Leung, Kwok-Hung Chan, and Kwok-Yung Yuen. Severe acute respiratory syndrome coronavirus-like virus in Chinese horseshoe bats. https://www.pnas.org/content/102/39/14040


Quelle: SARS – schweres akutes Atemwegssyndrom. MEDMIX 2/2005

Share.

About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Comments are closed.