Salpingitis – Entzündung eines oder beider Eileiter

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Eine Salpingitis, Eileiter-Enzündung, sollte praktisch immer durch Laparoskopie bestätigt werden. Nur eine rechtzeitig eingeleitete Behandlung kann schwere Folgen vermeiden.

Eine Infektion der Genitalien der sexuell aktiven prämenopausalen Frau wird einerseits durch sexuell übertragbare Gonokokken und Chlamydia trachomatis hervorgerufen, andererseits kommt ätiologisch das gesamte Spektrum der vaginalen Flora und damit auch der bakteriellen Vaginose in Betracht. Dies muss bei einer empirischen Therapie vor dem Erhalt des Kulturergebnisses berücksichtigt werden. Hinsichtlich der mikrobiellen Ätiologie aufgestiegener Infektionen sind allerdings nur laparoskopisch gewonnene Proben, von Ausnahmen abgesehen, mikrobiologisch relevant. Grundsätzlich sollte die klinische Diagnose der Salpingitis nach Möglichkeit mittels Laparoskopie nachgewiesen werden, da die Treffsicherheit jeder anderen Methodik unzureichend ist. Nur eine frühzeitig eingeleitete Therapie kann die Morbidität der Salpingitis mit Unterleibsbeschwerden, ektoper Gravidität oder tubarer Sterilität vermeiden.

 

Antibiotische Therapie der Salpingitis

Da kein Antibiotikum gegen das gesamte Spektrum der in Frage kommenden Erreger wirksam ist, ist bislang keine Therapie der Wahl gesichert. Zahlreiche Untersuchungen mit verschiedenen Substanzgruppen haben positive Resultate gebracht.

Eine zweifelsfreie vergleichende Wirkung parenteraler und oraler Therapien liegt ebenfalls nicht vor. Gleiches gilt für Gegenüberstellungen der ambulanten und stationären Behandlung. Letztendlich wird die Entscheidung für ein Therapieregime durch den Schweregrad der Salpingitis, die Patientenakzeptanz und die regionale Erreger- und Resistenzsituation bestimmt.

Eine stationäre Behandlung wird empfohlen bei ungesicherter Diagnose, mangelnder Compliance, schweren Verlaufsformen und Verdacht auf Abszess, Schwangerschaft oder Kinderwunsch sowie bei mangelndem Ansprechen auf orale ambulante Therapie oder Immunsuppression.

Eine Intrauterinpessar in situ als bedingt zur Salpingitis prädisponierender Faktor sollte vor der Therapie nach überwiegender Auffassung entfernt werden. Nach einer mindestens 96 Stunden dauernden parenteralen antibiotischen Therapie unter Klinikbedingungen kann die Behandlung nach klinischer Besserung als Sequenztherapie ambulant fortgeführt werden.

Kombinationen von Doxycyclin mit einem Cephalosporin der Gruppe 5 oder Aminopenicilline in Kombination mit einem Beta-Lactamase-Inhibitor stehen für die stationäre Initialtherapie zur Verfügung. Sie kann als Sequenztherapie mit Doxycyclin allein fortgeführt werden. In der Schwangerschaft sollte Doxycyclin durch Erythromycin ersetzt werden. Alternativ bieten sich die Kombinationen von Clindamycin mit einem Aminoglykosid (CDC-Empfehlung) oder einem Beta-Lactam-Antibiotikum bzw. einem Fluorchinolon (nicht in der Schwangerschaft) plus Metronidazol an, die bis auf die Aminoglykoside in der oralen Form als Folgetherapie ebenso einsetzbar sind. Im ambulanten Bereich empfiehlt sich die einmalige intravenöse Applikation eines Cephalosporin der Gruppe 5 und eine orale Anschlusstherapie mit Doxycyclin.

 

Endometritis und Salpingitis

Die Endometritis stellt eine der Salpingitis häufig vorangehende und hinsichtlich der Therapie vergleichbare Infektion dar. Die Diagnosestellung basiert sowohl außerhalb der Schwangerschaft als auch im Wochenbett auf der Anamnese, Klinik und gegebenenfalls der Histologie des Abradats. Die zweifelsfreie mikrobiologische Bewertung von Untersuchungsproben ist aufgrund vaginaler Kontamination in der Praxis unsicher bzw. nur mit erheblichem technischem Aufwand möglich. Die Therapie besteht einerseits in der bereits angesprochenen Abrasio, andererseits finden die oben genannten Therapieregime Anwendung.

Salpingitis und Endometritis führen in bis zu 20% der Fälle zur begrenzten Pelveoperitonitis mit nachfolgender Pyosalpinx, Tuboovarialabszess und Douglas-Abszess, die auch zur diffusen Peritonitis und lebensbedrohenden Sepsis exazerbieren können. Dies bedeutet, dass auch bei primär unkompliziert erscheinenden Erkrankungen die Verlaufskontrolle binnen 72 Stunden sichergestellt sein und erfolgen muss. Bei Therapieversagern sollte rechtzeitig die antimikrobielle Behandlung entsprechend den zwischenzeitlich eventuell zur Verfügung stehenden mikrobiologischen Befunden umgestellt und gegebenenfalls eine chirurgische Intervention eingeleitet werden. Diese ist unumgänglich bei Nichtansprechen auf die Antibiose, bei Zeichen einer progredienten Abszedierung sowie bei Beschwerdepersistenz nach der akuten Entzündungsphase. Sie sollte dann möglichst frühzeitig erfolgen, gegebenenfalls unter Einsatz der Laparoskopie, und zur transvaginalen oder transabdominellen Drainage führen. Das Operationsziel muss in der Erhaltung des Uterus und wenigstens eines Ovars bestehen, um die Möglichkeit der In-vitro-Fertilisation und der ausreichenden körpereigenen Produktion von Sexualhormonen zu erhalten.

Quellen und weitere Informationen:

Endometritis und Salpingitis. MEDMIX 4/2009.

http://www.p-e-g.org/econtext/Leitlinien%20und%20Empfe

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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