Rosazea: ein Rhinophym ist keine Säufernase

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Ein knollenförmiges, aufgedunsenes, von Äderchen durchzogenes Rhinophym ist keine Säufernase wegen Alkoholmissbrauch, sondern weist auf die Hautkrankheit Rosazea hin.

Rosazea ist Volkskrankheit, die mit roten Flecken, sichtbaren Äderchen und Pusteln im Gesicht vergesellschaftet ist. Die genetisch bedingte chronische Gesichtsdermatose – auch als Rosacea, Gesichtsrose, Kupferrose, Kupferakne oder Acne rosacea bezeichnet – ist eine häufige, meist in Schüben auftretende Entzündung der Gesichtshaut, die bei den Betroffenen das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein sehr beeinträchtigen kann. Die typische gerötete, von blauen und roten Äderchen durchzogene Säufernase – eine knollenförmige Verdickung der Nasenspitze – wird medizinisch Rhinophym genannt und stellt eine Sonderform, die sogenannte phymatöse Rosazea, dar.

Anfangs kommt es zu schubweise auftretenden Erythemen (entzündlichen Hautrötungen), die durch unspezifische Reize wie beispielsweise Kälte, sehr hohen Temperaturen, UV-Strahlung aber auch flascher Ernährung ausgelöst werden können. In Folge kann die Haut auch trockener werden, anschwellen und sich abschälen – mit Brennen und Jucken als unangenehme Beschwerden. Meist tritt Rosazea im Alter zwischen 30 und 40 auf.

Rosazea-Patienten haben eine sehr empfindliche und leicht reizbare Gesinchtshaut, wobei es viele Mischformen und sich in manchen Fällen auch Brust, Nacken und die Kopfhaut entzünden können. Die Ursachen sind nicht eindeutig geklärt, vermutet werden genetische und äußere Einflüsse wie Kälte, Hitze und Sonne sowie bestimmte Nahrungsmittel wie Alkohol, scharfe Gewürze und heiße Getränke. Auch emotionaler Stress kann Krankheitsschübe auslösen. Als krankheitsverstärkend werden neben den erwähnten Faktoren auch Mikroorganismen, andere Emotionen und Irritanzien wie Seife und Kosmetika angesehen.

Die drei Stadien der Rosazea

Stadium I: Rosacea erythematosa (erythemato-teleangiectatica) – anfangs meist flüchtige Hautrötungen (Erytheme), Brennen, Jucken, Stechen und Teleangiektasien: die ersten Symptom einer Rosazea verschwinden zunächst wieder, bleiben im weiteren Verlauf aber bestehen. Neben den Hautrötungen erweitern sich die Äderchen dauerhaft und präsentieren sich als Teleangiektasien – feinen, kurzen roten Linien auf der Haut.

Stadium II: Rosacea papulopustulosa – zu den Stadium-1-Symptomen kommen Papeln und Pusteln dazu: auf den geröteten Gesichtsstellen – vor allem an Stirn, Wangen und Kinn – entwickeln sich zusätzlich entzündete Papeln und Pusteln, die über längeren Zeitraum nicht wieder verschwinden.

Stadium III: glandulär-hyperplastische Rosacea – mit Bindegewebs- und Talgdrüsenhyperplasien, Phyme wie Rhinophym, Gnatophym, Metophym, Blepharophym und Otophym): Die entzündete Haut bringt eine Vergrößerung der Talgdrüsen mit sich. Es zeigen sich Knoten und vermehrtes Bindegewebe, in Folge entwickeln sich verschiedener Verdickungen , sogenannte Phyme, von denen besonders häufig die Nase betroffen. Das Rhinophym kann sich normalerweise nicht mehr spontan zurückbilden.

 

Rosazea behandeln und nicht schicksalshaft hinnehmen

Eine chronische Rosazea ist nicht ansteckend. Die Symptome präsentieren sich unterschiedlich an Wangen, Kinn, Stirn und Nase. Vielen Rosazea-Patienten ist gar nicht bewusst, dass es verschiedene Therapieoptionen gibt, um Beschwerden und Entzündung lindern und Schüben vorbeugen zu können. Hier kommt ein breites Spektrum an nichtmedikamentösen (Physikalische Therapie) und medikamentösen, topischen und systemischen Behandlungen zur Verfügung.

Bei leichten Symptomen reicht oft eine gute Hautpflege aus. Weiters sollten Betroffene auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten, seifenfreie Reinigungsprodukte mit einem niedrigen pH-Wert verwenden und Reizstoffe vermeiden. Hochwertige, gut verträgliche Kosmetika können durchaus verwendet werden, um unangenehme Stellen abzudecken.

Stärkere Hautveränderungen werden meist mit topisch mit Auftragen auf die Haut behandelt. Dazu kommen Cremes, Gels oder Lotionen mit den Wirkstoffen Azelainsäure, Brimonidin, Ivermectin oder dem Antibiotikum Metronidazol zur Anwendung. Hier ist für die Therapie-Wahl das jeweilige Rosazea-Stadium ausschlaggebend.

Grundsätzlich sollen sich Rosazea-Patienten nicht ihrem Schicksal ergeben oder nur auf Selbstbehandlung setzen. In jedem Fall sollte ein fachkundiger Arzt die Behandlung begleiten.

Rhinophym chirurgisch behandeln

Während Rosazea-Patienten bei Frauen häufig meist nicht über Stadium 2 hinausgeht, entwickelt sich bei Männer vor allem in älteren Jahren häufig ein sogenanntes Rhinophym – im Volksmund auch als Säufernase genannt. Dabei vermehren sich die Talgdrüsen an der Nase, es kommt zur Bildung von zusätzlichem Gewebe.

Solche betroffenen Rosazea-Patienten leiden meist unter sehr starker psychischer Belastung. Hier kann die sehr stark veränderte Nase mittels chirurgischen Maßnahmen behandelt beziehungsweise korrigiert werden.

Zur Rhinophym-Korrektur werden als chirurgische Verfahren die Dermabrasion oder eine Skalpellabtragung durchgeführt. Dermabrasion bedeutet das Verschmälern der Nase durch Abschleife oder mit einem CO²-Laser. Meistens werden sehr gute kosmetische Ergebnisse erzielt.

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Dr. Reinhold Lautner

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