Risikofaktoren für Posttraumatische Belastungsstörung

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Extremsituationen im Berufsalltag können für Notfallsanitäter Risikofaktoren für eine Posttraumatische Belastungsstörung darstellen.

Konfrontationen mit Extremsituationen im Berufsalltag können eine Posttraumatische Belastungsstörung oder Depressionen auslösen. Eine aktuelle Studie zeigte, dass bestimmte Denkmuster das Risiko für solche Reaktionen erhöhen und damit mögliche Ansatzpunkte für gezielte Trainingsprogramme gegen Posttraumatische Belastungsstörungen liefern.

 

Risikofaktoren für Posttraumatische Belastungsstörung bei Notfallsanitäter untersucht

Notfallsanitäter sind häufig mit belastenden Situationen konfrontiert. Schwere Unfälle, Suizidversuche oder lebensbedrohliche Krankheiten gehören zu ihrem Berufsalltag. Solche Erfahrungen steigern das Risiko, eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Aber nicht jeder Betroffene erkrankt in der Folge schwerer traumatischer Erlebnisse. Ziel einer unlängst durchgeführten Untersuchung war es herauszufinden, ob es bestimmte Risikofaktoren gibt, die vorhersagen, ob Notfallsanitäter im Berufsalltag beeinträchtigende psychische Reaktionen wie Depressionen oder eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln.

 

Wer immer wieder über belastende Erfahrungen nachdenkt, hat eine höheres Risiko

Das Forscherteam der University of Oxford untersuchte 386 Notfallsanitäter während ihrer Ausbildung. Zu Beginn der Ausbildung beantworteten sie ausgewählte Fragebögen zu möglichen Risikofaktoren (darunter Fragen zu früheren psychischen Störungen, traumatischen Situationen und zum Umgang mit belastenden Erfahrungen). In den folgenden zwei Jahren wurde mit Fragebögen und Interviews alle vier Monate erfasst, welche belastenden Ereignisse die Befragten erlebt hatten und wie sie darauf reagierten.

So konnte festgestellt werden, wer im Laufe der zwei Jahre Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung oder Depression entwickelte. Am Ende der Studie machten die Befragten Angaben zu verschiedenen Aspekten ihres Wohlbefindens. Dazu zählten Anzeichen für Burnout, Anzahl der Arbeitsfehltage, Angaben zu Schlaflosigkeit und Lebensqualität.

Fast alle Personen erlebten während ihrer Ausbildung mindestens eine sehr stark belastende Situation. Im Laufe der zwei Jahre entwickelten 32 Befragte (8.6%) eine posttraumatische Belastungsstörung und 41 Befragte (10.6%) eine Depression.

Das Forscherteam identifizierte eine Reihe von Faktoren, die es wahrscheinlicher machten, dass jemand in der Folge eine posttraumatische Belastungsstörung oder depressive Episode entwickelte. Personen, die häufig über belastende Situationen grübelten, waren besonders anfällig dafür, eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Dabei kam es nicht auf die Anzahl der traumatischen Ereignisse vor und während der Ausbildung an.  Für die Vorhersage von Depressionen war der Grad an Selbstvertrauen in die eigene Fähigkeit, mit Belastungen fertig zu werden – die Resilienz einer Person – besonders bedeutsam.

Es waren somit weniger die belastenden Ereignisse an sich der Grund, eine psychische Störung zu entwickeln, sondern mehr die eigenen Denkmuster und der individuelle Umgang mit diesen Erfahrungen. Besonders betroffene Notfallsanitäter waren stärker als Kollegen in ihrer Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Sie schliefen schlechter und nahmen eher an Körpergewicht zu.

Möglicherweise könnten gezielte Trainingsprogramme zur Veränderung von Denkmustern dazu beitragen, dass die psychische Widerstandskraft gegen Extrembelastung gefährdete Personen größer wird.

Quelle:

Wild, J., Smith, K., Thompson, E., Bear, F., Lommen, M. & Ehlers, A. (2016). A prospective study of pre-trauma risk factors for posttraumatic stress disorder and depression. Psychological Medicine 

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About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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