Riechstörungen nehmen im Alter ab

0

Patienten mit Riechstörungen beschreiben häufig eine Schmeckeinschränkung, obwohl eigentlich das retronasale Riechen gestört ist.

Der menschliche Geruchssinn wurde bislang wenig beachtet. Im Vergleich zu anderen Säugetieren haben Menschen eher eine eher Riechstörungen und schlechte Schmeckleistung. Neuere Erkenntnisse jedoch widerlegen dies. Schließlich scheint auf der Mensch in der Lage zu sein, mehr Düfte unterscheiden zu können, als es bisher gedacht wurde.

 

Welche Bedeutung der Geruchsinn hat

Die Wichtigkeit des Geruchssinnes wird häufig erst bei Einschränkungen dieser Funktion bewusst. Gefahrenquellen (Gas, Rauch, verdorbene Speisen etc.) können übersehen werden. Häufig stellen sich Patienten mit Riechstörungen aufgrund von Geschmackseinschränkungen vor. Dabei beschreiben sie häufig eine Schmeckeinschränkung, obwohl eigentlich das retronasale Riechen gestört ist.

Retronasales Riechen ist maßgeblich an Feingeschmack-Sensationen beteiligt, neben den eigentlichen Geschmacksqualitäten (salzig, süß, sauer, bitter und umami) und der trigeminalen Wahrnehmung (Temperatur, Schärfe, Konsistenz). Erst über den „hinteren“ Weg kommen Duftstoffe aus unseren Lebensmitteln an die Riechspalte heran und tragen zur Vielfalt und zum Genuss von Speisen bei.

 

Riechstörungen

Bis zu 20% der Bevölkerung (5% funktionelle Anosmie, 15% Hyposmie) können von einer Einschränkung des Reichvermögens betroffen sein, auch ohne dies bewusst wahrzunehmen. Bekannt ist auch, dass das Riechvermögen im Alter abnimmt. In Anlehnung an die Altersschwerhörigkeit spricht man auch von „Presbyosmie“. Die drei häufigsten Ursachen von Riechstörungen, in einer Spezialambulanz, sind Schädel-Hirn-Trauma, akute Infekte der oberen Atemwege sowie chronische Nasennebenhöhlenentzündungen mit/ohne Polyposis nasi.

Auch neurodegenerative Erkrankungen (wie Parkinson und Alzheimer) sind gehäuft von Riechstörungen begleitet. Das Riechvermögen könnte in Zukunft auch Marker für den Alzheimer-Progress fungieren. Als seltenere Ursachen kommen in Frage: Medikamentennebenwirkungen, Operationen und kongenitale, also von Geburt an bestehende, Riechminderungen. Eindeutig negative Auswirkungen auf die Riech- und Schmeckleistung hat das Rauchen, weshalb eine Therapie von Störungen in diesem Zusammenhang auch von einem Rauchstopp begleitet sein müssen.

 

Therapie von Riechstörungen

Je nach Ursache, wenn möglich, ist die Therapie kausal zu wählen, in der Regel ohne Erfolgsgarantie. Wichtig dafür ist die Unterscheidung von konduktiven, sensorineuralen eventuell auch allergologischen Ursachen. Vielversprechende Ergebnisse zeigte in den letzten Jahren das Riechtraining bei Riechstörungen: als Besonderheit sind Riechzellen zur Regeneration befähigt. Bei einem Riechtraining schnüffeln Betroffene sechs bis zwölf Monate lang morgens und abends jeweils 20 Sekunden an vier verschiedenen Düften.

Die Idee ist, bewusst die Riechzellen und Nerven in der Riechschleimhaut zu aktivieren und auch eine zentrale Regeneration zu fördern – mehrere, auch kontrollierte Studien bestätigten positive Effekte. Riechtraining im Rahmen von neurodegenerativen Erkrankungen ist Gegenstand aktueller Forschung. Es gibt bereits Hinweise, dass auch Parkinson-Patienten ihre Riechleistung durch Riechtraining verbessern können.

 

Riechstörungen im Alter wird oft als Schmeckstörung interpretiert

An Riechstörungen muss man denken, wenn Betroffene beispielsweise weniger Appetit haben. Einseitigere Ernährung und die Altersanorexia könnte ebenfalls in Zusammenhang mit Riechstörungen stehen. Die Früherkennung von Riechstörungen ist wichtig und Forschung dazu dringend nötig. Relevante Maßnahmen sind beispielsweise eine adäquate Riechtestung im Alter sowie ein Riechtraining und ein Memory-Training im Alter.

 

Riechstörungen genauer analysieren

An der Hals-, Nasen, Ohrenklinik der Medizinischen Universität Wien beschäftigen sich die Forscher mit retronasalem Riechen als Geschmacksorgan (retronasales Riechen = Flavour perception). Beispielsweise wird die Selbst- und Ferndiagnostik von Riechstörungen mittels Riechbonbons unterscuht. Weiters analysieren die Wissenschaftler mögliche Auswirkungen von Geschmacksverstärkern auf die Ernährung und Lebensqualität von riechgestörten Patienten.

Der Zusammenhang von Ernährung und Riechleistung ist noch unzureichend beleuchtet. Dementsprechend untersuchen die Forscher, ob ein Riechtraining und die damit verbundene Steigerung der Riechleistung sowie Diäten positiven Einfluss haben können. Weiters wird das Riechvermögen vor und nach HNO-ärztlicher Eingriffen getestet, um Ärzten eine bessere Vorhersage der Riechleistung zu ermöglichen. Dies ist bedeutend, um Patienten-Erwartungen im Vorfeld von Operationen, sachlich entgegenkommen zu können.

Quelle:

Statement » Riechen und Schmecken im Alter «. Dr. Gerold Besser, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der MedUni Wien/AKH Wien zum HNO 2018 der Österreichischen HNO-Gesellschaft.

Share.

About Author

MEDMIX Online-Redaktion

Blick in den Newsroom der MEDMIX Print- und Onlineredaktion in Zusammenarbeit mit AFCOM – Verlag und Medienproduktionen.

Comments are closed.