Resveratrol pharmakologisch betrachtet

0

Resveratrol wirkt antiinflammatorisch und chemopräventiv. Der Pflanzenstoff täuscht dem Körper auch eine Kalorienrestriktion vor – was lebensverlängernd sein soll.

Bestimmte Völker wie Franzosen, Spanier, Italiener und Griechen weisen aufgrund ihrer Ernährung bzw. spezieller darin enthaltener sekundärer Pflanzenstoffe eine bessere Gesundheit und höhere Altersstruktur als etwa Briten und Amerikaner auf. Dafür verantwortlich sind neben verschiedenen anderen auch der Pflanzenwirkstoff Resveratrol, der sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System, den Fett- und Cholesterinstoffwechsel, die Vorbeugung von Krebs, entzündlichen Prozessen sowie die Lebensverlängerung von Zellen auswirkt. International berühmt wurde Resveratrol in den 1990er-Jahren durch die mögliche Erklärung für das »Französische Paradoxon« und weltweit Aufsehen erregenden Aussagen zur positiven Wirkung von Rotwein des berühmten französischen Herzspezialisten Christaan Barnard, dem 1967 mit seinem Transplantationsteam erstmals eine Herztransplantation am Menschen gelang.

Bekannt ist also, dass Resveratrol als Wirkstoff im Rotwein beziehungsweise in Trauben vorkommt. Dort ist Resveratrol vor allem in der Traubenschale aber auch in Traubenkernen sowie  Stielen, Reben und Wurzeln des Weinstocks zu finden. Weniger bekannt ist, dass Resveratrol auch in Erdnüssen und Maulbeeren vorkommt wosie 1940 aus den Blättern der weißen Lilie gewonnen wurde.

Den höchsten Gehalt an Resveratrol hat übrigens der japanische Knöterich – lateinisch Polygonum cuspidatum. In der traditionellen japanischen Medizin ist er unter dem Namen Ko-jo-kon bekannt, in der indischen Ayurveda-Medizin wird die Heilpflanze als Darakchasava bezeichnet.

 

Vielfältige positive pharmakologische Wirkungen von Resveratrol

Resveratrol ist wissenschaftlich wegen seiner vielfältigen positiven pharmakologischen Wirkungen und nicht zuletzt wegen des erwähnten  „französischen Paradoxons“ bekannt, das in der NANCY-Studie bestätigt wurde.

„Ein Tag ohne ein Glas Wein ist ein Gesundheitsrisiko“, betonten weiland Herzspezialisten kurz vor der Jahrtausendwende und dokumentierten so eine damals aktuell veröffentlichte Langzeitstudie aus Dänemark, die bestätigte, dass Weintrinker bei geringer, mittlerer und selbst bei hoher Alkoholzufuhr eine niedrigere Herzinfarkt- und Gesamtsterblichkeit als Abstinente und vor allem als Bier- und Spirituosenliebhaber haben.

Dies bestätigte auch die Beobachtung, dass Franzosen – speziell die Weinbauern aus den Weingebieten – eine wesentlich geringere Rate (<40%) an Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch den regelmäßigen Genuss von Rotwein, der Resveratrol und weitere interessante Polyphenole wie Proanthocyanidine (OPC) und Anthocyane enthält, aufweisen.

Im Auftrag der WHO ergaben sich in einer Zehnjahresstudie (MONICA-Studie), durchgeführt in 41 Städten auf der ganzen Welt, extreme Abweichungen in den Ländern mit geringem oder sehr hohem Weinkonsum. So war in den USA sowie Kanada und England das Infarktrisiko im Schnitt 3mal (Männer) bis sogar 12mal (Frauen) höher als im Weinland Frankreich. Bei den Biertrinkern gab es nur eine geringe Reduktion und bei Spirituosen sogar eine Herzinfarktrisikoerhöhung. Diesbezüglich befürwortet die WHO 1 bis 2 Gläser Wein für Frauen und 2 bis 3 Gläser für Männer pro Tag zur Gesundheitsvorbeugung.

Eine vergleichbare Menge (ca. ¼ Liter) an hochwertigen Rotweinen wie Amarone, Bordeaux und Pinot noir enthält in der Regel zwischen 0,4 mg und 2 mg trans-Resveratrol. Der Gehalt variiert je nach Traubensorte, Anbaugebiet, Verarbeitung und vor allem klimatischen Bedingungen und kann zwischen weniger als 0,05 mg bis 10 mg pro Liter Rotwein betragen. Der Durchschnittsgehalt an trans-Resveratrol liegt bei ca. 1 mg/l. Resveratrol wird von der Pflanze bei erhöhter Belastung (Stress) wie Ozonbildung, UV-Strahlung, Insekten- und Pilzbefall, Infektionen sowie Schadstoffbelastung in den roten und weißen Traubenschalen als Schutzfaktor gebildet.

Es ist jedoch hauptsächlich nur im Rotwein enthalten, da dieser im Gegensatz zu Weißwein gemeinsam mit der Schale vergoren wird. Durch dieses besondere Kelterungsverfahren, bei dem die Schalenmaische bis zu einer Woche gelagert wird, ergeben sich im Rotwein 10 bis 20 mal höhere Konzentrationen an Resveratrol als im Weißwein.

Wie Resveratrol pharmakologisch wirkt

  • schützt vor Herz und Gefäßverkalkung (Demenz)
  • wirkt positive auf HDL­- und LDL-Cholesterin
  • hat direkte und indirekte gefäßerweiternde Wirkung
  • hemmt die Thrombozytenaggregation
  • wirkt chemopräventiv (Darm, Brust, Prostata, Haut, Lunge)
  • wird eine Antitumorwirkung zugesprochen (Tumorwachstum hemmend, Apoptose fördernd)
  • wirkt entzündungshemmend (COX1- und COX2-Hemmung)
  • ist ein starkes Antioxidans – sowohl fett- als auch wasserlöslich
  • zeigt dosisabhängige phytoöstrogene Effekte
  • wird eine Lebensverlängerung von Zellen unterstellt – Anti-Aging

 

Resveratrol gehört zu den besonders hoch wirksamen Radikalfängern aus der Natur und ist daher in der Lage, oxidativen Stress zu minimieren. Zudem besitzt es die Eigenschaft eines ambiphilen Antioxidans, da es sowohl fett- als auch wasserlöslich ist. Aufgrund der vielseitigen pharmakologischen Wirkungen von Resveratrol werden Risikofaktoren betreffend Herz, Gefäße, Blutdruck, Demenz und entzündlichen Prozessen vermindert. Auch konnte in Tiermodellen und Zellkulturen gezeigt werden, dass eine Karzinomentstehung verhindert werden kann. Resveratrol hemmt die Aktivität des Proteins NF-kappa B, welches den programmierten Zelltod induziert und zudem wird wahrscheinlich die Sensitivität des Tumornekrosefaktors-alpha (TNF-a) erhöht.

Da trans-Resveratrol sowie auch dimere (e-Viniferin) und oligomere Resveratrol-Verbindungen chemisch Stilbenderivate darstellen, werden sie wie Isoflavone in die Gruppe der Phytohormone gereiht. Eine schwache östrogene Wirkung vergleichbar mit 40 mg Isoflavonen (Genistein) ist beim Menschen jedoch erst ab einer Dosierung von 200 mg trans-Resveratrol zu erwarten.

 

Anti-Aging

Neben diesen vielseitigen positiven Eigenschaften hat Resveratrol in jüngster Zeit als natürlicher Anti-Aging-Faktor wissenschaftliches Interesse erweckt. In verschiedenen Untersuchungen (siehe Literatur unten) konnte gezeigt werden, dass es die Lebenserwartung verschiedener Organismen deutlich erhöht, indem es unter anderem den Alterungsprozess in den Zellen verlangsamt.

Beispielsweise wurde die Lebensspanne von Fruchtfliegen um 30 % und jene von Hefezellen um 60 bis 80 % verlängert. Diese Entdeckung hat Resveratrol in den Brennpunkt der Forschung zur Altersprävention gestellt. Es aktiviert ebenso wie bei einer kalorischen Restriktion (Dinner-Cancelling, Dürreperioden bei Pflanzen, Hungersnöte) bestimmte Enzyme, sogenannte Sirtuine, die lebensverlängernde Funktionen in Gang setzen.

Durch Verlangsamung des Zellmetabolismus und einer Verstärkung der Zellatmung wird dem Körper geholfen sich an ein heilsames Überlebensprogramm anzupassen um Reparaturmechanismen wie die Behebung von DNA-Schäden in Gang zu setzen. Sirtuine verlängern die Zellzeit um Schäden zu reparieren (Gen-Silencing), wodurch indirekt altersbezogenen Erkrankungen vorgebeugt wird.

 

Präventive Dosierungen und Bioverfügbarkeit von Resveratrol

Zur Gesundheitsvorbeugung bzw. als tägliche Nahrungsergänzung werden epidemiologische Dosisbereiche von 0,5 bis 2 mg Resveratrol, wie sie mit der Nahrung (Rotwein, Weintrauben) zugeführt werden, verabreicht. Eine höhere tägliche Gabe liegt nicht mehr in einem von der Natur dargebotenen Dosisbereich als Genussmittel. Mengen von 10 bis 40 mg Resveratrol sollten längerfristig nur nach therapeutischer Empfehlung eingenommen werden. Kurzfristig werden etwa in der Krebstherapie sogar Dosen bis 1 g trans-Resveratrol ohne toxikologische Nebenwirkungen verabreicht.

Auch sehr hohe Dosen (25 mg) oral verabreichtes trans-Resveratrol werden noch mit etwa 70 % absorbiert. Die Plasmahalbwertszeit bzw. seiner bekannten Metaboliten liegt bei durchschnittlich 9 Stunden. Nur ein geringer Anteil von Resveratrol bleibt dabei unverändert im Plasma. Diesbezüglich dürften potenziell aktive, zum Teil unbekannte Metaboliten für die vielseitigen pharmakologischen Wirkungen verantwortlich sein. Der Resveratrol-Abkömmling Piceatannol besitzt etwa die 1000fache antioxidative Kapazität von trans-Resveratrol. Ein Großteil der oral verabreichten Dosis wird sulfatiert oder glucuronitiert im Harn wiedergefunden.

In speziellen Extrakten aus Traubenschalen findet man neben trans-Resveratrol auch zahlreiche Resveratrol dimere (e-Viniferin) und oligomere sowie den Resveratrol-Metabolit Piceatannol, die zum Teil wesentlich stärkere biologische Eigenfunktionen als trans-Resveratrol selbst entfalten. Diesbezüglich sollten unter der Bezeichnung und Wirkung von Resveratrol auch diese Inhaltsstoffe neben trans-Resveratrol berücksichtigt werden. Zudem enthalten Traubenschalenextrakte auch noch andere pharmakologisch wertvolle Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Proanthocyanidine (OPC) und Anthocyane.

Grundsätzlich zeichnet sich Resveratrol durch eine hohe Stabilität aus. Die häufige Behauptung, dass es sich bei Resveratrol um eine flüchtige und oxidationsempfindliche Verbindung handelt, ist chemisch falsch.

Trans-Resveratrol weist einen Schmelzpunkt von 260°C und Siedepunkt von 489°C auf. Von schwerflüchtigen Verbindungen spricht man ab einem Dampfdruck von kleiner als 0,1 Pascal, Substanzen ab 70 Pascal sind als gut flüchtig einzustufen. Mit einem Dampfdruck von 4,5 x 10-8 liegt Resveratrol beträchtlich darunter. Mit zunehmendem Molekulargewicht (dimere und oligomere Resveratrole) nimmt der Dampfdruck sogar noch weiter ab. Zudem ergibt sich nach 24stündigem Erhitzen eines Rotweins unter Rückfluss ein gleichbleibender Gehalt an trans-Resveratrol. Dies zeigt, dass diese Verbindung sogar unter extremen Bedingungen wie langem Kochen und Luftoxidation noch stabil und nicht flüchtig ist.

Quelle:

Pharmakologischer Überblick zu Resveratrol. MEDMIX 3/2006


Literatur:

Delmas D., Jannin B., Latruffe N.: Resveratrol: Preventing properties against vascular alterations and ageing (review). Mol Nutr Food Res 2005; 49: 377-395.

Cooper K., Chopra M., Thurnham I.: Wine polyphenols and promotion of cardiac health. Nutrition Research Reviews 2004; 17: 111-129.

Ignatowicz E., Baer-Dubowska W.: Resveratrol, a natural chemopreventive agent against degenerative diseases (review). Pol J Pharmacol 2001; 53: 557-569.

Aziz M., Kumar R., Ahmad N.: Cancer chemoprevention by resveratrol: In vitro and in vivo studies and the underlying mechanisms (review). International Journal of oncology 2003; 23: 17-28.

Wood J., Rogina B. et al: Sirtuin activators mimic caloric restriction and delay ageing in metazoans. Nature 2004; 430: 686-689.

Share.

About Author

Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

Comments are closed.