Rehabilitation bei Altersbedingter Makula-Degeneration AMD

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Eine schnelle und effektive Rehabilitation verringert Aktivitäts-Einschränkungen und das Depressionsrisiko bei altersbedingter Makula-Degeneration.

Durch die durch altersbedingte Makula-Degeneration bedingte Sehbehinderung kann es zu Aktivitäts-Einschränkungen kommen, was unbedingt auch aufgrund der möglichen psychischen Auswirkungen verhindert werden sollte. Eine verhaltensaktivierende Therapie reduziert das Risiko einer Depression um 50%.

 

Altersbedingte Makula-Degeneration

Die Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD), auch bekannt als Netzhautverkalkung, ist eine Augenerkrankung, die bereits ab dem 50. Lebensjahr auftritt. Sie gilt nicht nur als ernstzunehmende Erkrankung der Augen, sondern stellt auch die häufigste Erblindungsursache in den westlichen Industrienationen dar. Bedingt durch den Verlust der Sehfähigkeit und der dadurch entstehenden sozialen Ausgrenzung, leiden Betroffene häufig unter Depressionen. Einer neuen Studie zufolge, kann das Risiko einer Depression durch eine spezielle Rehabilitationstherapie erheblich reduziert werden.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen das Risiko einer AMD-bedingten Depression. Gleichzeitig bestätigen sie den Nutzen multidisziplinärer Behandlungsmethoden, die sowohl eine primäre Augentherapie als auch Aspekte der Psychologie und Rehabilitation umfassen“, so Dr. med. Barry Rovner, Professor der Psychiatrie und Neurologie am Sidney Kimmel Medical College in der Thomas Jefferson Universität Philadelphia. Ihre Ergebnisse publizierten Dr. Rovner und sein Team bereits im einschlägigen wissenschaftlichen Fachjournal Ophthalmology.

AMD führt zu Schädigungen der Makula, das Bewältigen einfacher Alltagsaktivitäten wird problematisch

AMD führt zu Schädigungen der Makula, ein Teil der Netzhaut, der auch als Gelber Fleck bezeichnet wird. Die Sehzellen der Makula ermöglichen es uns Objekte zu fixieren, bei Tageslicht kleine Schrift in der Ferne und Nähe zu lesen und Farben zu unterscheiden. Ist die Macula angegriffen, lassen diese Funktionen nach. Das Bewältigen einfacher Alltagsaktivitäten (z.B. Autofahren, Lesen, Schreiben oder Kochen) wird zunehmend problematisch. Tätigkeiten, die zuvor Freude bereiteten, werden zur Belastung bzw. unmöglich. Der Verlust der sonst selbstverständlichen Mobilität hat zur Folge, dass Betroffene zuhause bleiben und soziale Kontakte verkümmern. Dies wiederrum schlägt sich häufig auf die Psyche, Betroffene neigen zur Depression.

„Die Depression ist eine Folgeerscheinung der AMD-bedingten Einschränkungen, also versuchen wir genau hier gegenzusteuern, um diese zu vermindern“, so Dr. Rovner. In einem Low Vision Depression Prevention Trial (VITAL), entwickelte Dr. Rovner, zusammen mit Psychologen, Augenärzten und Therapeuten eine auf Verhaltensaktivierung basierende Therapie. „Dabei sollen sich Betroffene auf bestimmte Beschäftigungen konzentrieren, die ihnen Freude bereiten. Es geht darum aufzuzeigen, dass Einschränkungen hinsichtlich dieser Aktivitäten zu Depressionen führen. Folglich soll Betroffenen geholfen werden, diese Aktivitäten wieder aufzunehmen“, so Dr. Robin Casten, Co-Author und Professor der Psychiatrie und Verhaltensforschung an der Thomas Jefferson Universität Philadelphia.

Studienteilnehmer mit erheblichen Einschränkungen der Sehfähigkeit und leichter Depression

An der Studie nahmen 188 AMD Patienten mit einem Altersdurchschnitt von 84 Jahren teil. Davon lebten 50 Prozent alleine im Haushalt. Alle Patienten litten unter erheblichen Einschränkungen der Sehfähigkeit und zeigten leichte Anzeichen von Depression, mit nicht unerheblichen Risiken einer Verschlechterung. Eine Gruppe der Teilnehmer wurde mit den bereits beschriebenen verhaltensaktivierenden Maßnahmen behandelt. Sie erhielten Unterstützung, Veränderungen in ihrer Umgebung vorzunehmen, um das tägliche Leben zu erleichtern. Soziale Kontakte wurden intensiviert und persönliche Ziele gesetzt, die in kleine realisierbare Schritte heruntergebrochen wurden.

Die zweite Gruppe der Teilnehmer diente als sogenannte Kontrollgruppe, dessen Teilnehmer zwar mit einem Therapeuten über ihre Schwierigkeiten sprachen, verhaltensaktivierende Maßnahmen wurden jedoch nicht gesetzt. Allen Teilnehmern war die Einnahme von Antidepressiva erlaubt, jedoch weniger als 10 Prozent nahm dies in Anspruch.

Nach vollständiger Auswertung kam man zu dem Schluss, dass die verhaltensaktivierende Therapie das Risiko einer Depression um 50% reduziert. Laut Dr. Royner soll diese Studie als Modell dienen, um weitere Behandlungsmaßnahmen in diese Richtung zu lenken. Es gilt in erster Linie gilt es ein stärkeres Verbindungsglied zwischen augenärztliche und psychologischen Aspekten zu etablieren.

Quelle: Rovner BW et al. „Low Vision Depression Prevention Trial in Age-Related Macular Degeneration.“ Ophthalmology. July 2014. Weitere Autoren: Robert Massof, Ph.D., of the Wilmer Eye Institute and Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore; Benjamin Leiby, Ph.D., at Jefferson; and William Tasman, M.D., at Wills Eye Hospital.

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About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

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