Psoriasis, Schuppenflechte: eine chronisch entzündliche Hauterkrankung

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Psoriasis ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Haut und in vielen Fällen auch der Gelenke, von der etwa 2% der Weltbevölkerung betroffen sind.

Die Psoriasis vulgaris – die Schuppenflechte – beeinträchtigt nicht nur das Hautbild in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Denn sie führt bei schwer betroffenen Patienten auch zu einer substanziellen Behinderung im Alltagsleben.

Die Erkrankung ist durch runde, scharf begrenzte, meist nicht juckende Herde mit leichter Infiltration und charakteristisch silbrig-weißen, groblamellösen Schuppen, die nur locker haften und sich in toto abheben lassen, gekennzeichnet.

Die Psoriasis kann episodisch rezidivierend sowie chronisch stationär verlaufen. Weiters geht sie in ihrer erythrodermatischen, pustulösen oder arthropatischen Erscheinungsform oft auch mit schweren Allgemeinsymptomen einher. Folglich beeinträchtigen Beschwerden wie Lymphknotenschwellung und eine Störung des Elektrolythaushaltes sowie Fieber die betroffenen Patienten.

 

Auslöser von Psoriasis

Grundsätzlich sind eine physikalische oder chemische Reizung der Haut sowie endogene Noxen (Infektionen, Schwangerschaft, bestimmte Arzneimittel, Stress) die häufigsten Provokationsfaktoren bei Psoriasis. Darüber hinaus können auch klimatische Einflüsse krankheitsauslösend beziehungsweise krankheitsunterhaltend sein.

Etwa 5 bis 20% der Psoriatiker weisen zusätzlich zur Hautbeteiligung eine Gelenkbeteiligung auf. Diese zeigt sich in entweder destruktiven oder proliferativ-osteoplastischen Umbauprozessen. Die Erkrankung führt zu charakterischen radiologischen Veränderungen wie mutilierenden Osteolysen, Synostosen und unscharfen Arrosionen.

Klinisch sind vor allem Fingergelenke oder auch typischerweise das Sakroiliakal- oder auch das Großzehengrundgelenk betroffen. Es kann zu schmerzhaften Gelenksschwellungen und/oder Mitbeteiligung von Muskelsehnenansätzen kommen (Enthesitis).

 

Entstehung der Psoriasis

Die Entstehung der Schuppenflechte erklärt sich multifaktoriell, wobei primär eine erbliche Veranlagung besteht. So korrelliert die Psoriasis mit bestimmten HLA- (Human leukocyte antigen) Typen. Personen mit HLA-Cw6 weisen ein 10-fach erhöhtes Krankheits­risiko auf. Weniger deutliche ­Assoziationen bestehen mit HLA-B13, B17, und BW57 sowie dem MHC-I-Homolog MICA.

Prinzipiell wird ein früher Krankheitsbeginn (Typ-I Psoriasis) häufig durch bakterielle und/oder virale Infekte ausgelöst. Schließlich ist die Schuppenflechte in diesen frühen Krankheitsfällen durch einen höheren Eruptionsdruck und höhere Prävalenz der genannten HLA-Haplotypen sowie einer stärkeren familiären Transmission gekennzeichnet als bei einem späteren Krankheitsbeginn (Typ-II Psoriasis).

Die bei der Psoriasis klinisch charakteristischen schuppenden Herde sind durch (auto)immunologische Entzündungsprozesse mediiert. Es handelt sich um eine komplexe immunologische Dysregulation der meisten Zelltypen und Mediatorsysteme der Haut, die sich in überstürzter epidermaler Hyperproliferation, drastischer Verkürzung des Zellzyklus von Keratinozyten sowie Supprimierung des apoptotischen Zelltods manifestiert.

 

Tumor Nekrose Faktor-α

Durch ein bis dato noch nicht bekanntes Protein (Antigen) ausgelöst kommt es zu einer vermehrten Auswanderung dendritischer Zellen (DZ) der Haut in die regionären Lymphknotenstationen, wo diese auf naive T-Lymphozyten treffen. Diese wiederum werden durch die eintreffenden DZ spezifisch aktiviert. Weiters vermehren sie sich und können – mit einem speziellen Oberflächenprotein ausgestattet (CLA= cutaneous lymphocyte antigen) – wieder vermehrt in die Haut einwandern. Dort verrichten sie ihre Effektorfunktion, das heisst sie produzieren vermehrt Zytokine wie Interleukin-2, Inter­feron-γ und den sogenannten Tumor Nekrose Faktor-α (TNF-α), der auch bei der Gelenksbeteiligung der Erkrankung eine führende Rolle spielt.

TNF-α induziert zum Beispiel die Differenzierung von Osteoklasten, die für die Knorpelschäden und Osteolysen bei der Psoriasis­arthritis verantwortlich sind.

All diese zuvor genannten Entzündunsmediatoren gehören zur sogenannten Th-1-Reaktion, die bei der Psoriasis dominierend ist. Das Einströmen von aktivierten Lymphozyten kann durch externe Stimuli wie epidermale Traumen mit konsekutiver IL-1 Produktion provoziert werden, daher entstehen meist an Stellen von Hautverletzungen rasch neue Psoriasisplaques (Köbner Phänomen).

 

Biologika veränderten Therapie

Da durch diese entschlüsselnden Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung die Immunpathogenese der Erkrankung weitgehend untersucht ist, wurde es möglich, spezielle biologische Therapeutika, sogenannte Biologika, das sind humanen Eiweißkörpern nachempfundene Proteine, zu erzeugen, welche spezifisch in die für die Psoriasis typischen Zell-Zell Interaktionen eingreifen.

Somit kann heute die psoriatische Entzündungsreaktion punktgenau unterbunden und blockiert werden. Dieses neue Prinzip, das heisst eine gezielte Interferenz mit den Krankheitsabläufen, soll eine wirkungsvolle und zugleich nebenwirkungsarme Therapie der Erkrankung garantieren.

Bei der Behandlung der Psoriasis sind somit mittlerweile auch Medikamente erhältlich, die aufgrund ihrer guten Verträglichkeit als Dauertherapie eingesetzt werden können, was in früheren Jahren nicht möglich war.

Literatur:

Large scale meta-analysis characterizes genetic architecture for common psoriasis associated variants
Lam C. Tsoi, Philip E. Stuart[…]James T Elder. Large scale meta-analysis characterizes genetic architecture for common psoriasis associated variants. Nature Communications volume 8, Article number: 15382 (2017). https://www.nature.com/articles/ncomms15382


Quelle: Biologika in der Dermatologie: Großer Fortschritt bei der Behandlung von Psoriasis. Dr. Nicole Selenko-Gebauer und Univ.-Prof. Dr. Georg Stingl. MEDMIX 2/2005

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Dr. Reinhold Lautner

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