Polymedikation, OTC-Medikamente und ­Compliance

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Mit dem demographischen Wandel steigt auch die Zahl multimorbider Patienten, bei denen Polymedikation und Compliance sowie OTC-Medikamente eine große Rolle spielen.

Etwa jeder zweite ältere Patient leidet an vier bis fünf behandlungsbedürftigen Erkrankungen, Polymedikation ist daher ein häufiges Phänomen in der Behandlung älterer Patienten. Immer noch unterschätzt werden die Auswirkungen dieser Polymedikation – oft auch durch selbstverordnete OTC-Medikamente mitverursacht – auf den Gesundheitszustand und letztendlich das Überleben der Patienten.

 

Polymedikation in Zahlen

Zahlen zur Polymedikation zeigen eine große Schwankungsbreite. Ältere Patienten (>75 Jahre) nehmen durchschnittlich acht verschiedene Substanzen ein. Ergänzt wird die ärztlich verordnete Medikation durch weitere drei bis vier (»over the counter«)-OTC-Medikamente. Zwei Drittel der eingenommen OTC-Präparate zählen zum Bereich der Analgetika. Die Zahl der »drug-drug-interactions« steigt exponentiell mit der Zahl der verordneten Substanzen. Die Anzahl und Art der Interaktionen und Nebenwirkungen sowie die damit verbundenen Risiken sind für klinisch tätige Ärzte kaum noch überschaubar.

2,4 bis 6,7% aller Krankenhauseinweisungen werden auf unerwünschte Wirkungen und Interaktionen von Medikamenten zurückgeführt. Bei der Gruppe der Hochbetagten kann man von der zwei- bis dreifachen Prävalenz ausgehen. 20% der stationären Wiederaufnahmen älterer Patienten sind auf Nebenwirkungen und Interaktionen zurückzuführen. 20% aller durch Medikamente verursachten Einweisungen in das Krankenhaus werden durch OTC-Medikamente ausgelöst.

 

Compliance, Polymedikation und OTC-Medikamente  ­

Der Erfolg einer Pharmakotherapie hängt entscheidend von der Compliance des Patienten ab. Greenberg konnte bereits 1984 zeigen, dass diese mit der Anzahl der verordneten Substanzen signifikant abfällt. Bereits bei täglich vier erforderlichen Medikamenteneinnahmen sinkt die Compliance-Rate auf unter 50%. In diesem Zusammenhang muss der Umstand beachtet werden, dass Patienten in der Regel primär eine ärztlich verordnete Therapie beenden, während sie ihre selbst verordneten OTC-Medikamente weiterhin einnehmen.

Daten aus den USA zeigen, dass 20% aller durch Medikamente verursachten Einweisungen in das Krankenhaus durch OTC-Medikamente ausgelöst werden. Die zahlreichen Interaktionen, die unkontrollierte Einnahme der OTC-Medikamente sowie die mangelnde Compliance bleiben natürlich nicht ohne Folgen.

35% der älteren, selbstständig lebenden Bevölkerung leiden an unerwünschten Wirkungen ihrer Polymedikation, ein Drittel davon nimmt ärztliche Hilfe in Anspruch. Weltweit kommt es jährlich zu hundertausenden Todesfällen durch unerwünschte Nebenwirkungen bzw. als Folge von Medikamenteninteraktionen – etwa die Hälfte dieser Fälle könnte vermieden werden.

Fazit. Multimedikation und Compliance bilden einen für den Patienten gefährlichen Cocktail. Aktuell wird das Problem von der Fachwelt bei weitem noch nicht im erforderlichen Umfang wahrgenommen.

Quellen und weitere Informationen:

http://polypharmacyinitiative.com/otcs.html

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Axel Rhindt

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