Phytopharmaka in Schwangerschaft und Stillzeit bewährt

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Phytopharmaka in Schwangerschaft und Stillzeit haben einen hohen Stellenwert, denn man gesteht ihnen eine hohe Sicherheit und gute Verträglichkeit zu.

Phytopharmaka sind Fertigarzneimittel, deren wirksame Inhaltsstoffe ausschließlich pflanzlicher Herkunft sind. Sie kommen in der so genannten Phytotherapie, der Pflanzentherapie, zum Einsatz. Ein Phytopharmakon besteht aus einem oder mehreren pflanzlichen Wirkstoffen, die häufig auch selbst aus Vielstoffgemischen verschiedener Pflanzeninhaltsstoffe bestehen. Der Einsatz von Phytopharmaka in Schwangerschaft und Stillzeit hat nicht zuletzt deshalb in der Pädiatrie den erwähnten hohen Stellenwert.

 

Anwendung von Phytopharmaka in Schwangerschaft und Stillzeit

Für die Anwendung der Phytopharmaka in Schwangerschaft und Stillzeit spricht die langjährige Erfahrung für eine sichere und verträgliche Anwendung bei schwangeren Müttern und Kindern. Die Gesundheit eines Kindes im späteren Leben hängt zwar auch nicht steuerbaren Einflussgrößen wie beispielsweise der genetischen Disposition, der Veranlagung, ab. Doch die steuerbaren Einflussgrößen wie Lebensbedingungen und Gesundheitszustand der Mutter wäh­rend der Schwangerschaft spielen eine gleichwertige Rolle.

In positivem Sinne wichtig ist für die schwangere Frau – im Sinne einer Nahrungs- bzw. Substanzaufnahme – eine ausgewogene Ernährung. Grundsätzlich sollte sie keine schädlichen Medikamente einnehmen und auf eine wirkungsvolle, sichere Behandlung von Erkrankungen während der Schwangerschaft achten.

Im Zusammenhang mit der Eignung von Phytopharmaka in Schwangerschaft und Stillzeit wird auch die Einhaltung von verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen empfohlen. So soll die Dosierung grundsätzlich eingehalten werden, gleichzeitig wird von einem zu intensiven Einsatz von anderen Arzneipflanzenzubereitungen wie Arzneitees abgeraten und natürlich sollen nicht-alkoholische Produkte bevorzugt werden.

 

Schlafprobleme in der Schwangerschaft

Phytopharmaka gegen Schlafstörungen können ohne Risiken eingesetzt werden.

Baldrian spielt dabei eine wichtige Rolle. Als Nachtsedativum verwendet man beispielsweise von Baldrian als Teedroge etwa zwei Teelöffel pro Tasse und trinkt diese rund 30 Minuten vor dem Schlafengehen. Der Geschmack kann allerdings eine Übelkeit verstärken. Trockenextrakte aus Baldrianwurzel haben diesen Nachteil nicht.

Der Echte Hopfen – Humulus lupulus – entfaltet seine sedierende Wirkung über das 2-Methyl-3-butenol, welches aus den Bitterstoffen Humulon und Lupulon freigesetzt wird. Dieses Methylbutenol ist schon bei niedrigen Temperaturen flüchtig, was auch die schlaffördernde Wirkung von Hopfenkissen erklärt.

Auch Lavendelöl – Aetheroleum Lavendulae – hat sich bei Schlafstörungen bewährt. Hier reichen meist wenige Tropfen vor dem Schlafengehen. Die Flüchtigkeit des ätherischen Öles führt auch bei inhalativer Anwendung zu der sedativen Wirkung.

 

Verdauungsstörungen in der Schwangerschaft

Blähungen – Meteorismus – und Verstopfung – Obstipation. Zu Beginn einer Schwangerschaft wird das Hormon Progesteron in wesentlich höheren Mengen gebildet. Progesteron entspannt und beruhigt wiederum die glatte Muskulatur unter anderem des Darms, wodurch sich die Verdauung verlangsamt. Der Darminhalt verweilt länger im Körper und bildet vermehrt Darmgase und somit Blähungen. In weiterer Folge der Schwangerschaft kann zuätzlich auch das Kind auf den Darm drücken und die Verdauung beeinträchtigen.

Neben Hilfe durch warme, nicht zu heisse Bäder zur Entspannung und Lösung von Verkrampfungen, bieten auch zahlreiche Heilpflanzen hier Abhilfe, die oft in Teeform zum Einsatz kommen. Bekannte Heilpflanzen sind hier Fructus Carvi – der Kümmel –, Fructus Anisi – Anisfrüchte – sowie Fructus Foeniculi – Fenchelfrüchte. Bei der Anwendung der genannten Pflanzen gelten ein Maximum von drei Tassen Tee täglich, aber nicht als Flüssigkeitsersatz in größeren Mengen. Vorsicht ist hier bei ätherischen Ölen in Reinform geboten – aufgrund des hohen Gehaltes an Anethol und möglicher schwacher östrogen- und fertilitätshemmender Effekte, die im Tierversuch gezeigt werden konnten.

 

Stoffwechseländerungen und Obstipation

Die Neigung zur Obstipation beruht auf schwangerschaftsbedingten Stoffwechseländerungen wie z.B. der erwähnten muskelentwpannenden Wirkung des Progesterons, der gesteigerten Rückresoprtion von Wasser und Elektrolyten aus dem Darm aber auch psychisch durch das verstärkte Gefühl, »verstopft« zu sein.

Wichtig ist grundsätzlich eine ballaststoffreiche Ernährung mit Müsli, Vollkornbrot, frischem Obst und Gemüse. Wobei Füll- und Quellstoffe wie Semen Lini – Leinsamen – und Semen Psylli – Flohsamen – nicht geschrotet sein sollten, da geschroteter Samen bereits im Magen aufquillt. Leinsamen kann man eventuell in Joghurt vorquellen lassen. Tägliche Mengen von 2 bis 3 Esslöffel und zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme von Leinsamen oder Flohsamen sind anzuraten.

Rizinusöl als Abführmittel wird nach wie vor von Hebammen zur Geburtseinleitung empfohlen. Experten warnen und weisen allerdings darauf hin, dass man es maximal einmal in der Schwangerschaft mit 15ml bis maximal 30 ml anwenden darf. Anthranoide oder Anthrachinone – die pflanzlichen Inhaltsstoffe von Sennesblättern, Aloesaft und Medizinalrhabarberwurzeln sollten nicht angewendet werden, da sie an der Uterusmuskulatur stimulierende Wirkung zeigen.

 

Erbrechen in der Schwangerschaft

Das Erbrechen in der Schwangerschaft kann unter Umständen so heftig sein, dass die betroffene Schwangere im Krankenhaus bleiben muss. Als Phytopharmakon ist der Ingwerwurzelstock seit langem bewährt, der vermutlich eine zentral vermittelte antiemetischen Wirkung besitzt. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2005 hilft sogar das Kauen der Wurzel. Am gängisten ist aber der Einsatz von geriebenen Ingwer als Gewürz. Eine optionale empfehlenswerte Lösung ist die Einnahme von Ingwerkapseln.

 

Phytopharmaka gegen Depressionen in der Schwangerschaft

Johanniskraut soll die Betroffenen bei depressiven Verstimmungen unterstützen, wobei für die Frühschwangerschaft keine Sicherheitsdaten vorliegen. Bei Echtem Johanniskraut – Hypericum perforatum – gilt für die Risikoabwägung im Einzelfall. Keinesfalls sollte hier experimentiert werden, sondern ein Experte wie Arzt oder Apotheker sollte ein mögliches Risiko abwägen und die Behandlung einleiten.

 

Phytopharmaka vor und nach der Geburtsphase

Zur Geburtsvorbereitung haben Hebammen häufig spezielle Rezepturen zur Hand, dessen Einsatz auf deren Erfahrungen beruhen. So kann beispielsweise mit einem Gemisch aus ätherischen Ölen mit Johanniskrautöl, Weizenkeimöl, Muskatellersalbeiöl und Rosenöl der Damm einmassiert werden. Dies bringt gute Ergebnisse.

Bei Sitzbädern erweichen wirksame Pflanzenzusätze den Muttermund. Allerdings gilt der letzte Monat vor dem Geburtstermin als Ausnahme, weil dann die Infektionsgefahr höher ist. Teerezepturen für Sitzbäder bestehen aus Taubnesselblüten, Frauenmantelkraut und Kamillenblüten.

Bei Dammschnitten nach der Geburt kommt es zu Gewebeverletzungen und Überdehnungen der tiefen Beckenbodenmuskulatur. Auch hier können Sitzbäder und Massageöle helfen. Zum Einsatz kommen dabei die Eichenrinde – Cortex Quercus –, Kamillenblüten – Flos Chamomillae – sowie die Zaubernuss – Hamamelidis.

 

Phytopharmaka in der Stillperiode

Die bereits beschriebenen Carminativa können bei Verdauungsstörungen Mutter und Kind gleichermassen helfen. Denn die ätherischen Öle von Fenchel und Kümmel sowie Anis sammeln sich dank ihrer Lipophilie im Muttermilchkompartiment. Allerdings können sie den Geschmack der Muttermilch so verändern, dass der Säugling das Trinken verweigert.

Bewährt haben sich auch Füll- und Quellstoffe wie Leinsamen, Flohsamen oder Weizenkleie sowie Probiotika. Der wenig empfohlene Einsatz von Anthrachinondrogen und Rizinusöl sollte am besten mit dem Arzt besprochen werden.

Bei Schlafstörungen ist wiederum Baldrian empfohlen. Johanniskraut kann auch bei der oft schleichend auftretenden Wochenbettdepression helfen, da es keinerlei Hinweise auf eine Unverträglichkeit beim Säugling gibt. Allerdings sollte auch hier wieder der Experten die Entscheidung bezüglich der Anwendung treffen.

Als Milchbildungsöl, auch Stillöl genannt, sind volksheilkundlich entstandene Rezepturen bekannt. Damit massiert die junge Mutter vor dem Stillen die Brust – mit Ausnahme der Brustwarze – ein. Hier kommt beispielsweise ein Gemisch aus Mandelöl,  Fenchelöl, Karottensamenöl, Anisöl, Korianderöl, Lavendelöl und Rosenöl zum Einsatz, was allerdings auch zu Hautreizungen führen kann. Eine interessante Alternative ist der Einsatz von Mandelöl kombiniert mit der Ringelblume.

Schwangere sollten bei wunden Brustwarzen als erste Pflegemaßnahme Lanolin – Wollwachs oder Wollfett ist das Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen – einsetzen. Weitere Möglichkeiten sind Bäder mit Eichenrinde- oder Zaubernussextrakten sowie das Einreiben der Brustwarzen mit Ringel­blumensalbe und Johanniskrautölzubereitungen. Auch haben volksheilkundliche Empfehlungen wie Topfenumschläge, Salbeiteebäder und Ratanhiatinkturen nach wie vor ihren Stellenwert.

Quelle: Phytopharmaka in Schwangerschaft und Stillzeit, MEDMIX 11/2008

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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