Peitschenschlagsyndrom und Langzeitfolgen

0

Mögliche Langzeitfolgen nach Peitschenschlagsyndrom lassen sich gut voraussagen, wenn Betroffene kurz nach dem Unfall bestimmten Risikogruppen zugeordnet werden.

Das Schleudertrauma oder Peitschenschlagsyndrom – meistens durch heftigen Sturz oder Auffahrunfall verursacht – ist eine Weichteilverletzung der Halswirbelsäule, die den ganzen Körper beeinträchtigen kann. Am häufigsten kommt es zu Schmerzen im Nacken, Schwindel und Kopfschmerzen. Da das Bindegewebe des Menschen eine Art Merkfunktion hat, kann ein Peitschenschlagsyndrom sehr langfristige Beschwerden bringen.

 

Patienten mit Peitschenschlagsyndrom in Risikogruppen einteilen

Ein Peitschenschlagsyndrom oder Schleudertrauma kann neben den erwähnten chronischen Schmerzen aber auch neurologische Beschwerden verursachen, die hartnäckig über viele Jahre bestehen bleiben können. Durch Risikogruppen-Zuordnung kurz nach dem Unfall können durch das Peitschenschlagsyndrom besonders gefährdete Personen identifiziert werden. Langzeitfolgen wirken sich körperlich aber auch psychosozial aus. Das zeigte unlängst eine Studie der dänischen „Whiplash Study Group“.

Die Forscher um Studienautor Dr. M.K. Rasmusen von der Universität Aarhus (Stadt in Dänemark an der Ostküste der Halbinsel Jütland) hatten schon vor Jahren ein System entwickelt, um Patienten in Risikogruppen einzuteilen. Nun konnte nachgewiesen werden, dass sich damit nicht nur vorhersagen lässt, ob Betroffene nach einem Jahr wieder arbeitsfähig sein werden oder nicht. Auch mögliche Langzeitfolgen lassen sich abschätzen.

Für die Studie wurden 326 Personen befragt, die vor zwölf bis 14 Jahren ein Schleudertrauma erlitten hatten. Erhoben wurden chronische Schmerzen und andere, nichtschmerzhafte Beschwerden, verschriebene Analgetika sowie nichtmedizinische Behandlungen, auch im Vergleich zur Zeit vor dem Unfall. Außerdem wurden Krankenstände ebenso einbezogen wie die subjektive Einschätzung der Betroffenen, was die Auswirkungen des Unfalls betrifft.

Nach über einem Jahrzehnt waren jene Patienten am stärksten belastet, die bereits kurz nach dem Unfall der höchsten Risikogruppen zugeteilt worden waren. Konkret litten sie deutlich häufiger unter Schmerzen an Nacken, Kopf, Schultern und Armen sowie im unteren Rückenbereich. Auch kamen verschiedene nicht-schmerzhafte neurologische Symptomen bei ihnen öfter vor. Sie nahmen auch häufiger Schmerzmittel ein – von leichten Analgetika bis zu starken Opioiden, und hatten vermehrt mit posttraumatischen Stress-Symptomen zu kämpfen.

Faktoren für die Einteilung in Risikogruppen

Um die Unfallpatienten in Risikogruppen einteilen zu können, war eine klinische Untersuchung innerhalb von vier Tage nach dem Unfall nötig. Die Ärztinnen und Ärzte bewerten dabei folgende Faktoren:
  • die Art und Ausprägung des Schmerzes,
  • die Art und Anzahl der nicht-schmerzhaften Beschwerden sowie
  • die Mobilität des Nackens.
Insbesondere starke Nackenschmerzen, Kopfschmerzen sowie eine negative seelische Verfasstheit der Patienten sind wichtige Indikatoren, um zu beurteilen, ob jemand nach einem Schleudertrauma wieder arbeitsunfähig wird. In vorhergehenden Studien wurde festgestellt, dass in Risikogruppe 1 weniger als vier Prozent der Betroffenen ein Jahr nach dem Unfall arbeitsunfähig waren. Bei der höchsten Risikogruppe 7 waren es mit 7,68 Prozent etwa doppelt so viele.
Share.

About Author

Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Comments are closed.