Passionsblume für Psyche und Gehirn

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Die Passionsblume wird hauptsächlich bei nervösen Beschwerden wie Nervenschwäche, Angst oder Unruhe und bei Einschlafstörungen angewendet.

Die Passionsblume – Passiflora incarnata – ist ein bis zu 10 Meter hoch kletternder Strauch mit auffallend schönen Blüten. Die Blüten stehen in den Blattachsen und haben einen langen Stiel. Die Passionsblume ist nicht in Europa heimisch. Die ursprüngliche Heimat der Passionsblumen sind die tropischen Regenwälder Mittel- und Südamerikas und dem tropischen Asien. Sie bevorzugt sonnige und windgeschützte Standorte mit nährstoffreichen Böden und eignet sich als Zierpflanze mit schönen und gut duftenden Blüten. Die Passionsblume wurde vor Jahrhunderten von Seefahrern aus der Neuen Welt mitgebracht. Sie wurde von den Eingeborenen im brasilianischen Urwald als Beruhigungsmittel verwendet.

Alle Passionsblumen sind immergrüne Schlinggewächse mit spektakulären Blüten. Wer jemals eines dieser Wunderwerke gesehen hat, vergisst es nie wieder: Wie ein Kunstwerk in Form und Farbe erinnert die Blüte der Passionsblume an die gewagte Konstruktion eines Stararchitekten. Der Blüte, die nur einen Tag lang lebt, entströmt außerdem ein angenehmes Aroma.

Die Passionsblume steht botanisch den Feigen nahe. Ihre Frucht ist eine essbare Beere, aber klein und mit vielen Kernen. Die Beerenfrüchte haben einen fruchtigen Geschmack und werden für Limonaden und Joghurt verwendet. In den Handel kommen aber die größeren Früchte – die Maracuja – von Kulturzüchtungen in Indien, Brasilien, Mexiko oder den USA. Weltweit gibt es mehr als 400 Arten, bedeutsam ist aber eben nur die Maracuja, die Frucht von Passiflora edulis.

Als Droge der Heilpflanze werden zur Blütezeit die krautigen Triebe mit den Blüten gesammelt und zur pharmazeutischen Verwendung schonend getrocknet. Die Pflanze wird auch in der Homöopathie – als Urtinktur oder in den Potenzen D1 und D2 – angewendet. Ihre Extrakte wirken auf den Menschen beruhigend und angstlösend: die Passionsblume mit ihrer schönen Blüte und ihrem Wirkungsprofil ist einmalig und hat als Arzneipflanze eine lange Geschichte.

 

Anwendung der Passionsblume

Die Anwendung der Passionsblume – Passiflora incarnata – ist wegen des geringen Gehaltes von Glykosiden und nur in Spuren vorkommenden Harman-Alkaloiden gut verträglich. Hauptsächlich wird die Passionsblume bei nervösen Beschwerden wie Nervenschwäche, Angst oder Unruhe und bei Einschlafstörungen angewendet. Auch als Bestandteil von Herzmittel ist die Heilpflanze in Verwendung. Sie wird häufig in Teegemischen mit Baldrian und Melisse (Nerven- und Schlaftees) zur Anwendung gebracht.

Hervorragend eignet sich die Passionsblume für Kinder mit nervösen Störungen wegen der beruhigenden Wirkung und Hemmung der Motilität (Lösung von leichten Krämpfen im Magen- und Darmbereich).

Häufig kommt eine Mischung aus den Tinkturen von Passionsblumenkraut, Baldrianwurzel und Pomeranzen zur Anwendung, die entkrampfende Wirkung hat und die Schlafbereitschaft fördert.

Die Teebereitung erfolgt durch Übergießen von ca. 2 Gramm Droge mit rund 150 ml siedendem Wasser und anschließendem Ziehenlassen für 10 Minuten. Der Teesoll immer frisch bereitet werden. Er kann zur Beruhigung tagsüber getrunken werden bzw. abends eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen.

Extrakte aus der Passionsblume – Passiflora incarnata – werden bei nervöser Unruhe, leichten Einschlafstörungen und nervös bedingten Magen-Darm-Beschwerden angewendet. Um den beruhigenden Effekt zu verstärken, geschieht das oft in Kombination mit anderen pflanzlichen Mitteln, etwa mit Baldrian.

„Untersuchungen am Menschen haben zudem ergeben, dass Passionsblumenextrakt eine gute angstlösende Wirkung besitzt“, teilen Franz-Christian Czygan, Johannes Gottfried Mayer und Heike Will vom Würzburger Studienkreis mit. „Zugleich treten, anders als bei vielen Psychopharmaka, keine muskelentspannenden Effekte auf.“ Das mache die Passionsblume zu einem Beruhigungsmittel, das sich besonders tagsüber gut einsetzen lasse – weil es den Menschen in seiner „Alltagstauglichkeit“ nicht beeinträchtigt.

 

Was die Passionsblume im Körper bewirkt

Seine beruhigenden und angsthemmenden Effekte rühren daher, dass im Nervensystem die Bindung des Botenstoffs 3H-GABA am GABAA-Rezeptor gehemmt wird, so der Studienkreis. Die beste Wirksamkeit lasse sich mit Extrakten aus den Blättern erzielen. Welche Inhaltstoffe dafür verantwortlich sind, ist bislang nicht geklärt. Vermutlich geht die Hauptwirkung auf die bekannten Flavonoide zurück.

 

Die Passionsblume geschichtlich betrachtet

Der Name der Passionsblume geht darauf zurück, dass die Missionare im neu entdeckten Kontinent Amerika die Blüten unter einem christlichen Aspekt deuteten: Sie sahen in den weiß-violetten Wunderwerken die Marterwerkzeuge der Passion Christi: Die Fäden der Nebenkrone waren ein Symbol für die Dornenkrone, die fünf Staubblätter standen für die Wundmale, die Säule mit Fruchtknoten für den Pfahl der Geißelung und die drei Griffel mit den Narben für die Nägel am Kreuz.

Die Mönche und Ärzte, die mit den spanischen Eroberern nach Amerika kamen, beobachteten, wie die Indianer Pflanzen verwendeten. Der Arzt Francisco Hernández (1517-1587) hinterließ von seiner Amerikareise umfangreiche Notizen. Mit Kommentaren versehen, wurden sie erst 1649 unter dem Titel: „Schatz der Arzneimittel aus Neuspanien“ (Rerum medicarum novae Hispaniae thesaurus) als Buch herausgegeben.

Über die Passionsblume schreibt Hernández, dass sie gegen Schlaflosigkeit helfe, schmerzstillend wirke, den Appetit anrege und die Harnausscheidung fördere. Außerdem beschrieb er sie als hervorragendes Mittel gegen Gifte und gegen Melancholie.

In Nordamerika befassten sich im 19. Jahrhundert Ärzte und Homöopathen mit der fleischfarbenen Passionsblume, der Passiflora incarnata, die in einigen Südstaaten der USA beheimatet ist. Dadurch wurde die Passionsblume in den Vereinigten Staaten noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert zu einer bedeutenden Arzneipflanze. Ihre Einsatzgebiete warnen Nervosität, Einschlafstörungen, Schlaflosigkeit und Krämpfe. In Europa dagegen dauerte es noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, bis die Wirkungen der Passionsblume wissenschaftlich untersucht wurden.

Weitere Informationen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24140586

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874113006983

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