Osteoporose-Schmerz adäquat behandeln

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Sieht der Arzt in der Osteoporose-Schmerz-Therapie nach 3 bis 4 Wochen keinen ausreichenden Effekt, sollte er den Patienten an eine Schmerz-Klinik überweisen.

Manche bezeichnen sie scherzhaft als das „älteste Gewerbe der Welt“ und Gott als den ersten Vertreter ihres Standes – habe er doch Adam vor Entnahme der Rippe in einen tiefen Schlaf fallen lassen. Fakt ist, dass die Geburt der Anästhesie am 16. Oktober 1846, auch »Ether Day« genannt, sozusagen „die Morgenröte der Humanität in die Chirurgie“ getragen hat. Dennoch dauerte es bis ins 20. Jahrhundert, dass der chronische Schmerz als eigene Krankheit anerkannt und durch John J. Bonica die moderne interdisziplinäre Schmerz-Therapie gegründet wurde. Seit etwa 20 Jahren kann eine moderne Schmerz-Klinik dem Hausarzt verschiedene und vor allem auch sehr verträgliche Therapie-Konzepte zur Analgesie anbieten.

 

Osteo­porose-Schmerz – typisch für chronischen Schmerz

Ein Parade-Beispiel für chronischen Schmerz ist der Osteo­porose-Schmerz: Bei den typischen Mikro-Frakturen brechen die Deckplatten der Wirbelkörper ein, und die Wirbel sinken zusammen. Dadurch nimmt die Distanz zwischen Knochen und Nerven ab und der resultierende Druck auf die Nervenfasern führt zum Schmerz.

Das sichtbare Resultat dieser Entwicklung ist der typische osteoporotische Rundrücken. Die Muskulatur versucht reaktiv, die Instabilität sowie die zunehmende Verkrümmung der Wirbelsäule zu kompensieren – der Muskelschmerz hat also einen weiteren erheblichen Anteil am Osteo­porose-Schmerz.

Schließlich sind noch die Sinter-Frakturen als wichtiger Faktor zu nennen: Die Spongiosa verliert bei der Osteoporose an Festigkeit und lässt sich – ähnlich wie Styropor – eindrücken. Überall, wo die feinen Spongiosa-Bälkchen brechen, kommt es zur Freiset­­­­z­­ung von Entzündungs-Mediato­­­ren. Die Folgen sind Schwellungen, das Periost als ­eigentliches Schmerz-empfind­liches Gewebe wird gereizt und auch die Entzündungs-Media­toren an sich verursachen Schmerzen.

Typisch ist der tageszeitliche Schmerz-Verlauf bei Osteo­porose: Während sich bei degenerativen Wirbelsäulen-Veränderungen der meist morgendliche »Lower Back Pain« mit zunehmender Bewegung innerhalb einiger Stunden bessert, nimmt der Osteoporose-Schmerz mit aufrechter Haltung und physischer Belastung eher zu.

 

Bewegung schützt vor Knochenbruch

Die Basis der Osteoporose-Therapie ist natürlich der medikamentöse Knochen-Aufbau bzw. der Stopp eines weiteren Abbaus. Auch auf Calcium und Vitamin D darf nicht vergessen werden. Ein weiterer wichtiger Pfeiler in der Osteoporose-Therapie ist die ausreichende Bewegung. So weist der Anthropologe Christopher Ruff in seiner Arbeit darauf hin, dass der Schlagarm von Profi-Tennisspielern eine bis zu 40 % größere Knochen-Stärke (gemessen wurde die Kortikalis) aufweist – Zahlen, von denen moderne Osteoporose-Medikamente nur träumen können, und die bei alten Menschen mit Knochenschwund wohl ohnehin ins Reich der Utopie gehören. Nichts desto Trotz ist es auch im höheren Alter und vor allem bei Osteoporose-Patienten beson­ders wichtig, auf ausreichend Bewegung zu achten – nur so lässt sich dem Muskelschwund und einem Nachlassen der Koordination vorbeugen – immerhin resultiert beides in einer erhöhten Gang-Unsicherheit mit einer Erhöhung der Sturz-Inzidenz. Die Voraussetzung dafür ist allerdings eine adäquate Schmerz-Therapie – nur so kann der Teufelskreis Schmerz – Inaktivität – Sarkopenie durchbrochen werden. Darüber hinaus führt chronischer Schmerz häufig zur Depression, die wiederum die Aktivität reduziert.

 

Adäquate Osteoporose-Schmerz-Therapie

Die optimale Osteoporose-Schmerz-Therapie stützt sich auf das Stufen-Schema der WHO. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass die so gerne und häufig verschriebenen NSARs nicht so harmlos sind wie ihr Ruf: Ohne zusätzliche Einnahme von Magen-schützenden Präparaten stirbt einer von 1.200 Patienten, wie Tramèr et al. in ihrer Arbeit aus dem Jahr 2000 eindrucksvoll zeigen konnten. NSARs sind die Medikamenten-Gruppe mit den häufigsten Nebenwirkungs-assoziierten Krankenhaus-Einweisungen. Auch PPIs können auf Dauer keine Lösung sein: Yang et al. wiesen in ihrer 2006 im Journal of the American Medical Association erschienen Studie nach, dass die Anzahl von Schenkelhals-Frakturen unter Patienten mit PPIs signifikant höher ist.

Wenn ein niedergelassener Arzt in der Schmerz-Therapie nach drei bis vier Wochen keinen ausreichenden Fortschritt sieht, so ist zu erwägen, den Patienten an eine Schmerz-Klinik zu überweisen. Andernfalls bildet sich ein »Schmerz-Gedächtnis« aus, das nur sehr schwer und mit großem Zeitaufwand wieder gelöscht werden kann. Schmerz-Spezialisten schaffen es häufig, durch effektive Kombinationstherapien verschiedener Pharmaka wie Antidepressiva, Spasmolytika oder Neuroleptika die Analgetika-Dosis und somit auch ihre Nebenwirkungen möglichst gering zu halten und dabei eine Chronifizierung des Schmerzes zu verhindern.

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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