Niereninsuffizienz bei Hypertonie

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Niereninsuffizienz bei Hypertonie ist eine wichtige, aber häufig vernachlässigte Komplikation, die konsequente Blutdrucksenkung ist die wichtigste Maßnahme zur Progressionshemmung.

Die chronische Niereninsuffizienz verläuft schleichend, das Nierenparenchym ist nicht mit Schmerzfasern innerviert, so dass jede chronische Nierenparenchym-Erkrankung ohne wesentliche Symptome verlaufen kann, bis das Stadium der Urämie erreicht ist. Neben der unmittelbaren Folge einer terminalen Niereninsuffizienz, einer lebenslangen Nierenersatztherapie, kommt ein weiteres Risiko hinzu: Die chronische ­ Niereninsuffizienz ist ­offenbar ein erheblicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen – unabhängig von konventionellen Risikofaktoren.

Grundsätzlich wird eine möglichst Leitlinien getreue Therapie bei allen Erkrankungen angestrebt. Die therapeutische Effizienz muss sich in großen, prospektiv angelegten und randomisierten Doppelblindstudien gezeigt haben. Alte herzkranke Patienten sind jedoch häufig nicht zu finden. Eine ständige Überprüfung der Nutzen-Risiko-Relation dieser individuellen Patienten ist daher unabdingbar, dies gilt vor allem auch bei Niereninsuffizienz bei Hypertonie.

 

Niereninsuffizienz bei Hypertonie und Proteinurie

Unter den Strategien zur Verlangsamung der Progression der Niereninsuffizienz bei Hypertonie ist die Blutdrucksenkung von besonderer Bedeutung. Konsequente Blutdrucksenkung beim Hyper­toniker ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Progressionshemmung. Weiterhin gilt, dass das Ausmaß der Proteinurie eine wichtige Rolle für die Progression der Niereninsuffizienz bei Hypertonie spielt. Je höher die Proteinausscheidung liegt, desto rascher schreitet die Nierenerkrankung voran, die als Folge eines Hochdrucks entstanden ist.

Deswegen ist eine effektive Blutdrucksenkung besonders bei den Patienten wichtig, die gleichzeitig eine signifikante Proteinurie aufweisen. Unterschieden werden bei der antihypertensiven Therapie die Effekte der Blutdrucksenkung von blutdruckunabhängigen Effekten. Dabei ist für die Nephroprotektion die Blutdrucksenkung als solche vorweg entscheidend.

Übereinstimmung besteht darüber, dass der Blutdruck bei Nieren­insuffizienz stärker zu senken ist als beim unkomplizierten Hypertoniker, um eine optimale Protektion zu erzielen. Frühere Vergleiche einer konventionellen Blutdruckeinstellung mit einer Einstellung auf unter < 125/75 mm Hg zeigte, dass bei Patienten mit einer Proteinurie > 1 g/d die schärfere Blutdruck­einstellung die Progression der Niereninsuffizienz signifikant gegenüber der konventionellen Einstellung verzögerte.

Das Ausmaß der Proteinurie – wie hoch die Proteinausscheidung liegt – spielt eine wichtige Rolle für die Progression der Niereninsuffizienz bei Hypertonie.

 

Diabetische Nephropathie

Über den reinen Effekt der Blutdrucksenkung hinaus zeigt eine Hemmung des RAAS-Systems durch ACE-Hemmer oder AT-1-Blocker offenbar bessere Effekte auf die Progression als eine gleichartige Blutdrucksenkung durch andere Antihypertonika. Um in den empfohlenen Zielbereich zu kommen, ist aber in den meisten Fällen eine Kombinationstherapie erforderlich, die auch drei oder vier Komponenten umfassen kann. Bei der diabetischen Nephropathie ist die Wirksamkeit der RAAS-Hemmung besonders gut dokumentiert.

Die selektive Dilatation des vas efferens und die nicht hämodynamischen Effekte der ACE-Hemmung greifen in der Pathogenese der diabetischen Nephropathie an den für die Progression kritischen Punkten, nämlich der Senkung des intraglomerulären Drucks, der Zellproliferation und der extrazellulären Matrixbildung, an. Bei der beginnenden diabetischen Nephropathie, die bereits eine Mikroalbuminurie aufweist, ist ein ACE-Hemmer auch bei Normotonie indiziert. Die Kombination aus ACE-Hemmern und AT-1-Blockern wird seit einigen Jahren nicht mehr empfohlen.

 

Fazit. Zusammenfassend ist die Niereninsuffizienz bei Hypertonie eine wichtige, aber leider häufig vernachlässigte Komplikation der Hypertonie. Präventiv und therapeutisch steht die effektive Blutdrucksenkung an erster Stelle. Die Hemmung des RAAS-Systems durch ACE-Hemmer oder AT-1-Blocker hat offenbar bessere Effekte auf die Progression der Niereninsuffizienz. Eine Kombinationstherapie scheint Vorteile gegenüber den Einzelsubstanzen zu bringen.

Literatur:

http://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/2014_Pocket-Leitlinien_Arterielle_Hypertonie.pdf

https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/chronickidneydisease.html


Quelle:

Die Niere – das stumme ­Endorgan der Hypertonie. Prof. Dr. Walter Zidek. MEDMIX 06/2009

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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