Neurorehabilitation in Österreich

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Maßnahmen der Neurorehabilitation verbessern die Chancen der Patienten auf eine gute oder sogar vollständige Erholung. Denn Kopfverletzungen, Schlaganfälle und andere neurologische Erkrankungen können zu lebenslanger Behinderung führen.

Auf dem Gebiet der Neurorehabilitation hat Österreich eine internationale Pionierrolle. „Der Bedarf an Neurorehabilitation steigt beständig an. Die akutmedizinische Versorgung nach Schlaganfällen oder Unfällen wird immer besser, immer mehr Patienten überleben. Allerdings benötigen viele Rehabilitationsmaßnahmen, die ihnen die Rückkehr in ein im Idealfall wieder normales Leben ermöglichen“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Walter Oder vom Rehabilitationszentrum Wien-Meidling der AUVA und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurorehabilitation anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft vom 6. bis 8. November in Graz.

Schwerpunkt dieser Neurorehabilitation sind Übungstherapien wie Physio- und Ergotherapie, Logopädie, neuropsychologisches Training, Sehschule etc. Ziel der Maßnahmen ist die bestmögliche Rückbildung der entstandenen Schäden, oder den Patienten zumindest das Leben mit den entstandenen Defiziten zu erleichtern (Funktions- und Kompensationstraining). Das betrifft Lähmungserscheinungen, Sehstörungen, Störungen der Kognition, der Aufmerksamkeit oder des Verhaltens.

Prof. Oder: „Betroffene sind oft ängstlich, zeigen Depressionen und Störungen des Sozialverhaltens. Um solche Zustandsbilder behandeln zu können, benötigt man auch Medikamente und eine spezialisierte psychologisch-psychotherapeutische Betreuung.“ Auch das soziale Umfeld der Patienten sollte so weit wie möglich in diesen Prozess eingebunden werden.

Die Neurorehabilitation sollte möglichst früh beginnen, im Fall einer langen Bewusstlosigkeit bereits im Krankenhaus mit speziellen Maßnahmen zur Stimulation. Nach der Frührehabilitation folgt die Phase der klassischen stationären Rehabilitation, die viele Patienten auch nach ihrem Aufenthalt in der Reha-Klinik mit ambulanten Programmen fortsetzen. Dabei kommen auch Mal- oder Kunsttherapien zum Einsatz.

Ziele der Neurorehabilitation je nach Art der Erkrankung oder Verletzung und individueller Patienten-Situation

Die Ziele der Neurorehabilitation hängen von der Art der Erkrankung oder Verletzung und von der individuellen Situation des Patienten ab. Prof. Oder: „Bei jungen Menschen geht es nach akuten Ereignissen darum, sie vollständig wiederherzustellen. Im Idealfall kann man Patienten dorthin zurückbringen, wo sie vor dem Unfall oder vor der Erkrankung gestanden sind, mit möglichst wenig verbleibenden Defiziten. Das gelingt natürlich nicht immer, aber junge, gesunde Menschen haben die besten Chancen, sich beispielsweise von einer Kopfverletzung wieder komplett zu erholen.“ Je älter ein Patient und je schwerer die Verletzung oder Schädigung ist, desto ungünstiger die Prognose.

Darüber hinaus trägt auch das soziale Umfeld zu den Heilungschancen bei. Es muss für jeden Patienten ein individueller Plan erstellt und die Prognose individuell betrachtet werden. Dabei helfen auch CT und MRT sowie neurophysiologische Untersuchungen, mit denen festgestellt wird, wie schwer die entstandenen Schäden am Gehirn und Nervensystem sind. „Ausgehend von den Befunden geht es dann darum, das Gesundheitspotential, das diesem Menschen innewohnt, zu erreichen“, so Prof. Oder. „Neurorehabilitation kann Wochen, Monate, Jahre dauern.“

Neben akuten Erkrankungen und Verletzungen betrifft die Neurorehabilitation auch chronische Erkrankungen des Nervensystems wie Epilepsie, MS oder Morbus Parkinson.

Neurorehabilitation in Österreich hat lange Tradition

In Österreich hat die Neurorehabilitation eine lange Tradition. Bereits 1951 wurde von der AUVA das erste Querschnittszentrum Europas in Tobelbad eröffnet, das auf Schädel-Hirnverletzungen spezialisierte Zentrum in Wien-Meidling folgte 1967. Die Gesellschaft für Neurorehabilitation wurde 1985 gegründet. „Die österreichische Neurologie hatte immer großes Interesse an der Rehabilitation. Das Angebot konzentriert sich auf die sogenannte Phase C“, so Prof. Oder. „Einen gewissen Mangel gibt es für die Phase B, der Frührehabilitation für schwer geschädigte Patienten. Wir haben aber auch Defizite in der poststationären Versorgung, es gibt zu wenig ambulante Therapieplätze und Tageskliniken. Hier wäre ein Ausbau wichtig, denn im poststationären Bereich geht es ja gerade auch um Menschen, die zurück ins Arbeitsleben wollen. Im weltweiten Vergleich sind wir in Österreich jedoch durchaus gut aufgestellt.“

Bildtext: Neurorehabilitation verbessert die Chancen der Patienten auf eine gute oder sogar vollständige Erholung. © Pressmaster / shutterstock.com.

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