Nahrungsmittelvergiftungen durch Noroviren

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Noroviren sind der häufigste Grund für Nahrungsmittelvergiftungen und belegen Platz 4. bei durch Trinkwasser-assoziierte infektiöse Gastroenteritiden.

Die zur Familie der Caliciviridae Noroviren wurden das erste Mal 1972 bei einem Ausbruch von Gastroenteritis in einer US-Schule in Norwalk, Ohio, beschrieben. Noroviren verursachen weltweit etwa 50% der Ausbrüche von akuten Gastroenteritiden, wobei vor allem zwei Faktoren ihre hohe Infektiosität und das Verursachen von Infektionsausbrüchen erklären: Dies sind ihre extreme Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse – z.B. Resistenz gegen Alkohol-basierte Desinfektionsmittel und Erhitzen bis 60° C – und die Tatsache, dass sehr geringe Viruskonzentrationen von 10 bis 100 Virionen für eine Infektion ausreichen.

Die Übertragung erfolgt wie bei Rotaviren von Mensch zu Mensch, die Inkubationszeit liegt ebenfalls bei 1 bis 3 Tagen. Noroviren-Ausbrüche kommen üblicherweise punktuell in Spitälern, Krabbelstuben und beim Militär vor, wo sie über einen gewissen Zeitraum andauern. Norovirusinfektionen sind der häufigste Grund so genannter Nahrungsmittelvergiftungen und belegen den 4. Platz bei den Ursachen für Trinkwasser-assoziierte infektiöse Gastroenteritiden. Bereits vor der Einführung der generellen Impfung gegen Rotaviren waren Norovirusinfektionen häufiger als Rotavirusinfektionen.

Noroviren werden durch Schmierinfektion fäkaloral, durch Aerosolbildung beim Erbrechen oder durch kontaminierte Nahrungsmittel übertragen. Infektionsquellen sind neben dem Menschen kontaminiertes Wasser, Schwimmbäder und Meeresfrüchte. Es besteht die Gefahr an Massenausbrüchen bei Versorgung durch eine Gemeinschaftsküche oder gemeinsamer Unterbringung z.B. in Alters- und Kinderheimen, Krankenhäusern, auf Kreuzfahrtschiffen, etc. Das kann im Spital beispielsweise zur vorübergehenden Schließung einer ­Station oder einer gesamten Institution führen. Auf Grund ihrer großen medizinischen Bedeutung sind Ausbrüche von Norovirus-Infektionen in unseren Breiten meldepflichtig.

Trotz der so unterschiedlichen Erkrankungsbilder haben Noroviren und Influenzaviren nicht nur ihr häufig gleichzeitiges saisonales Auftreten gemeinsam, sondern verhalten sich auch sehr ähnlich mit ihren Mechanismen, die Immunantwort zu umgehen und mit immer wiederkehrenden Infektionsausbrüchen in der menschlichen Population präsent zu bleiben.

Noroviren sind nichtumhüllte RNS-Viren mit starker genetischer und antigener ­Variabilität. Derzeit sind mehr als 40 verschiedene Norovirus-Stämme bekannt, die basierend auf der Homologie ihrer RNS-Sequenzen in 5 Genogruppen eingeteilt werden. Die meisten Erkrankungsausbrüche werden durch Stämme der ­Genogruppen I und II hervorgerufen. Als Zellrezeptoren für Noroviren wurden die Histo-Blutgruppenantigene (HBGA) identifiziert, die sowohl auf der Oberfläche von roten Blutkörperchen als auch auf der Oberfläche von Schleimhautepithelzellen vorkommen. Die Expression der HBGA an der Zell­oberfläche wird durch verschiedene ­Genloci kontrolliert, und dementsprechend vielfältig und komplex ist der HBGA-Phänotyp in der menschlichen Population.

 

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Rainer Müller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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